Inklusives Theaterprojekt FRONTAL am Start

Was wird denn hier gespielt?

Wenn´s im Leben ordentlich kracht, Welten frontal aufeinander krachen, steht erst die Welt still und dann der Kopf, die Gefühle fahren Achterbahn. Auf diese spannende Fahrt will Theater FRONTAL seine Zuschauerinnen und Zuschauer mitnehmen. Theater FRONTAL ist das jüngste, inklusive Projekt der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg (KJF). Die Aktion Mensch fördert und unterstützt es, der bekannte Regensburger Schauspieler Tobias Ostermeier hatte die Idee dazu und leitet das Projekt.

Elisabeth Lindinger, Marina Siebert und Tobias Ostermeier sind ein Team in der Projekt- und Regieleitung

„Wir wollen diese innovativ-kreative Arbeit fördern – das ist gelebte Inklusion!", sagt KJF-Direktor Michael Eibl. „Die Beteiligten können ihre Ausdruckskraft und ihre Talente entfalten. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein. Und ganz nebenbei schaffen wir ein inklusives, kulturelles Netzwerk in unserem Sozialraum und der Stadtgemeinschaft Regensburg wie wir es zum Beispiel auch mit unserer inklusiven Galerie St. Klara oder dem Atelier KUNST inklusiv tun", führt Eibl weiter aus. Denn, und da ist sich Eibl sicher, „nur, wenn in den Köpfen und Herzen wirklich ankommt, dass es gerade in der Kunst, im Theater, in der Literatur keine Grenzen gibt, dann leben wir dort Inklusion."

Theater FRONTAL

Theater FRONTAL ist eine neu formierte freie Theatergruppe unter der Federführung des Sozialpädagogen und Schauspielers Tobias Ostermeier. Er hat mit seinem Team bei drei Castings, zu denen fast 50 Leute kamen, eine große, bunte Truppe zusammengestellt, die in allen Bereichen inklusiv arbeitet: in der Leitung, bei der Technik, beim Bühnenbild und natürlich auch auf der Bühne arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung gleichberechtigt zusammen. „Der Handlungsverlauf wird durch die Arbeit mit den Schauspielerinnen und Schauspielern entwickelt, der Szenenverlauf und die Charakterentwicklung werden dabei auf die einzelnen Persönlichkeiten zugeschnitten," erklärt Tobias Ostermeier.

„Theaterspielen ist wunderschön und mein Traum"

Ein unvorhergesehenes Ereignis im Leben eines Gang-Mitglieds hat eine Körperbehinderung zur Folge. Sein Leben gerät aus den Fugen, alles ist in Frage gestellt und die Hauptperson verliert den Lebensmut. Da er nun auf Unterstützung angewiesen ist, zieht er in eine therapeutische WG. So hatte er sich sein Leben aber nicht vorgestellt. Angewiesen auf fremde Hilfe, verliert er auf den ersten Blick alles, was sein „altes Leben" ausgemacht hat: Freiheit und Selbstbestimmung. Auf Grundlage dieser Rahmenhandlung entwickelte die Theatertruppe bereits bei einer ersten Kick-Off-Probe konkrete Ideen. Mittlerweile fügen sich von Probe zu Probe die kreativsten Teile zu einem großartigen Ganzen zusammen.

„Theaterspielen ist wunderschön und mein Traum. Ich bin sehr gerne Schauspielerin und habe in einer Theatergruppe mitgespielt, das war cool", erzählt die 24-jährige Mara. Genau wie sie haben Florian (20 Jahre) und Tim (22 Jahre) als ehemalige Schüler der Bischof-Wittmann-Schule, ein Förderzentrum der KJF mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, in Theater- und Tanzaufführungen Erfahrungen gesammelt. Lampenfieber, kennen sie das? Nein", sagt Tim lachend, „wir spielen fabelhaft oder romantisch", erinnert er sich an das inklusive Stück „Die Brücke der Begegnung".

 

Bühnenbildnerin Katharina Claudia Dobner mit Ludwig Hirtreiter

Wunderbare Persönlichkeiten

Projekt- und Regieleiter Tobias Ostermeier schwärmt: „Wunderbare Persönlichkeiten arbeiten in unserem Projekt zusammen." Die Bühnen- und Kostümbildnerin Katharina Claudia Dobner etwa und Ludwig Hirtreiter, der als Künstler im Atelier KUNST inklusiv der KJF und mit einer Ausstellung in der inklusiven Galerie St. Klara der KJF in Regensburg und im Raum Ostbayern bereits von sich reden gemach hat. Katharina Claudia Dobner und Ludwig Hirtreiter sind bei den Proben dabei. „Das ist das Schöne", sagt die Bühnenbildnerin, „wir können aktiv mitgestalten und entwickeln unsere Ideen, das Bühnenbild, die Requisiten und Kostüme im Austausch mit den Spielern, dem Leitungs- und Regieteam." Neben Tobias Ostermeier und Katharina Claudia Dobner sind Marina Siebert und Elisabeth Lindinger im Leitungsteam. „Ich bin die erste Rollstuhlfahrerin in Bayern, die nach ihrem Sozialpädagogikstudium eine theaterpädagogische Qualifikation erworben hat", erzählt sie. Die zertifizierte Spielleiterin unterstützt Tobias Ostermeier als Co-Regisseurin. „Mir ist wichtig, dass wir nicht ein ‚Behindertenprojekt‘ umsetzen, sondern inklusiv arbeiten und unbedingt aus dem Setting einer Behinderteneinrichtung herausgehen. In unserem Projekt sollen Leute dort zusammenkommen, wo das Leben ist", sagt sie. Da passt die Projektidee von Tobias Ostermeier perfekt. Alle Mitwirkenden bringen ihre Ideen ein und entwickeln gemeinsam das Stück: frontal und inklusiv.

So geht es weiter

Am 2. April 2020 findet die Generalprobe im Unitheater in Regensburg statt. Davor wird es eine Vorpremiere in der Galerie St. Klara der KJF geben. „Danach wollen wir noch im Raum Regensburg tingeln, mit dem Theater zu den Leuten fahren also", berichtet Tobias Ostermeier. Besucht werden sollen Pfarrheime, Altersheime, Gemeindezentren. Regensburg darf gespannt sein auf Theater FRONTAL.

Text und Bilder: Olga Arnstein / Christine Allgeyer