Meditativer Impuls Februar 2019

Papst Franziskus und das Volksbegehren „Artenvielfalt – Rettet die Bienen"

Der Schöpfungstag unseres Bistums Regensburg im Herbst 2018 zum Thema „Biologische Vielfalt ist Zukunft" fand in der Biodiversitätsgemeinde Tännesberg einen guten Anklang. Auch bei den Angeboten der Katholischen Erwachsenenbildung taucht immer wieder das Thema „Natur. Vielfalt. Artenschutz" auf. Vor zwei Jahren beschäftigten sich alle AK-Pastoral-Mitglieder unserer KJF mit der Umwelt-Enzyklika „Laudato si" (LS) von Papst Franziskus. Im vergangenen Jahr schließlich wurde der Franziskusweg unseres KJF-Bildungshauses Hermannsberg eingeweiht. Darin enthalten ist auch die „Säule der gesellschaftlichen Verantwortung". Sie zeigt eindringlich das komplexe Zusammenspiel von verschiedenen gesellschaftlichen Kräften und ermutigt zum konkreten, nachhaltigen Umgang mit Gottes Schöpfung.

Erzbischof Ludwig Schick hat sich nun nach einer KNA-Meldung für die Unterstützung des Volksbegehrens „Artenvielfalt – Rettet die Bienen" ausgesprochen. Auch er beruft sich auf Papst Franziskus, der sich in seinen Ausführungen dem Verlust der biologischen Vielfalt widmet. Letztlich baut der Papst seine Gedanken auf den Sonnengesang des Heiligen Franz von Assisi auf und denkt sie weiter. Lassen wir den Papst einmal zu Wort kommen:

Die Ressourcen der Erde werden … geplündert durch ein Verständnis der Wirtschaft und der kommerziellen und produktiven Tätigkeit, das ausschließlich das unmittelbare Ergebnis im Auge hat. Der Verlust von Wildnissen und Wäldern bringt zugleich den Verlust von Arten mit sich, die in Zukunft äußerst wichtige Ressourcen darstellen könnten, nicht nur für die Ernährung, sondern auch für die Heilung von Krankheiten und für vielfältige Dienste. (LS 32)

Jedes Jahr verschwinden Tausende Pflanzen- und Tierarten, die wir nicht mehr kennen können, die unsere Kinder nicht mehr sehen können, verloren für immer. Die weitaus größte Mehrheit stirbt aus Gründen aus, die mit irgendeinem menschlichen Tun zusammenhängen. Unseretwegen können bereits Tausende Arten nicht mehr mit ihrer Existenz Gott verherrlichen, noch uns ihre Botschaft vermitteln. (LS 33)

Möglicherweise beunruhigt es uns, vom Aussterben eines Säugetiers oder eines Vogels zu erfahren, weil sie uns mehr vor Augen sind. Doch für das gute Funktionieren des Ökosystems sind auch die Pilze, die Algen, die Würmer, die Insekten, die Reptilien und die unzählige Vielfalt von Mikroorganismen notwendig. Einige zahlenmäßig geringe Arten, die gewöhnlich unbemerkt bleiben, spielen eine grundlegend entscheidende Rolle, um das Gleichgewicht eines Ortes zu stabilisieren. (LS 34)

Wenn wir jedoch die Welt betrachten, stellen wir fest, dass dieses Ausmaß menschlichen Eingreifens, das häufig im Dienst der Finanzen und des Konsumismus steht, dazu führt, dass die Erde, auf der wir leben, in Wirklichkeit weniger reich und schön wird, immer begrenzter und trüber, während gleichzeitig die Entwicklung der Technologie und des Konsumangebots grenzenlos weiter fortschreitet. So hat es den Anschein, dass wir bestrebt sind, auf diese Weise eine unersetzliche und unwiederbringliche Schönheit auszutauschen gegen eine andere, die von uns geschaffen wurde. (LS 34)

 

Tone Schmid: Säule der gesellschaftlichen Verantwortung, Franziskusweg beim KJF-Bildungshaus Hermannsberg

Die Rettung der Bienen und der gesamten Artenvielfalt hängt also zuvorderst mit einer Achtung Gottes Schöpfung zusammen. Aus ihr entspringt die Konsequenz des ethisch-christlichen Handelns. Wie beziehen wir Position beim anstehenden Volksbegehren, das von 31. Januar bis 13. Februar stattfindet? Mindestens zehn Prozent der stimmberechtigten Bayern müssten sich in den Rathäusern eintragen, das sind fast eine Million Stimmen. Sollte das gelingen, muss der Landtag entscheiden, ob er sich das Volksbegehren zu eigen macht und in Gesetzesform gießt oder ablehnt. Dann kommt es zum Volksentscheid.

Gegner des Volksentscheides berufen sich meist auf ökonomische Faktoren und die Gesetze des Marktes. Die Leidtragenden seien vor allem die Bauern. Papst Franziskus dagegen wirbt für eine Gesamtökologie, die die Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialökologie in Einklang bringt.

Wer nicht wie in China mit Wattestäbchen losziehen möchte, um Pflanzen mit der Hand zu bestäuben, wird wohl jetzt schon beim Einkauf von Lebensmitteln tiefer in die Tasche greifen müssen, um Nachhaltigkeit zu sichern, dem Bauernstand eine Zukunft zu geben und die Genesis fortzuschreiben: „… Und Gott sah, dass es gut war!"

Text: Geord Deisenrieder, Pastoralreferent
Bilder: Christine Allgeyer