null Meditativer Impuls April 2026

Die Tage um Ostern laden ein, sich auf den Weg zu machen und sich auf einen Verwandlungsprozess einzulassen: vom Tod zum Leben, von der Enge des Grabes zur neuen Freiheit, vom Gebrochenen zum Ganzen und Heilen, von der zeitlichen Begrenztheit zur Ewigkeit, vom Dunkel zum Licht. „Große Worte“ könnte da einer sagen. „Ich bin doch noch nicht gestorben… Ich bin doch noch nicht auferstanden…“. Doch haben wir nicht alle schon einmal Zeiten erlebt, in denen man sich wie tot fühlt? Oder wie zu einem neuen Leben wiedergeboren?

A CHAPEL FOR LUKE
And his scribe Lucius the Cyrene, 2022 © James Turrell, Photo by Florian Holzherr

Die biblischen Geschichten von Tod und Auferstehung Jesu sind klar und konkret. Der Auferstandene hat den Tod am Kreuz überwunden und erscheint den Frauen und Männern, die ihm folgten. Er haucht sie an, spricht ihnen den Friedensgruß zu, geht, isst und trinkt mit ihnen. Auch heute wollen die Erzählungen konkret hineinwirken in unser Leben. Mit allen Sinnen wollen sie erfahrbar gemacht werden und aufzeigen, dass aus dem scheinbaren Ende ein neuer Anfang für jeden Menschen erwachsen kann.

Ohne Zeichen, Symbole und Bilder ist der österliche Weg kaum vorstellbar. Eines der ausdrucksstärksten Symbole ist das Licht, Urelement der Schöpfung und treibende Kraft des Lebens. Spaltet man Licht in einem Prisma auf, entstehen wie bei einem Regenbogen verschiedene Farben. Wir können darin auch die Schattierungen des Lebens wiedererkennen, etwa das Rot des Feuers und der Liebe, das Dunkelviolett des Todes und der Trauer, das Grün der Hoffnung und Zuversicht, das Gelb der Lebensfreude und Energie.

A CHAPEL FOR LUKE
And his scribe Lucius the Cyrene, 2022 © James Turrell, Photo by Florian Holzherr

Der aus Kalifornien stammende und in einer Quäkerfamilie aufgewachsene Lichtkünstler, Psychologe und Mathematiker James Turrell hat im Laufe der Jahrzehnte viele beeindruckende Rauminstallationen geschaffen, die einladen, ins Licht einzutauchen, tiefer zu schauen und intensiver wahrzunehmen. Beim Betrachten lösen sich Grenzen von Raum und Zeit auf. Viele Besucherinnen und Besucher strömen etwa zum neurestaurierten Diözesanmuseum Freising, um in der ehemaligen Hauskapelle Turrells „A Chapel for Luke“ (siehe Foto 1 und 2) das sich verändernde Licht auf sich wirken zu lassen. Andere reisen bis nach Las Vegas, um in der Ganzfeld-Installation „Akhob“ (Foto 3) im Licht zu wandeln.

Die Farben des Lichtes können helfen, um über das eigene Leben nachzusinnen.

  • Althergebrachtes ablegen: Welche alten Farben, welchen Ballast will ich loslassen?
  • Licht und Wärme empfangen: Was schenkt mir neue Kraft und Energie?
  • Das Geschenk der Verwandlung: Welchen Hoffnungsspuren will ich nachgehen?
Titel: AKHOB, 2013, © James Turrell, Photo: Florian Holzherr

Ostern heißt, nicht an lichtvollen Orten zwischen Freising und Las Vegas sitzenzubleiben, auch nicht bei der Auferstehungsfeier in der Kirche mit den vielen brennenden Kerzen. Ostern ist eine Ermutigung, aufzustehen und in neue Räume zu gehen, die Strahlen der Liebe weiterzugeben und das Wort Jesu zu beherzigen: „Ihr seid das Licht der Welt!“ (Mt 5,14). Und wenn die Wege zurückführen, hinein in unsere Familien oder in unsere sozial-caritativen Häuser, Einrichtungen und Dienste: Im Licht des österlichen Glaubens schauen wir mit neuen Augen auf die Welt und auf den Menschen neben uns.

Frohe und verwandlungsreiche Ostern wünscht Georg Deisenrieder