null Jubiläumsfeier mit Segnung der neuen Förderstätte

Zu Beginn waren 33 Plätze angelegt. Jetzt arbeiten in den KJF Werkstätten Eggenfelden 340 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 261 Beschäftigte. Für die Werkstätte ist das nicht nur eine Zahl, denn jede einzelne Person macht hier seit 50 Jahren einen Unterschied, was neben der Segnung des Ersatzneubaus für die Förderstätte gemeinsam gebührend gefeiert wurde. Für ihre langjährigen Dienste in den Werkstätten wurden in diesem feierlichen Rahmen 41 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihre langjährigen Dienste geehrt. Die Leitung des Fachdienstes der Eggenfeldener Werkstätten St. Rupert, Martina Fürst, zeichnete sie, stellvertretend für Einrichtungsleiter Alfred Miller, aus: „Ganz besonders freuen wir uns über die Menschen, die uns schon lange begleiten. Durch ihren Verdienst ist ein solches Unternehmen erst möglich. Deshalb wollen wir auch sie heute feiern.“ Die musikalische Umrahmung der Jubiläumsfeierlichkeiten übernahm der Posaunenchor der evangelischen Kirche Eggenfelden.

Für ihre langjährigen Dienste in den Werkstätten wurden zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihre langjährigen Dienste geehrt
Für ihre langjährigen Dienste in den Werkstätten wurden zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihre langjährigen Dienste geehrt (Foto: Jakob Oberlechner)

Das 50. Jubiläum wurde von Domkapitular und Vorsitzendem der Katholischen Jugendfürsorge, Michael Dreßel, mit einem Wortgottesdienst eröffnet. „Arbeit schafft Würde, ermöglicht Selbstverwirklichung und öffnet die Tür zu echter gesellschaftlicher Teilhabe. Darum wurde sie vom heiligen Johannes Paul II. einmal als ein Gut für den Menschen bezeichnet. Die Werk- und Förderstätten der KJF ermöglichen dies Menschen, die sich auf dem ersten Arbeitsmarkt schwertun würden. Daher gilt heute der besondere Dank den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die diesen Auftrag seit 50 Jahren mit Leben füllen. Herzlichen Glückwunsch und Gottes Segen für die Zukunft!“ Er segnete damit auch den Ersatzneubau für die Förderstätte, die für Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf gebaut wurde.

In den in den Eggenfeldener Werkstätten St. Rupert wurde gemeinsam gefeiert, gesegnet und geehrt – hier besichtigen einige Gäste die neue Förderstätte
In den in den Eggenfeldener Werkstätten St. Rupert wurde gemeinsam gefeiert, gesegnet und geehrt– hier besichtigen einige Gäste die neue Förderstätte (Foto: Olga Arnstein)

KJF-Direktor Michael Eibl stellte heraus: „Die Entwicklung unserer Werkstätten und Förderstätten in den vergangenen 50 Jahren ist eine Geschichte von Engagement, Mut und gemeinsamem Gestalten. Dass wir heute auf diese erfolgreiche Entwicklung zurückblicken und mit dem neuen Gebäude zugleich in die Zukunft investieren können, ist vielen Menschen zu verdanken. Mein besonderer Dank gilt daher unseren Förderern, Unterstützern und allen Wegbegleitern – und ganz besonders den Pionieren, die sich hier vor 50 Jahren auf den Weg gemacht und damit den Grundstein für die heutige Arbeit gelegt haben.“ Die Geschäftsführerinnen der KJF Werkstätten gemeinnützige GmbH, Melanie Eibl und Evi Feldmeier, betonten: „Förderstätten bieten Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf einen verlässlichen Rahmen, in dem sie ihre individuellen Fähigkeiten entfalten, Selbstständigkeit entwickeln und ihren Alltag aktiv mitgestalten können. Sie schaffen passende Angebote für unterschiedliche Bedürfnisse und tragen damit wesentlich zu mehr Lebensqualität und Selbstbestimmung bei.“ Über die Eröffnung des Ersatzneubaus freute sich auch Werkstattsratsvorsitzende Bianka Widl: „Die neue Förderstätte ist sehr groß. Es können sich alle entfalten. Es können Angebote durchgeführt werden, die gut für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Förderstätte sind. Es ist ein Platz zum Wohlfühlen.“

Gemeinsam gewachsen: 50 Jahre berufliche Teilhabe

In einem halben Jahrhundert hat sich viel getan, aber manches ist gleichgeblieben. Denn sowohl bei der Gründung im Jahr 1976 durch Franz Randak, Gründer und Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Kind in Not, und Prälat Dr. Josef Schweiger, damals Direktor der KJF Regensburg e.V., als auch heute gilt für die Werkstätte, sowie für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die gleiche Mission: Menschen mit Behinderung einen Weg zu bereiten, neue Fähigkeiten zu erlernen und einen Platz in der Arbeitswelt zu finden. Dafür bietet die Werkstätte Bildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten in verschiedenen handwerklichen Bereichen, sowie arbeitsbegleitende Maßnahmen, die den Arbeitsalltag bereichern. Dieses Angebot bietet nicht nur einen Platz für Inklusion, sondern erfüllt auch den grundrechtlichen Auftrag, jedem Menschen Bildung und Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. Um diesem Auftrag gerecht zu werden und auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben, investiert die Werkstätte in moderne Ausstattung. 2020 wurde die Schreinerei mit einer Flachbettfräse erweitert, die den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zahlreiche neue Möglichkeiten eröffnet.

Gemeinsam gewachsen: 50 Jahre berufliche Teilhabe
Gemeinsam gewachsen: 50 Jahre berufliche Teilhabe (Foto: Olga Arnstein)

In den Werkstätten unterstützen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur gegenseitig, sondern auch zahlreiche Kunden aus der regionalen Wirtschaft und überregionalen Unternehmen. So beliefert die Wäscherei der Eggenfeldener Werkstätte unter anderem die Rottal-Inn-Kliniken an ihren drei Standorten mit sauberer Wäsche. Der medizinische Bereich ist einer der größten Kunden der Werkstätte, weshalb hier modernste Ausstattung und genaue Hygienerichtlinien zum Einsatz kommen, um täglich bis zu vier Tonnen Wäsche für ihre Auftraggeber bereitzustellen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchen sich hier selbstständig aus, ob sie etwa an der Mangel arbeiten, die Wäsche sortieren oder auch die Rücklieferung der frischen Wäsche an deren Standorte zu begleiten. Ende 2026 sollen die Kapazitäten mit einer weiteren Großwaschmaschine und einer Mangel mit automatischer Faltfunktion noch erweitert werden.

In der Montageabteilung bauen und reparieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Marathon-Belts für die Krones AG, den Weltmarktführer für Abfüllanlagen, welche in aller Welt Einsatz finden. Der Erfolg der gezielten Arbeitsqualifizierung in den Werkstätten zeigt sich auch durch die seit 2025 bei der Lindner AG in Arnsdorf eingesetzte Außengruppe. Sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Werkstätte können dadurch wertvolle Erfahrungen im allgemeinen Arbeitsmarkt sammeln und zeigen außerdem, dass Inklusion nicht nur ein Konzept ist, sondern auch gelebt und umgesetzt wird. Diese neue Form der Kooperation bietet für beide Seiten eine Bereicherung und stärkt den Zusammenhalt in der Region.

Gesprächsrunde und Mitarbeiterehrung

Im Rahmen der Feierlichkeiten fand eine Gesprächsrunde statt, die KJF-Direktor Michael Eibl und stellvertretender Direktor Hans Horn gemeinsam einläuteten. Zu Wort meldete sich auch die dritte Bürgermeisterin von Eggenfelden, Monika Haderer, die die Förderung besonders wertschätzte: „Wahre Größe einer Gesellschaft zeigt sich nicht darin, wie sie ihre Stärksten ehrt, sondern darin, wie sie ihre Schwächsten unterstützt und ihnen Würde, Arbeit und Teilhabe schenkt. Die KJF-Werkstätten verkörpern diesen Anspruch seit einem halben Jahrhundert – ein Segen für unsere Gemeinschaft." Im Anschluss an die Gesprächsrunde ging es mit der Mitarbeiterehrung weiter. Für die Leiterin des Fachdienstes der Eggenfeldener Werkstätten St. Rupert, Martina Fürst, stellt die Ehrung der langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen besonderen Anlass zur Freude dar.

Eine Gesprächsrunde im Rahmen der Feierlichkeiten machte die vielfältige Bedeutung der Werkstätten sichtbar
Eine Gesprächsrunde im Rahmen der Feierlichkeiten machte die vielfältige Bedeutung der Werkstätten sichtbar (Foto: Olga Arnstein)

Der Ersatzneubau der Förderstätte: Räume für Teilhabe, Förderung und Selbstbestimmung

Das neue Gebäude mit einer Fläche von 700 Quadratmetern bietet für Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf moderne Möglichkeiten, sich in Kleingruppen gemeinschaftlich zu betätigen und ihre Lebensqualität durch bedarfsorientierte Fördermaßnahmen zu verbessern. Es stehen durch den Ersatzneubau 20 Fördergruppenplätze sowie sieben Arbeitsplätze für Fachpersonal zur Verfügung. Für das Projekt wurden rund 3,6 Millionen Euro verwendet, wobei der Freistaat Bayern den Bau mit 2.018.550 Euro und der Bezirk Niederbayern mit 336.420 Euro unterstützt hat. 400.000 Euro wurden von dem Rupertihilfe e. V. Rottal-Inn und 150.000 Euro von der Aktion Mensch beigetragen. Den Rest finanzierte die KJF Werkstätten gemeinnützige GmbH durch Rücklagen und den laufenden Betrieb. Der Ersatzneubau ist der zweite Teil des Modernisierungsprojekts in den Eggenfeldener Werkstätten St. Rupert, das 2022 mit der Erneuerung der Dächer in Werk 1 und Werk 2 begann. Mit dem Abschluss der Bauarbeiten und Inbetriebnahme des Ersatzneubaus der Förderstätte im Jahr 2026 ist die zweite Phase abgeschlossen. Die dritte Phase soll eine Umstrukturierung und Modernisierung von Werk 1 umfassen.

Weitere Informationen zu Eggenfelden – Werkstätten St. Rupert:

Kompetenzzentrum für berufliche Qualifizierung und Teilhabe am Arbeitsleben

Als anerkannte Werkstätte für Menschen mit Behinderung erfüllen die Werkstätten einen gesetzlichen Auftrag gemäß § 219 SGB IX. Im Mittelpunkt steht die Verwirklichung des Grundrechts auf Bildung und Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderung. Die Eggenfeldener Werkstätten St. Rupert bieten vielfältige Arbeitsmöglichkeiten, breit gefächerte Qualifizierungsangebote sowie individuelle Übergangsmöglichkeiten auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Dabei verstehen sich die Werkstätten als Teil eines inklusiven Arbeitsmarktes.

Aufträge aus Industrie, Wirtschaft sowie dem Sozial- und Gesundheitswesen leisten einen wesentlichen Beitrag zu einer arbeitsmarktnahen Qualifizierung und ermöglichen praxisorientierte berufliche Erfahrungen.

In den Eggenfeldener Werkstätten St. Rupert arbeiten heute über 340 Mitarbeitende – davon ca. 261 mit Behinderung.

Eggenfeldener Werkstätten St. Rupert

Lauterbachstraße 12

84307 Eggenfelden

Telefon: 08721 1207 0

www.kjf-werkstätten.de

Text: Jakob Oberlechner und Olga Arnstein