Wohnen wie ICH will
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„Ich kann alleine leben, denn das ist mir sehr wichtig. Ich habe aber immer jemanden, an den ich mich wenden kann. Mit dem Ambulant Unterstützten Wohnen bekomme ich Hilfe, wenn ich sie brauche. Ich bleibe selbstständig und entscheide selbst über mein Leben“, Leistungsnehmerin Stefanie Obermüller bringt es auf den Punkt, welche Bedeutung das Ambulant Unterstützte Wohnen (AUW) für ihre Lebensqualität hat. Seit 25 Jahren bietet die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Regensburg (KJF) e. V. diesen Dienst an und feierte das runde Jubiläum mit dem Fachtag Wohnen wie ICH will.
Das AUW richtet sich an Menschen mit Behinderung, die im eigenen Zuhause leben möchten, dabei jedoch auf individuelle Unterstützung angewiesen sind. Ziel ist es, ein möglichst selbstbestimmtes Leben in der gewohnten Umgebung zu ermöglichen und gleichzeitig die notwendige Begleitung im Alltag sicherzustellen. Der Umfang der Unterstützung orientiert sich am persönlichen Bedarf und kann Hilfe bei der Organisation des Haushalts, bei Behördengängen, der Tagesstrukturierung oder der sozialen Teilhabe umfassen. Fachkräfte stehen den Leistungsnehmerinnen und Leistungsnehmern beratend und begleitend zur Seite, ohne deren Eigenständigkeit einzuschränken.
Bedarfsgerechte Versorgung in allen Lebenslagen
„Die KJF legt Wert darauf, den Leistungsnehmerinnen und Leistungsnehmern differenzierte Hilfestellungen zu bieten: Ein wichtiger Bestandteil ist das AUW“, betonte KJF-Direktor Michael Eibl. „Im Bereich Wohnen für Menschen mit Handicaps ist die KJF bereits sehr breit aufgestellt. In den Wohnheimen können sie eine lebenslange Heimat finden. Hier investieren wir sehr viel“, so Eibl weiter. „Für die Bewohnerinnen und Bewohner, die sich weiterentwickeln und eigenständig wohnen wollen, bieten wir durch da AUW ein durchlässiges System, das sie in ihrer jeweiligen Lebenssituation bedarfsgerecht versorgt. Dafür danke ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der KJF, die sich jeden Tag dafür einsetzen. Sie können stolz auf ihre Leistung sein!“ Axel Weigert, Leiter der Wohngemeinschaften St. Hildegard, ergänzte: „Als Leistungserbringer des Ambulant Unterstützten Wohnens haben wir den Anspruch eine sehr fachliche und moderne ambulante Assistenz anzubieten. Dazu gehört sowohl der Blick auf die individuellen Bedürfnisse und Wünsche der Leistungsnehmerinnen und Leistungsnehmer, wie auch die Förderung der Fähigkeiten – immer im Mittelpunkt die Person.“
Seinen Ursprung hat das Ambulant Unterstützte Wohnen der KJF in den Wohngemeinschaften St. Hildegard Straubing. Dort ging der Dienst vor 25 Jahren – am 1. April 2001 – an den Start. Es folgten weitere Einrichtungen, verteilt über das Einzugsgebiet der KJF: Das Cabrini-Zentrum Offenstetten, die Wohngemeinschaften St. Franziskus Eggenfelden, die Wohngemeinschaft St. Benedikt Mitterteich und St. Klara Regensburg. Insgesamt 47 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fördern 122 Leistungsnehmerinnen und Leistungsnehmerin ihrer Selbstständigkeit. Peter Weiß war als damaliger Leiter der Wohngemeinschaften St. Hildegard maßgeblich am Aufbau des AUW beteiligt: „Bis 2001 existierte dieses Angebot nicht. Es gab aber einen großen Bedarf. Deshalb haben wir ein Konzept erstellt und sind an unseren Träger die KJF herangetreten: Sie hat uns von Anfang an bestens dabei unterstützt, diese Versorgungslücke zu schließen. Heute haben wir für das AUW ein sehr stabiles Team, das den Bedarf gut abdecken kann.“ Inzwischen leitet Peter Weiß St. Klara Regensburg, die seit 2022 eine eigenständige Einrichtung ist.
Ein Weg, Menschen mit Behinderung sichtbarer werden zu lassen
Diese Leistung würdigten auch die Ehrengäste des Fachtags. MdL Josef Zellmeier, Vorsitzender des Ausschusses für Staatshaushalt und Finanzfragen sieht in es als „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen: „Die segensreiche Arbeit der KJF, die das ambulant unterstützte Wohnen seit einem Vierteljahrhundert anbietet, ist eine große Bereicherung für unsere Region. So wird die Inklusion nachhaltig gestärkt. Dafür ein herzliches Vergelts Gott!“
Holger Kiesel, Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung betonte, dass die Wahl der Wohnform ein Grundrecht für jedes Menschen ist, das in alle anderen Lebensbereiche wie Arbeit, Freizeit oder Mobilität ausstrahlt: „Wer dort wohnen kann, wo er möchte, wie er möchte und mit wem er möchte, kann einfach seine Potenziale auf allen Gebieten besser entfalten. AUW ist damit auch ein wichtiger Weg, Menschen mit Behinderung überall in der Gesellschaft sichtbarer werden zu lassen.“ Bezirksrat Franz Schreyer warb dafür, das Angebot AUW „noch bekannter zu machen“ und „weiter auszubauen“. Dem schloss sich Dr. Irmgard Schroll-Decker, Professorin i. R. für Sozialmanagement an der OTH Regensburg, an: „Die Soziale Arbeit hat eine große Wirkung. Für die Leistungsnehmerinnen und Leistungsnehmer bedeutet sie eine Verbesserung der Lebensqualität und davon bekommt die gesamte Gesellschaft etwas zurück.“
Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr ging auf die herausfordernde Situation auf dem Wohnungsmarkt ein: „Unsere Innenstädte werden sich verändern: Künftig wird es weniger Geschäfte geben. Dadurch kann mehr Platz für Wohnraum entstehen, auch barrierefreier.“ Damit das gelingen könne, seien sowohl private als auch kommunale Bauträger gefordert.
Text: Sebastian Schmid