null Starke Stimmen – starkes Engagement

Anfang Juni bestimmten Wahlpersonen aus Einrichtungen der Behindertenhilfe und Psychiatrie in ganz Deutschland die sieben Mitglieder des neuen Angehörigenbeirats des Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V. (CBP). Neben dem ehemaligen Abteilungsleiter für Teilhabeleistungen der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg (KJF), Bertin Abbenhues, der sich während der Freistellungsphase in der Altersteilzeit beim CBP engagiert, wurden weitere sechs Personen in das Gremium gewählt.

Der CBP als wichtiges Gremium der partizipativen Zusammenarbeit im katholischen Fachverband auf Bundesebene bringt die Perspektive der Angehörigen von Menschen mit Behinderung ein und vertritt dabei insbesondere die Interessen von schwerstmehrfach behinderten und psychisch erkrankten Menschen und deren Familien in Politik, Kirche und Gesellschaft. Beim diesjährigen Angehörigentag am 5./6. Juni in Fulda verabschiedete CBP-Vorsitzender Wolfgang Tyrychter nach rund dreieinhalb Jahren engagierter Vertretungsarbeit den bisherigen Beirat mit einem sehr herzlichen Dank. In seiner konstituierenden Sitzung direkt im Anschluss an die Wahl bestimmte der neue CBP-Angehörigenbeirat Bertin Abbenhues zu seinem Sprecher.

Gruppenbild des neu gewählten Angehörigenbeirats
CBP-Angehörigenbeirat 2026 mit (v. l.) Bertin Abbenhues (KJF Regensburg), Susanne Engelen (Caritasverband Stuttgart), Franz Hümmeke (Alexianer Stift Tilbeck GmbH, Havixbeck), Christelle Wilken (St.-Vitus-Werk GmbH Meppen), Markus Lott (Caritas-Werkstatt Nordkirchen), Petra Gierl (Dominikus-Ringeisen-Werk Günzburg/Neu-Ulm), Klemens Kienz (Caritasverband Brilon e.V.) (Foto: CBP)

Als Familienvater von drei Töchtern im Alter zwischen 23 und 30 Jahren hat Bertin Abbenhues in den vergangenen drei Jahrzehnten viele Erfahrungen sammeln können – Erfahrungen darüber, was eine Familie bewegt, was sie stärkt und was sie an ihre Grenzen bringt. „Unsere älteste Tochter lebt mit einer geistigen Behinderung. Sie prägt unser Familienleben seit ihrer Geburt – im Positiven wie im Herausfordernden“, so Abbenhues über seine privaten Erfahrungen. Darüber hinaus arbeitete Abbenhues bis November 2025 fast 18 Jahre als Leiter der Abteilung „Teilhabeleistungen für Kinder und Jugendliche“ der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg. „So habe ich Einrichtungen der Eingliederungshilfe sowohl als betroffener Vater als auch aus der Sicht eines Trägers kennenlernen und schätzen dürfen.“ Seit 12 Jahren wohnt die Tochter Lena im Cabrini-Zentrum der KJF in Offenstetten, wo sie auch in der Förderstätte der KJF Werkstätten gemeinnützige GmbH arbeitet. Seit 2025 gibt es im Cabrini-Zentrum einen Angehörigenbeirat, dessen Vorsitz Bertin Abbenhues übernommen hat.

Das Leben in einer Familie mit einem behinderten Kind ist erfüllend, aber auch kräftezehrend. Eltern sind jeden Tag zu 100 % gefordert und oft darüber hinaus. Sie tragen Verantwortung, organisieren, begleiten, pflegen, koordinieren und versuchen gleichzeitig, den Bedürfnissen aller Kinder gerecht zu werden. Geschwister erleben nicht selten, dass das Kind mit Behinderung mehr Aufmerksamkeit braucht als sie selbst. Viele fühlen sich zurückgesetzt, obwohl die Eltern alles tun, um das zu verhindern. Hinzu kommen die psychischen und körperlichen Belastungen der Eltern, die in vielen Fällen zu Überforderung führen. Die hohe Scheidungsrate in Familien mit einem behinderten Kind ist ein deutlicher Hinweis darauf, wie groß der Druck ist, unter dem diese Familien stehen. „Vor diesem Hintergrund verfolgen wir die aktuellen politischen Diskussionen mit großer Sorge“, so Abbenhues.

Er meint die Neuordnung der Pflegeversicherung, die Reform der Eingliederungshilfe, die Gesundheitsreform sowie Änderungen in der Kinder- und Jugendhilfe. „All diese Reformprozesse erzeugen Unsicherheit und die Befürchtung, dass ausgerechnet bei den Unterstützungsmaßnahmen für Menschen mit Behinderung und ihren pflegenden Angehörigen gekürzt wird“, so Abbenhues weiter. An zwei Beispielen aus der geplanten Pflegereform macht Abbenhues dies deutlich: „Die geplante Kürzung der Rentenpunkte für pflegende Angehörige ist ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die ihre Angehörigen zu Hause versorgen, keinen Pflege- oder Betreuungsplatz in Anspruch nehmen und damit sogar den Pflegekassen und der öffentlichen Hand erhebliche Kosten ersparen. Diese Menschen leisten täglich einen Beitrag, der unbezahlbar ist – menschlich wie finanziell. Eine Kürzung ihrer Rentenansprüche ist keine Reform, sondern ein sozialer Rückschritt. Denn durch eine Reduzierung bei den Rentenbeiträgen für pflegende Angehörige wird deren Risiko für Altersarmut steigern.“

Durch eine strengere Prüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) soll der Zugang zu Pflegegraden laut Referentenentwurf erschwert werden. Dies führt zu erheblichen Mehrbelastungen für Angehörige, die Hilfen verstärkt selbst leisten müssten. „Familien mit behinderten Angehörigen brauchen Entlastung, verlässliche Hilfen und Unterstützungsstrukturen, Anerkennung und Wertschätzung, finanzielle Sicherheit und psychosozialen Rückhalt statt zusätzlicher Hürden oder einer Abwertung ihrer Lebensleistung“, so das Resümee von Abbenhues. Einsparbestrebungen in Eingliederungshilfe und Pflege werden aktuell politisch intensiv diskutiert. Diesen wollen die Beiratsmitglieder kämpferisch wie optimistisch entgegentreten. So haben sie es sich auf ihre Agenda gesetzt.

 

Weiterführende Informationen

Der Bundesverband Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V. (CBP) ist ein anerkannter Fachverband im Deutschen Caritasverband. Mehr als 1100 Mitgliedseinrichtungen begleiten mit ca. 94.000 Mitarbeitenden rund 200.000 Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen und unterstützen ihre selbstbestimmte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft. Der Angehörigenbeirat im CBP ist das von den Angehörigen in den Caritaseinrichtungen der Behindertenhilfe und Psychiatrie gewählte Gremium. Er soll die Vorstellungen und Wünsche der Menschen mit Behinderung, die sich selbst nur sehr schwer oder stark eingeschränkt vertreten können, und der Angehörigen in die verbandliche Arbeit auf der Bundesebene einbringen. Er unterstützt die strategische Ausrichtung des Fachverbands, informiert Angehörigenvertretungen in den Einrichtungen und wirkt an sozialpolitischen Positionierungen mit. Zudem beteiligt er sich an öffentlichen Diskussionen, nimmt zu Gesetzgebungsverfahren Stellung und bringt die Perspektive von Menschen mit Behinderung und ihren Familien gegenüber Politik und Öffentlichkeit ein.

Text: CBP, KJF Redaktion