null Aktionstag in den Straubinger Werkstätten St. Josef

Mit einem Aktionstag haben die Werkstatträte der KJF Werkstätten aus Regensburg, Mitterteich, Eggenfelden, Mitterfels und Straubing auf ihre Anliegen aufmerksam gemacht. Anlässlich des Europäischen Protesttags für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung hatten sie Politikerinnen und Politiker aus der Region in die Straubinger Werkstätte St. Josef eingeladen, um mit ihnen über aktuelle Themen zu diskutieren. Alle gaben spontan ihre Zusage, die Werkstätte erneut zu besuchen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Tag lang bei ihrer Arbeit zu begleiten. Einig waren sich alle Beteiligten bei der Forderung nach einer „fairen Entlohnung“ für die Beschäftigten in den Werkstätten: „Man muss von seiner Arbeit leben können!“, so der Tenor von Politik und Werkstattrat.

Bundestagsabgeordneter Alois Rainer brach eine Lanze für mehr Inklusion. (Foto: Sebastian Schmid)

Der Start in den Aktionstag war musikalisch: Mit einem Medley zur Freiheit begeisterte der Werkstatt-Chor die Gäste. „Ich bin sehr stolz auf unsere Werkstatträte für die Organisation dieser Veranstaltung. Sie geben 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Stimme und vertreten deren Interessen“, sagte Evi Feldmeier, Geschäftsführerin der KJF Werkstätten gGmbH, die gemeinsam mit Werkstatträtin Erika Stelzl die Gäste begrüßte. „Viele Menschen haben kein Bild davon, wie wichtig die Werkstätten für die Menschen, die hier arbeiten, sind. Manche können nicht auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wechseln. Deshalb braucht unsere Gesellschaft auch in Zukunft Werkstätten! Gemeinsam mit dem Werkstattrat wollen wir unsere Angebote weiterentwickeln“, so Feldmeier weiter. Dem schloss sich Elisabeth Kienel an. Die Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Werkstatträte Bayern übermittelte ihr Grußwort per Videoschaltung: „Die Werkstätten haben einen großen Anteil an der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Diese Menschen wollen gehört und in Entscheidungen einbezogen werden.“

 

Miteinander statt übereinander reden

Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr sieht seine Stadt bereits auf einem guten Weg zu mehr Inklusion und Dialog: „Es ist wichtig, dass wir miteinander und nicht übereinander reden – das hat Tradition bei uns. Für die großen gesellschaftlichen Aufgaben – zu denen Inklusion gehört – werden wir nur gemeinsam Lösungen finden.“ Dass sich Inklusion nicht einfach per Vorschrift verordnen lässt, stellte Bernhard Krempl, stellvertretender Landrat des Landkreises Straubing-Bogen, fest: „Wir müssen Barrieren und Vorurteile abbauen, wenn wir dieses Thema voranbringen wollen. Nur so kann jeder Mensch seine Talente entfalten und an der Gesellschaft teilhaben, dafür setze ich mich ein.“

 

Nicht jeder will in den allgemeinen Arbeitsmarkt

Daniel Hanseder, Vorsitzender des Werkstattrats der St. Johannes Regensburg, schilderte den Gästen seine Erfahrungen: „Eine barrierefreie Wohnung zu finden, ist schon Mal nicht leicht. Hier gibt es noch einiges zu tun. Zudem sollte jeder Mensch mit Behinderung die Wahlmöglichkeit haben, wo er arbeiten möchte – ob er sich den Sprung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zutraut oder lieber in einer Werkstätte arbeiten möchte.“

Abschließend stellten sich sechs Politikerinnen und Politiker der Region Straubing den Fragen der Werkstatträte: Was können sie tun, um Inklusion noch schneller voranzubringen: Bundestagsabgeordneter Alois Rainer, Stellvertretender Landrat Bernhard Krempl, Andreas Liebl, Bürgermeister von Mitterfels, Jürgen Karbstein, Vorsitzender der Straubinger SPD, sowie die beiden Vorsitzenden der Straubinger Grünen, Ursula Sollacher und Silke Prößl sprachen sich dafür aus, noch stärker den Dialog mit den Werkstatträten und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Werkstätten zu suchen. Alle erklärten sich bereit, erneut in die Werkstätten zu kommen und einen Tag lang mitzuarbeiten. Keiner der politischen Vertreter wollte sich auf eine Jahreszahl festlegen, wann eine „inklusive Gesellschaft“ erreicht ist. MdB Alois Rainer, machte aber Mut, dass es Fortschritte geben wird, bei der „großen Aufgabe Inklusion“: „Ihr gehört in die Mitte der Gesellschaft – in allen Bereichen!“ Jürgen Karbstein, sieht Unternehmen und Staat gleichermaßen in der Pflicht, mehr Inklusion zu wagen und entsprechende Arbeitsplätze anzubieten.

Beim Bau des Inklusions-Turms war Zusammenarbeit und Geschicklichkeit gefragt. (Foto: Sebastian Schmid)

Mit ganz konkreten Themen wandten sich einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Politikerinnen und Politiker: Wie kann der Straubinger Stadtplatz trotz Kopfsteinpflaster noch barrierefreier werden? Wann wird die Bahnstrecke Neufahrn-Bogen so ausgebaut, dass auch Rollstuhlfahrer ohne Hindernisse zusteigen können? Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brachten auch die Forderung nach einer höheren Entlohnung in die Runde ein. Die politischen Vertreter aus der Region Straubing nahmen alle Anliegen auf und wollen sich, wo es möglich ist, für eine Verbesserung der Situation einsetzen.

Text: Sebastian Schmid