null Alle unter einem großen Dach im Herzen von Straubing

Das ehemalige Bischöfliche Studienseminar in Straubing ist ein Ort der Inklusion. Mit dem Segen durch Bischof Dr. Rudolf Voderholzer wurde ein neuer Gebäudekomplex offiziell seiner Bestimmung übergeben. „Hier erfahren Kinder, Jugendliche und erwachsene Menschen mit Behinderung eine individuelle Unterstützung, die ihnen Chancen im Leben eröffnet: Bildung, Förderung, Beratung und Wohnraum unter einem Dach – hier ist ein Ort der gelebten Nächstenliebe! Dies wäre nicht möglich, ohne die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KJF, die jeden Tag großartige Arbeit leisten – dafür spreche ich Ihnen meinen großen Dank und Respekt aus“, sagte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer im Rahmen der Segnungsfeier.

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer segnete den Meditationsraum mit der historischen Madonnen-Statue. (Foto: Sebastian Schmid)

Auch Domkapitular Michael Dreßel, Vorsitzender der KJF, lobte die Einrichtung: „Die KJF ist Anwältin für das Leben, besonders dann, wenn es verletzlich ist. Und das nicht nur in der Theorie, sondern in der Praxis. Wie breit gefächert das KJF-Angebot ist, zeigen die verschiedenen Einrichtungen, die hier ihre Heimat gefunden haben. Großartig!“

KJF-Direktor Michael Eibl brachte seine Freude über den erfolgreichen Abschluss der umfangreichen Baumaßnahme zum Ausdruck: „Ein Ort der Begegnung und des Miteinanders ist entstanden, der vielen Menschen eine Perspektive bietet. Gerade die zentrale Lage, mitten in Straubing, ermöglicht den Menschen, die hier wohnen, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Ich bedanke mich bei allen Fördergebern und Partnern, die zum Gelingen dieses Bauprojekts beigetragen haben.“

 

Ein Ort des Miteinanders und der Begegnung

Das Erzbischof Buchberger Zentrum war schon immer ein Ort der Begegnung, des Miteinanders, der Bildung und Förderung. Es wurde als Bischöfliches Studienseminar 1885 vom Regensburger Bischof Ignatius von Senestrey gegründet. Nachdem die Bischöfliche Administration Anfang der 1990er Jahre die Schließung der Einrichtung wegen rückläufiger Schülerzahlen beschloss, erwarb die KJF unter Federführung ihres damaligen Direktors Prälat Dr. Josef Schweiger Gebäude und Gelände. 1995 begann der damalige Schulleiter Klaus Welsch dort mit zwei Klassen. 1999 zogen die Wohngemeinschaften St. Hildegard ein.

Heute befinden sich die Wohngemeinschaften St. Hildegard für erwachsene Menschen mit Behinderung, die Papst Benedikt Schule, ein Förderzentrum mit Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung, das zugehörige inklusive Kinderhaus und die Tagesstätte unter einem Dach. 220 Kinder und Jugendliche werden aktuell dort gefördert. Im sogenannten Berlingerbau befinden sich außerdem eine Heilpädagogische Tagesstätte, Förder- und Fachräume, Räume für Beratungen und die Verwaltung, ein integrativer Kindergarten/-krippe sowie eine Wohngruppe für Erwachsene mit einer Körperbehinderung. Weitere vier Wohnplätze entstehen im Kapellenbau. Ebenfalls im fünfgeschossigen Kapellenbau wird eine Tagesbetreuung für 20 ältere Menschen (kurz: TENE) mit Behinderung angesiedelt. In den unteren zwei Geschossen befinden sich Speisesaal und Küche für die Tagesstätte sowie Räume für die Sozialen Dienste Jakob Reeb.

Auch die Räume der Wohngemeinschaften St. Hildegard erhielten den bischöflichen Segen. (Foto: Sebastian Schmid)

Architekt Siegfried Knipl ging auf die technischen und baulichen Herausforderungen ein, die es bei der Sanierung des historischen Bauwerks zu bewältigen galt und verdeutlichte die Dimensionen des Gebäudes, in dem 5.000 Schalter und Steckdosen sowie verbaut wurden: „Wir haben jeden Quadratmeter bestmöglich genutzt.“ Ein Highlight ist der Meditationsraum mit einer historischen Madonnen-Statue, der zur Ruhe und zum Gebet einlädt. Nachdem der Künstler Alfred Pöschl überraschend verstorben war, übernahmen Helmut und Ruthild Langhammer die Gestaltung des Raums.

Die Gesamtkosten betragen laut aktueller Berechnung 14,33 Millionen Euro: Die Regierung von Niederbayern steuert 3,62 Millionen Euro bei, der Bezirk Niederbayern 677.000 Euro und die Stadt Straubing 311.400 Euro. Den Differenzbetrag trägt die KJF Regensburg.

In einer Diskussionsrunde stellten Bewohnerinnen und Bewohner der WG St. Hildegard sowie Schülerinnen und Schüler der Papst Benedikt Schule und Claudia Niedermüller vom Radio-Sag‘-Team was den Gästen einige Fragen. Barbara Unger, stellvertretende Landrätin des Landkreises Straubing-Bogen, beglückwünschte die drei Einrichtungen zum „sehr gelungenen Bauprojekt, das Historie und Moderne verbindet“. Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr ging auf das Thema Barrierefreiheit ein: „Es ist nicht leicht, ein historisches Gebäude barrierefrei zu renovieren. Hier ist es gelungen. Als Stadt wollen wir das auch schaffen – beim Wiederaufbau unseres Rathauses.“

Izabella Varzan, Schülersprecherin an der Papst Benedikt Schule, brachte das Stichwort „Inklusion“ in die Runde: „Inklusion bedeutet, den einzelnen Menschen im Blick zu haben, mit all seinen Stärken und Talenten.“ Irmgard Kaltenstadler, Leiterin der Sozialverwaltung des Bezirks Niederbayern, lobte den Inklusionsgedanken, der in den drei KJF-Einrichtungen gelebt wird: „Gemeinsam mit den Trägern und den Verantwortlichen werden wir die Inklusion Schritt für Schritt ausbauen. Ich bin zuversichtlich, dass wir dieses Ziel erreichen.“

 

Begeistert von der Vielfalt im Haus

Axel Weigert, Leiter der Wohngemeinschaften St. Hildegard, ist begeistert von den vielen Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung: „Kinder und Jugendliche beschulen, Wohnen für erwachsene Menschen mit Behinderung und eine Beratungsstelle für verschiedenste Notlagen –alles unter einem Dach – einem besseren Zweck konnte das ehemalige Knabenseminar nicht zugeführt werden! Die WG St. Hildegard schafft weitere 16 Wohnplätze, vorwiegend für Erwachsene mit einer Körperbehinderung. Zusätzlich ist eine Tagesstrukturierende Maßnahme für erwachsene Menschen nach dem Erwerbsleben (TENE) entstanden. Unser Anspruch ist es, den Menschen, die sich uns anvertrauen, eine Heimat zu geben, ihnen zu assistieren wo nötig und es ihnen zu ermöglichen, mitten in der städtischen Gesellschaft selbstbestimmt Teil zu haben.“

„Jedes Kind ist einzigartig“ lautet das Motto der Papst Benedikt Schule. Entsprechend individuell gestaltet sich die Förderung der Kinder. Nun stehen hierfür weitere freundliche und großzügige Räume nach aktuellem Energiestandard zur Verfügung. „Die Kinder und Jugendlichen mit und ohne Handicap sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten dort optimale Bedingungen zum Leben, Lernen, Spielen und Arbeiten“, freute sich Schulleiter Thomas Herbst. „Ein besonderes Highlight stellt für uns der große Speisesaal mit moderner Veranstaltungstechnik und Essensausgabe dar. Der schlichte Meditationsraum mit neu gestalteten Fenstern ist ein besonderes Schmuckstück und lädt zur Ruhe und Andacht ein.“

Nicola Kern, Leiterin Soziale Dienste Jakob Reeb Straubing, freut sich auf das freundschaftliche Miteinander der drei KJF-Einrichtungen: „Der neue Standort bietet viele Vorteile und Synergieeffekte. In den großen, modernen und hellen Räumen können sich alle wohlfühlen und gut arbeiten. Gleichzeit bieten sie eine angenehme Atmosphäre für Beratungsgespräche, in der sich die Klientinnen und Klienten öffnen können.“

Text: Sebastian Schmid