Richtfest in Rohr:
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Ein wichtiger Meilenstein ist erreicht: In Rohr im Landkreis Kelheim feiert die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Regensburg (KJF) e. V. Richtfest für den Neubau eines Wohnheims für erwachsene Menschen mit Behinderung. Dort entsteht ein modernes Zuhause, das selbstbestimmtes Wohnen, individuelle Unterstützung und Gemeinschaft miteinander verbindet. Organisatorisch wird die Einrichtung an das Cabrini-Haus in Offenstetten angebunden. Die Fertigstellung ist für Ende 2027 geplant.
KJF-Direktor Michael Eibl stellte die Bedeutung des neuen Wohnheims heraus: „Mit dem Neubau erweitern wir unser dezentrales Wohnangebot um vier dringend benötigte Wohneinheiten mit 24 Plätzen – dafür feiern wir heute einen großen Meilenstein. Ich danke allen Partnern, die dieses wichtige Projekt mit ihren Fördermitteln möglich machen.“ Die Gesamtkosten betragen rund 6,9 Millionen Euro. Die Regierung von Niederbayern fördert das Vorhaben mit etwa drei Millionen Euro, der Bezirk Niederbayern beteiligt sich mit gut 507.000 Euro. Weitere 3,4 Millionen Euro finanziert die KJF aus Eigenmitteln.
Zur Tradition eines Richtfests gehört auch der Richtspruch der Zimmerer: Diese Aufgabe übernahm Thomas Loibl, Inhaber der gleichnamigen Zimmerei. Mit drei Schlucken Sekt dankte er dem Bauherrn und allen beteiligten Handwerkern, ehe er das Glas zerschmetterte – denn Scherben bringen Glück.
Individuell wohnen und Gemeinschaft erleben
Stefan Seehofer, Gesamtleiter des Cabrini-Zentrums, blickt mit Freude auf das künftige Wohnheim: „Der Neubau kommt gut voran und wir sind mit dem Baufortschritt sehr zufrieden: Damit setzen wir unseren Weg fort, Wohnangebote für erwachsene Menschen mit Behinderung mitten in der Gesellschaft zu schaffen. Eine Besonderheit sind die geplanten Tandemappartements, die es auch Paaren mit Unterstützungsbedarf ermöglichen, gemeinsam in einem auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Umfeld zu leben. Wir schaffen nicht nur zeitgemäße Wohnmöglichkeiten, sondern auch moderne Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeitenden. Das bildet eine wichtige Grundlage für eine gute Betreuung und eine dauerhaft hohe Qualität unserer Arbeit.“
Im Namen der Regierung von Niederbayern würdigte André Liedtke den sichtbaren Baufortschritt: „Ein Haus wird aus Steinen gebaut. Ein Zuhause entsteht aber dort, wo Menschen dazugehören, mitentscheiden und ihr Leben selbst gestalten können“, lautete die zentrale Botschaft seines Grußworts. Die Fördermittel des Freistaats Bayern, deren Abwicklung die Regierung von Niederbayern begleitet, leisteten einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des Neubaus, so Liedtke.
Bezirksrätin Hannelore Langwieser überbrachte herzliche Grüße und die besten Wünsche von Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich. Langwieser betonte: „Inklusion und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung gehören zu den zentralen Anliegen des Bezirks. Deshalb unterstützen wir diesen Neubau sehr gerne mit einer Förderung. Die KJF trägt selbst einen großen Eigenanteil und investiert in die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner. Mein großer Dank gilt deshalb der Katholischen Jugendfürsorge sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihr unermüdliches Engagement.“
Landrat Christian Nerb bezeichnete das entstehende Wohnheim „wichtigen Eckpfeiler für eine erfolgreiche Inklusion im Landkreis Kelheim“: „Das Konzept überzeugt auf ganzer Linie: Menschen mit Einschränkungen haben hier ihre eigenen vier Wände mit vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten und bekommen gleichzeitig die Unterstützung, die sie brauchen. Ich wünsche allen Beteiligten, dass die Arbeiten weiter planmäßig verlaufen.“
Gottfried Rieger, stellvertretender Bürgermeister der Marktgemeinde Rohr, dankte insbesondere den beteiligten Baufirmen: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben dieses imposante Gebäude seit dem Spatenstich – bei mehr als hochsommerlichen Temperaturen – sehr professionell vorangebracht. Der Markt Rohr freut sich bereits auf die neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger und steht gerne mit Rat und Tat zur Seite.“
Das Angebot richtet sich an Menschen mit Behinderung, die tagsüber in einer Werkstätte für Menschen mit Behinderung, auf einem ausgelagerten Arbeitsplatz oder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sind. Pflegefachkräfte, Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspfleger, Erzieherinnen und Erzieher sowie weitere pädagogische Fachkräfte unterstützen sie – soweit es nötig ist – bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten, mit pflegerischen Maßnahmen und der Tagesstrukturierung. Nachts ist ein Bereitschaftsdienst vorgesehen. Geplant sind Wohneinheiten mit jeweils einer Wohn- und Essküche sowie drei sogenannte Tandemappartements mit Gemeinschaftsbereich. Sie ermöglichen Paaren mit Unterstützungsbedarf, zusammenzuleben und zugleich die erforderliche Begleitung zu erhalten.
Barrierefrei und gut angebunden
Das Wohnheim besteht aus zwei zweigeschossigen Hauptgebäuden. Die Appartements sind 15 bis 18 Quadratmeter groß und verfügen jeweils über ein eigenes Duschbad. Die Grundstücksfläche umfasst rund 2.400 Quadratmeter. Im Außenbereich sind Sitzmöglichkeiten, eine kleine Terrasse und ein Kräutergarten vorgesehen. Bäcker, Metzger und eine Apotheke sind fußläufig erreichbar. Die Gemeinschaftsräume werden vollständig ausgestattet. Ihre endgültige Gestaltung erfolgt nach dem Einzug gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, orientiert an deren Wünschen und Bedürfnissen. Auch eigene Möbel können mitgebracht werden.
Die organisatorische Verantwortung liegt beim Bereich Erwachsenenwohnen des Cabrini-Haus Offenstetten. Die Leitung übernehmen Marco Weigt und Carolina Brunn. Weigt bringt zehn Jahre Erfahrung als Bereichsleiter mit und hat einen großen Teil seiner beruflichen Laufbahn der Begleitung erwachsener Menschen mit geistiger Beeinträchtigung gewidmet. Brunn war seit 2020 zunächst als Teamleiterin tätig und übernahm die Funktion der stellvertretenden Bereichsleitung.
Text: Sebastian Schmid