null Podiumsdiskussion in den Straubinger Werkstätten St. Josef

Politische Inhalte sind mitunter schwer verständlich: Leichte Sprache kann da ein Gegenmittel sein, um allen Menschen den Zugang zu den Informationen zu ermöglichen, die sie für eine gut durchdachte Wahlentscheidung brauchen. Deshalb haben die Straubinger Werkstätten St. Josef für die kommende Kommunalwahl eine Podiumsdiskussion in Leichter Sprache organisiert. Drei Kandidaten und eine Kandidatin waren der Einladung gefolgt.

Rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KJF Werkstätten haben sich versammelt, um die Podiumsdiskussion zu verfolgen.
Rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KJF Werkstätten nutzten die Gelegenheit, um sich über die Standpunkte der Kandidaten zu informieren. (Foto: Sebastian Schmid)

Andreas Aichinger (CSU), Oskar Saller (SPD), Andreas Liebl (Freie Wähler) und Silke Prößl (Grüne) stellten ihre Ideen für mehr Barrierefreiheit, Inklusion und Teilhabe in der Stadt Straubing und im Landkreis Straubing-Bogen vor. Zudem nahmen sie sich viel Zeit, um auf die Fragen von rund 80 Mitarbeiterinnen der KJF Werkstätten Straubing und Mitterfels einzugehen. „Bei den Kommunalwahlen stehen wichtige Entscheidungen an, die uns alle betreffen. Deshalb ist es sich wichtig, gut informiert zu sein“, stimmte Evi Feldmeier, Geschäftsführerin der KJF Werkstätten gemeinnützige GmbH, alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Podiumsdiskussion ein.

 

Einladung zu einem gemeinsamen Arbeitstag

Erika Stelzl, die Vorsitzende des Werkstattrats der Bruder Konrad Werkstätte Mitterfels, moderierte die Diskussionsrunde und lud die Podiumsgäste auf einen gemeinsamen Arbeitstag in die KJF Werkstätten ein. Andreas Aichinger, Oskar Saller, Andreas Liebl und Silke Prößl sagten ihre Teilnahme zu. Stelzl betonte: „Die Werkstätten und die Menschen, die hier arbeiten sind Teil des inklusiven Arbeitsmarkts. Sie leisten ihren Beitrag zur Wertschöpfung und dafür verdienen sie Respekt und Anerkennung.“ Sebastian Müller, der Leiter des Büros für Leichte Sprache der KJF, übersetzte während der Diskussionsrunde bei Bedarf einzelne Begriffe in Leichte Sprache. Er sprach den vier Gästen ein Lob für ihre Bemühungen aus, komplizierte Inhalte und Themen in leicht verständlich auszudrücken.

Ein Gruppenbild mit allen Beteiligten an der Podiumsdiskussion in den Straubinger Werkstätten: vorne von links: Werkstattrat Alex Temmel, Werkstatträtin Erika Stelzl, Sebastian Müller, Leiter des Büros für Leichte Sprache der KJF Regensburg. hintere Reihe, von links: Andreas Liebl, Freie Wähler, Andreas Aichinger, CSU, Oskar Saller, SPD, Markus Beck, Vertrauensperson des Werkstattrats, Evi Feldmeier, Geschäftsführerin der KJF Werkstätten gGmbH, Mario Franz, Leiter des Fachdiensts für Leichte Sprache, Melanie Eibl, Geschäftsführerin der KJF Werkstätten gGmbH
vorne von links: Werkstattrat Alex Temmel, Werkstatträtin Erika Stelzl, Sebastian Müller, Leiter des Büros für Leichte Sprache der KJF Regensburg. hintere Reihe, von links: Andreas Liebl, Freie Wähler, Andreas Aichinger, CSU, Oskar Saller, SPD, Markus Beck, Vertrauensperson des Werkstattrats, Evi Feldmeier, Geschäftsführerin der KJF Werkstätten gGmbH, Mario Franz, Leiter des Fachdiensts für Leichte Sprache, Melanie Eibl, Geschäftsführerin der KJF Werkstätten gGmbH (Foto: Sebastian Schmid)

Andreas Aichinger (CSU) ist 41 Jahre, stellvertretender Landrat im Landkreis Straubing-Bogen sowie stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Sankt Englmar. Inklusion beschäftigt ihn nicht nur in der Politik, sondern auch in seinem Beruf als Lehrer: Hier will er sich dafür einsetzen, den Austausch zwischen Schulen und Werkstätten zu verbessern, etwa durch gegenseitige Besuche, um Vorurteile abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu schaffen. Zudem ist für Leichte und verständliche Sprache für ihn von großer Bedeutung: „Viele Formulare, die man braucht, um notwendige Unterstützung zu bekommen, sind zu kompliziert. Man sollte darauf achten, das einfacher zu gestalten – das wäre für uns alle eine Entlastung.“ Er sprach sich dafür aus, Barrieren im öffentlichen Raum zu reduzieren, aber: „Bei Altbauten ist das meistens nicht so leicht machbar.“ Auch die Homepage des Landkreises ist noch nicht barrierefrei: Das will Aichinger ändern und dazu auch Texte in Leichter Sprache zur Verfügung stellen, damit sich alle Bürgerinnen und Bürger auf der Internetseite zurechtfinden. Um den öffentlichen Personennahverkehr barrierefrei zu machen, achtet der Landkreis bereits jetzt darauf, dass neu angeschaffte Busse auch für Rollstuhlfahrer zugänglich sind.

Oskar Saller (SPD) ist 56 Jahre gelernter Zimmermann und arbeitet als Sachverständiger für Großschäden. Er kandidiert als Landrat für Straubing-Bogen. Er ist dafür, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz zu nutzen, um Barrieren abzubauen: „Dadurch würde man sich viele Fahrtwege sparen, wenn man die Dinge online erledigen kann.“ Gerade das Landratsamt sei noch nicht barrierefrei – bei der Beschilderung und den öffentlichen Toiletten. Vor allem bei Neubauten müsse man noch stärker auf Barrierefreiheit achten, „damit alle Menschen die gleichen Möglichkeiten haben“. In den Schulen wünscht er sich mehr Inklusion: „Es sollte weniger Unterschiede geben zwischen den jungen Menschen mit und ohne Behinderung. Daran müssen wir gemeinsam arbeiten.“

Andreas Liebl (Freie Wähler) ist 47 Jahr und Bürgermeister der Marktgemeinde Mitterfels. „In Mitterfels sind Inklusion und Barrierefreiheit wichtige Themen: Wir arbeiten dabei schon sehr eng mit den Wohngemeinschaften St. Hildegard und der Bruder Konrad Werkstätte zusammen und haben uns zuletzt an der Aktion Schichtwechsel beteiligt.“ Für ihn wäre es wichtig, die wertvollen Leistungen der Werkstätten noch bekannter zu machen: „Dann denken die Betriebe in der Region darüber nach, Außenarbeitsplätze und Praktika anzubieten.“ Um die Barrierefreiheit in Mitterfels zu verbessern, wird bei Straßensanierungen kein neues Kopfsteinpflaster mehr eingebaut. „Aber wir erreichen Barrierefreiheit nicht von heute auf morgen: Das geht nur Stück für Stück, in Rathäusern, bei Gehwegen und auf unseren Internetseiten.“

Silke Prößl (Grüne) ist 51 Jahre, arbeitet als Finanzbuchhalterin und ist ehrenamtliche Sanitäterin. Sie ist Stadträtin in Straubing und kandidiert erneut für dieses Amt. „Ich habe bereits einen Tag in der Wäscherei der Bruder Konrad Werkstätte mitgearbeitet und weiß, wie wichtig diese Arbeit ist“, so Prößl. „Unser gemeinsames Ziel muss es sein, dass Menschen mit Behinderung ihren Alltag möglichst selbstständig bewältigen können und dass sie die Hilfsmittel, die sie brauchen schnell und unkompliziert bekommen. Hier dauert es oft zu lange, bis die komplizierten Anträge bearbeitet werden.“ Beim Wiederaufbau des Straubinger Rathauses sei Barrierefreiheit so gut wie möglich berücksichtig worden.

Anschließend nutzten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KJF Werkstätten die Gelegenheit, um Fragen und Anliegen an die Podiumsgäste heranzutragen. Dabei kam auch die mögliche Schließung der Kreisklinik in Bogen auf. Alle Kommunalpolitiker waren sich einig, dass es wichtig wäre, das Krankenhaus zu erhalten. Alle wollen sich dafür einsetzen. Zur Sprache kam auch bezahlbarer Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen: „In Mitterfels haben wir bereits günstigen Wohnraum geschaffen. Das ist ein wichtiges Thema, das alle Kommunen betrifft. Hier sind wir alle gefordert.“ Viele Anregungen gab es zum Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, der besonders im Landkreis noch nicht ausreichend aufgestellt ist. Besonders morgens während der Stoßzeiten seien viele Busse zu überfüllt, was vor allem für Menschen mit Einschränkungen eine Herausforderung ist. „Das ist für viele Gemeinden ein Problem“, so Silke Prößl. „Allerdings gibt es gerade während des Berufsverkehrs nicht ausreichend Fahrer, um noch mehr Busse einzusetzen.“

Werkstatträtin Erika Stelzl moderierte die Podiumsdiskussion. Sie steht vor dem Publikum mit einem Mikrofon.
Werkstatträtin Erika Stelzl moderierte die Podiumsdiskussion. (Foto: Sebastian Schmid)

Ein Mitarbeiter fragte die Politiker, was sie unternehmen wollen, um weitere Betriebe zu überzeugen, noch mehr Aufträge an die Werkstätten zu vergeben. „Ich denke, viele Firmen wissen noch nicht, was in den Werkstätten geleistet wird. Das muss man noch bekannter machen“, sagte Silke Prößl. Andreas Aichinger betonte, dass der Landkreis bereit jetzt einige Aufträge an Werkstätten vergebe und das auch weiterhin tun werde.

Text: Sebastian Schmid