„Die Kinder sind so spitze, sie nehmen alles als selbstverständlich an.“

In der Kinderkrippe BAMBINO der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e. V. (KJF) werden Kinder vom 7. Lebensmonat bis zum Kindergarteneintritt gefördert und betreut. Organisatorisch gehört die Krippe zum Pater-Rupert-Mayer-Zentrum (PRMZ), einem Förderzentrum mit Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung. Die Krippe ist grundsätzlich inklusiv. Hier lernen und spielen Kinder mit und ohne Förderbedarf von klein auf miteinander und das mit großen Erfolg.

Die Leiterin des Kinderhauses, Juliane Rucker-Forster, erzählt von der aktuellen Situation während der Corona-Pandemie:

Als ich die Nachricht gehört habe, dass wir schließen müssen … puh, da ist mir einiges durch den Kopf gegangen: Wie lange schließen wir? Wie lange sehen wir die Kinder nicht? Was ist mit den Mitarbeiterinnen? Doch allzu viel Zeit bleibt nicht zum Nachdenken, denn es ging gleich los mit Bereichsleiterrunden mit den Kollegeninnen und Kollegen aus dem PRMZ. Wir machten uns gleich an die Erarbeitung eines Hygienekonzepts und organisierten Notgruppen. Meine Telefonleitung im Büro glühte. Eltern und Mitarbeiterinnen riefen an und stellten sich die gleichen Fragen wie alle: Wie soll es weitergehen? Während der Schließzeit bauten viele ihre Überstunden ab oder nahmen Urlaub. Wir mussten auch etliche Verträge verschicken und Telefonate führen – denn genau in diese Zeit fallen die Zusagen der Krippen- und Kindergartenplätze. Normalerweise machen wir das immer in einem persönlichen Treffen mit den Eltern, was jetzt leider nicht möglich ist… Diejenigen, die da waren, überlegten sich auch kleine Botschaften an die Kinder über Mail oder auch per Post.

Ab der zweiten Woche hatten wir bereits eine Notgruppe im Kinderhaus und dann ging die Zahl stetig nach oben. Mittlerweile haben wir aktuell fünf Gruppen, nächste Woche sind es schon sechs Gruppen. Es ist schwierig die Kinder einzuteilen, denn die Gruppen dürfen sich aufgrund der strengen Hygieneregeln nicht mischen. Geschwisterkinder müssen beispielsweise in eine Gruppe – auch wenn es ein Kindergartenkind und ein Krippenkind ist. Die Kinder müssen sich auf neue Bezugspersonen einlassen, denn die ursprünglichen Gruppen vor Corona können so gar nicht mehr existieren. Das macht vielen Eltern Kopfzerbrechen und das verstehe ich sehr gut! Wir waren ja sonst immer sehr dahinter, bekannte, feste Rituale und Bezugspersonen zu bieten. Ziel dieser neuen, strengen Vorschriften ist es, bei einem möglichen Corona-Fall eventuell nur die betroffene Gruppe schließen zu müssen und nicht das ganze Kinderhaus. Wir gehen mit den Kindern viel raus, spazieren, teilen uns gut ein, um die räumliche Nähe zu entzerren. Das ist mit viel Organisation verbunden, klappt aber sehr gut – danke an mein tolles Team an dieser Stelle! Und die Kinder … Die sind so spitze, sie nehmen alles als selbstverständlich an und sind einfach nur glücklich wieder zusammen mit anderen Kindern zu sein. Wir holen die Kinder ja bereits beim Eingang ab, da die Eltern aufgrund der strengen Hygienemaßnahmen nicht ins Kinderhaus dürfen. Unsere Kolleginnen haben Masken auf, häufiges Händewaschen ist wie immer selbstverständlich, wir reinigen mehrmals täglich das Spielzeug und die Oberflächen, Lichtschalter und Türgriffe in jeder Gruppe, beim Essen sitzen die Kinder weiter auseinander als sonst. Das Bällebad mussten wir leider auflösen, da es unmöglich ist, die einzelnen Bälle so gut sauber zu halten, und wir lüften noch viel öfter als vor der Corona-Pandemie. Das sind alles nur einzelne Maßnahmen die ich hier erwähne – unser Hygienekonzept ist mehrere Seiten lang …Für die Mitbeiterinnen gelten noch mehr Regeln, und daran halten sich absolut alle. Die Kinder machen das alles sowieso lockerlässig mit – das ist echt toll! Es läuft unglaublich unkompliziert ab. Die Freude der Kinder wieder hier zu sein, alle zu sehen, das steht für die Kleinen absolut im Vordergrund und ist sehr schön anzuschauen!
Für die anstehenden Entwicklungs- und Aufnahmegespräche haben wir bereits einen Plan: Im PRMZ steht uns ein größerer Raum mit großem Plexiglas-Aufsteller zur Verfügung. So können diese wichtigen Gespräche zwischen den Betreuungspersonen im Kinderhaus und den Eltern persönlich stattfinden.

Ich verstehe alle Eltern, die ihre Kinder weiter zu Hause lassen müssen und frustriert sind. Es ist einfach nicht mehr schön für die Familien, alle wollen ihren Alltag wieder. Schrittweise wird jetzt immer mehr möglich – wir sind täglich an den neuen Regeln dran und versuchen diese bestmöglich umzusetzen. Ich wünsche mir für alle, dass es bald normal weitergeht, dass alle gesund, glücklich und zufrieden sind. Wir tun von unserer Seite unser Bestes und wünschen und hoffen bald alle Kinder hier zu sehen!"

Text: Olga Arnstein

Bilder: Olga Arnstein und Corinna Bauer