Bischof Lumen Monteiro aus Nordindien zu Gast im Berufsbildungswerk

Im Rahmen des Weltmissionsmonats war Bischof Lumen Monteiro aus der nordindischen Diözese Agartala im Oktober im Landkreis Kelheim zu Gast. Nach den ersten Stationen am Vormittag besuchte der Bischof das Berufsbildungswerk (BBW) der Katholischen Jugendfürsorge in Abensberg, das junge Menschen mit Behinderung bei der Berufsvorbereitung unterstützt.

Ausbildungsleiterin Gerlinde Dubb begrüßte Bischof Lumen Monteiro und führte ihn durch das Haus. Mit dabei: Thomas Beringer, Pastoralreferent des BBW, Ruth Aigner von der Fachstelle Weltkirche und Gregor Tautz von der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Kelheim. Beim Rundgang durch das Haus machte sich Bischof Lumen ein Bild über die vielfältigen Angebote der beruflichen und sozialen Rehabilitation und war beeindruckt.

Auszubildende des BBW, Bischof Lumen (Mitte), Ausbilder Markus Kartmann (rechts)

Unterstützung in der Ausbildung für ein selbstbestimmtes Leben

Beim Mittagessen im Restaurant des Berufsbildungswerkes, bei dem Auszubildende geübt und elegant das Bedienen übernahmen, erlebte Bischof Lumen das Konzept gleich von Anfang an live mit. Junge Erwachsene bekommen hier eine Ausbildung, die auf ihre besondere Situation Rücksicht nimmt und Theorie und Praxis ihrer Lehre eng miteinander verbindet. Im Anschluss sollen sie ihren Lebensunterhalt in ganz normalen Betrieben bestreiten können. Ausbildungsleiterin Gerlinde Dubb und Diakon Thomas Beringer führten den Gast in verschiedene Abteilungen, wie Holz, Metall, Farbe, Recycling oder zu den Gärtnern. Bei den Friseuren versprach Bischof Lumen, dass er das nächste Mal mehr Zeit mitbringe und dann als Kunde komme. Er stellte immer wieder interessiert Rückfragen, denn: „Unterstützung in der Ausbildung, um den Menschen einen eigenen Lebensunterhalt zu ermöglichen, ist in der Arbeit der Kirche in Indien ein ganz wesentlicher Aspekt", so Bischof Lumen Monteiro.

Als Missionar im eigenen Land

Das internationale katholische Missionswerk missio München lud im Rahmen der Informationskampagne zum Weltmissionsmonat in diesem Jahr Bischof Lumen Monteiro nach Bayern ein. Den diesjährigen weltweiten Sonntag der Weltmission hat Papst Franziskus besonders unter den Aspekt der Mission gestellt. Bischof Lumen Monteiro antwortete zum Abschluss seines Vortrags in Bad Abbach auf die Frage: "Wo geschieht für Sie Mission - in der Sozialarbeit, in der Einladung zur Liturgie oder in der Katechese?" aus eigener Erfahrung: "In allen drei Feldern und sie hängen zusammen. So lange wir in Indien nur Sozialarbeit machen, bekommen wir keine Probleme, wenn wir aber das Evangelium verkünden und vor allem die Konsequenzen daraus ziehen, dass zum Beispiel alle Menschen gleich viel wert sind und gleiche Würde haben, wird es schwierig". Mit Blick auf das an diesem Tag im Landkreis Kelheim Erlebte und auch auf die Situation in seiner Heimat betonte er, dass vieles in der Arbeit der Kirche wichtig sei. Letztlich käme es aber darauf an, dass persönliche Begegnung zwischen den einzelnen Menschen stattfinde. "Im anderen begegnen wir Gott".  Bei den Projekten, die er an diesem Tag im Landkreis Kelheim besuchte, habe er diesen persönlichen Blick auf den Anderen gespürt.

Sich selbst bezeichnete Bischof Lumen als Missionar im eigenen Land. Missionare aus Deutschland, Italien oder Frankreich gebe es in seinem Bistum schon lange nicht mehr. Er stammt aus der ehemaligen portugiesischen Kolonie Goa an der Westküste Indiens. Sein heutiges Bistum Argatala ist davon 2.500 Kilometer entfernt. In Goa gibt es geschichtlich bedingt für indische Verhältnisse viele Christen. In seinem Bistum leben heute bei knapp vier Millionen Einwohnern  43.500 Katholiken in 20 Pfarreien. Sie gehören meist als "Tribals" der untersten gesellschaftlichen Schicht an.  Als er 1996 erster Bischof des neu gegründeten Bistums wurde, waren es gerade mal 11.000 Katholiken in 9 Pfarreien. "Wir können alle Missionare sein. Wir vermitteln Werte, wir bringen Bildung. Wir müssen Frieden, Geschwisterlichkeit, Vergebung und Respekt für andere durch unser eigenes Verhalten lehren." Mit seinem Amtsantritt hat Bischof Lumen Monteiro mit "JUST Agartala" eine soziale Anlaufstelle für vielfältige Probleme der Menschen am Rand der Gesellschaft eingerichtet.  Es geht um Frauenförderung, Jugendarbeit, Unterstützung Behinderter und in dem von gewaltsamen Konflikten gebeutelten Gebiet vor allem auch um Friedensförderung und Versöhnungsarbeit.  Auch diese Hilfe ist gerade in der Minderheitensituation von nur 1,1 Prozent Katholiken in der Bevölkerung für Bischof Lumen Monteiro ein wichtiger Aspekt von Mission.

Text und Bild: Gregor Tautz