Katholikenkomitee
null Katholikenkomitee

Reformen ja - aber mit gleichmäßiger Belastung aller Betroffenen: Das erwartet das Zentralkomitee der deutschen Katholiken von der Bundesregierung. Es gehe um das Vertrauen der Bürger in Demokratie und Staat.
Würzburg (KNA) Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) fordert von der Bundesregierung schnelle und mutige Reformen, die Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt sichern. „Zusammenhalt und gerechte Teilhabe sind kein Nice-to-have, sie sind notwendige Basis für erfolgreiche Reformen und zukunftsgerechte Politik“, sagte ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp am Dienstag in Würzburg. Die Demokratie lebe von dem Engagement und der berechtigten Hoffnung der Menschen, dass sie auf das parlamentarische System und den starken Sozialstaat vertrauen könnten, erklärte sie zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung des obersten repräsentativen katholischen Laiengremiums in Deutschland. Notwendige Zumutungen und Einsparungen müssten deshalb fair verteilt und gut begründet werden.
Besorgt äußerte sich die ZdK-Präsidentin zu Vorschlägen einer Arbeitsgruppe im Bundeskanzleramt. Diese sähen starke Kürzungen in der Kinder- und Jugendhilfe vor sowie bei der Eingliederungshilfe für Menschen mit Beeinträchtigungen. „Der Sozialstaat darf niemanden zurücklassen“, mahnte Stetter-Karp. Deutschland habe 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert und müsse sich auch in Zukunft daran messen lassen, ob die Rechte der Konvention tatsächlich umgesetzt werden.
ZdK-Vizepräsidentin Claudia Nothelle kritisierte eine „wachsende Teilnahmslosigkeit von Gesellschaft und Kirche gegenüber dem Skandal des sexuellen Missbrauchs“ und fügte hinzu: „In Gesellschaft, Medien und unseren Reihen breitet sich Ungeduld, ja sogar eine Art Müdigkeit aus. Immer öfter höre ich die Frage, wann denn dieses Thema endlich erledigt sei.“ Es sei aber zwingend notwendig, dass sich Kirche und Gesellschaft weiter mit Missbrauch und Aufarbeitung beschäftigten und die Prävention weiter verbesserten, ergänzte Nothelle. Entscheidend sei, dass Kinder und Jugendliche sicher seien.
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) appellierte an die Katholiken, sich aktiv für Demokratie und Zusammenhalt einzusetzen. Angesichts drohender Landtagswahlerfolge der in Teilen rassistischen AfD seien der Einsatz für Völkerverständigung und Solidarität so wichtig wie selten zuvor. Herrmann betonte, die Demokratie sei auf die Werte und das Engagement der Religionen angewiesen. Religion sei ein kostbarer Beitrag für ein harmonisches und gelingendes Gemeinwesen. Die katholische Kirche müsse angesichts zahlreicher Kirchenaustritte Profil und Glaubwürdigkeit schärfen.
ZdK-Vizepräsident Christian Gärtner, der auch dem Landeskomitee der Katholiken in Bayern vorsteht, teilte mit, entgegen bisheriger Planungen werde es in diesem Jahr voraussichtlich keine Synodalkonferenz der katholischen Kirche in Deutschland mehr geben. Nach wie vor fehle eine Anerkennung der Satzung des Gremiums aus Rom. Bisher war die nächste Versammlung für November in Stuttgart geplant. Im vergangenen Herbst hatten Bischöfe und ZdK die Grundlagen für das neue nationale Gremium der katholischen Kirche in Deutschland beschlossen. Es soll dauerhaft zu zentralen Fragen des kirchlichen Lebens in Deutschland beraten. Teilnehmer sollen die 27 Diözesanbischöfe, 27 Mitglieder des Zentralkomitees und 27 weitere deutsche Katholiken sein. Die 27 ZdK-Mitglieder sollen im Juni gewählt werden.