Digitaler Stress im Alltag

Ständig online? Das gilt für viele Arbeitgeber, Entscheider wie auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Unternehmen in zunehmendem Maße. Und auch im Alltag verbringen immer mehr Menschen viel Zeit vor einem Display. Doch digitaler Stress gefährdet die Konzentration. Weniger Output und weniger Qualität bei dem, was man eigentlich tun und erreichen will, resultieren daraus. Digitaler Burnout wäre die schlimmste aller Folgen. Dr. Volker Busch, Neurologe, Psychiater und Psychotherapeut der Universitätsklinik Regensburg, zeigte beim Fachtag: „Digitaler Stress im Alltag" auf, was die Reizflut im menschlichen Gehirn auslöst und wie es gelingen kann, dem digitalen Stress zu trotzen.

Bild v.li.: Günther Lange (Leiter der Regionalstelle Oberpfalz des Zentrums Bayern, Familie und Soziales), Manina Sobe (Leiterin ifd Oberpfalz), Karin Siegert (Vizepräsidentin der IHK Regensburg Oberpfalz/Kelheim), Dr. Volker Busch, HWK-Vorsitzender Dr. Georg Haber, KJF-Direktor Michael Eibl.

„Mitmachen heißt wettbewerbsfähig bleiben."

„Die Digitalisierung bringt uns mehr Chancen als Risiken", stellte Dr. Georg Haber, Vorsitzender der Handwerkskammer, in seiner Begrüßung heraus. An die 120 Gäste nahmen am Fachtag „Digitaler Stress" in der Handwerkskammer teil. Organisatoren waren die Handwerkskammer (HWK), die Industrie- und Handelskammer (IHK), die Katholische Jugendfürsorge mit dem Integrationsfachdienst Oberpfalz und das ZBFS (Zentrum Bayern, Familie und Soziales). „Ohne an der Digitalisierung teilzunehmen, wird es in Zukunft nicht gehen", so Haber weiter, „das gilt für das Handwerk wie auch für Wirtschaftsunternehmen. Mitmachen heißt wettbewerbsfähig bleiben." Dabei seien die Arbeitgeber gefordert, manche Mitarbeiter noch mehr zu motivieren, andere wiederum zu schützen. In den Unternehmen müssten die Verantwortlichen Rahmenbedingungen schaffen, in denen die Gesundheit der Mitarbeiter und ihre eigene auch beim Thema Digitalisierung nicht beeinträchtigt wird.

An einem Strang ziehen

Manina Sobe, Leiterin des Integrationsfachdienstes Oberpfalz, und Günther Lange, Leiter der Regionalstelle Oberpfalz des Zentrums Bayern, Familie und Soziales, stellten das Thema „Digitalisierung" in den weiteren Kontext der Unterstützungsleistungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einer psychischen Erkrankung oder Behinderung, die Unterstützung am Arbeitsplatz brauchen, oder dabei, wieder eine Arbeit aufnehmen zu können. Manina Sobe bedankte sich bei den am Fachtag teilnehmenden sozialen Einrichtungen und Initiativen: Bündnis gegen Depression, KISS - Regensburg Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen, Sozialpsychiatrischer Dienst des Diakonischen Werkes, Bayerische Gesellschaft für psychische Gesundheit, Inklusionsamt, ifd, HWK und IHK. „Wir alle ziehen an einem Strang, wenn es darum geht, Unterstützungsmöglichkeiten im Arbeitsleben anzubieten", sagte Manina Sobe.

Zeitalter der Nervosität

Er beschäftige sich leidenschaftlich mit der Frage, wie sich die Digitalisierung auf unser Denken, die Kommunikation, die Leistungsfähigkeit, unsere Autonomie, Inspiration und Gesundheit auswirke", erklärte Dr. Volker Busch beim Fachtag. Er lenkte den Blick darauf, was unser Gehirn braucht, um gut zu sein. Wer ständig online sei, werde abgelenkt und könne sich nicht mehr fokussieren. Doch das ist die Voraussetzung für Lernen, für gute Leistungen, fürs Erinnern. Der „Aufmerksamkeitsklau" hat aber noch mehr Folgen. „Digitale Medien machen uns fragmentiert, oberflächlich und lassen uns springen", so Busch, „beim Aufmerksamkeitsswitch geht Performance verloren." Wer ein kluges Selbstmanagement habe, der könne diese Effekte vermeiden. Sein Tipp: „Fokuszeit organisieren und verteidigen." Sich in eine Arbeit vertiefen, das könne entspannen, bringe höhere Leistung und Selbstzufriedenheit.

Text und Bilder: Christine Allgeyer