null 23. Abensberger Fachtagung des B.B.W. St. Franziskus der KJF Regensburg

Wie kann es gelingen, junge Menschen zu erreichen, die scheinbar oder offensichtlich „blockiert“ sind? Mit dieser komplexen Frage befasste sich die 23. Abensberger Fachtagung. Ausgangspunkt waren aktuelle Erfahrungen aus der Praxis: Immer häufiger berichten Fachkräfte, dass Gespräche ins Leere laufen, Angebote nicht greifen und der Zugang zu jungen Menschen zunehmend erschwert ist. Dabei entsteht nicht selten der Eindruck, gegen unsichtbare Widerstände anzukämpfen – verbunden mit Frustration und vorschnellen Zuschreibungen. Die Fachtagung setzte genau hier an und nahm das Phänomen „Blockaden“ differenziert in den Blick. Ziel war es, ein tieferes Verständnis für die vielfältigen Ursachen zu entwickeln und neue Handlungsmöglichkeiten für Fachkräfte aufzuzeigen. Dabei wurde deutlich: Blockaden entstehen selten isoliert, sondern im Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren – und oft im Miteinander. Das Interesse an dem Thema war groß: Insgesamt 300 Menschen verfolgten den Fachtag vor Ort und im Livestream.

Ein wichtiges Thema, namhafte Referentinnen und Referenten, praxisnahe Workshops und interessierte Gäste machten den Fachtag, den Gesamtleiter Frank Baumgartner (6ter von links in der hinteren Reihe) mit seinem engagierten Team organisierte, zum vollen Erfolg. Insgesamt 300 Menschen nahmen vor Ort und im Livestream teil. (Foto: Olga Arnstein)

Direktor der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. (KJF), Michael Eibl, begrüßte die Gäste der Fachtagung: „Ich freue mich sehr, dass die Kolleginnen und Kollegen für den heutigen Tag und zu diesem wichtigen Thema ein tolles Programm mit hochkarätigen Gästen und inspirierenden Praxisthemen auf die Beine gestellt haben. Ich wünsche allen einen informativen Tag.“ Frank Baumgartner, Gesamtleiter des Berufsbildungswerks Abensberg, betonte die Bedeutung eines Perspektivwechsels: „Wir möchten dazu anregen, die Perspektive zu wechseln. Blockaden sollten nicht nur als Barriere verstanden werden, sondern auch als möglicher Schutzmechanismus – etwa vor Überforderung oder Unsicherheit.“ Auch Markus Müller vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales unterstrich die gesellschaftliche Relevanz des Themas: „Deutschland braucht angesichts des demographischen Wandels jede und jeden auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft. Arbeit bedeutet Teilhabe, Anerkennung und Selbstbestimmung – deshalb brauchen wir ein starkes System für Teilhabe und Rehabilitation sowie den Austausch unterschiedlicher Perspektiven.“

Gemeinsame Basis finden

Einen besonderen Impuls setzte die Keynote von Felix Behm, Experte für junge Generationen. Unter dem Titel „Nicht erreichbar – oder einfach anders?“ beleuchtete er Kommunikationshürden zwischen Generationen: „Wir müssen uns fragen, ob verschiedene Generationen unterschiedliche Fragen stellen – und ob daraus Blockaden im Miteinander entstehen. Entscheidend ist, eine gemeinsame Basis für Verständigung zu finden, in die Lebenswelt des jeweils anderen einzutauchen. “ Dr. Simon Meier, Leiter der Beratungsstelle Regensburg und fachlicher Sprecher der Erziehungsberatungsstellen in der KJF widmete sich in seinem Fachbeitrag den Ursachen von Blockaden die in Zusammenhang mit Bindungs- und Beziehungsverhalten stehen. Dass die Medaille noch eine weitere Seite hat, nämlich aufgrund von Auswirkungen institutioneller Rahmenbedingungen, beleuchtete Prof. Dr. Andreas Kirchner von der Kath. Stiftungshochschule München in seinem Fachbeitrag die Wirkung von institutionellen Rahmenbedingungen auf Beziehungsqualität und damit verbundener Erreichbarkeit. Zugleich gab er einen Ausblick auf die Grundhaltung der reflexiven Autorität und führte dadurch in die Praxisperspektive ein, mit dem Ziel: Wie unterstützen wir junge Menschen, Blockaden zu überwinden.

Einen besonderen Impuls setzte die Keynote von Felix Behm, Experte für junge Generationen. (Foto: Olga Arnstein)

Vielfältige Praxisthemen

Nachmittags erwartete die Gäste ein buntes Programm an Praxisthemen mit Impulsen und Methoden, die ein Verständnis für und Wege zum Umgang mit Blockaden anbieten können. Können konfrontative und deeskalierende Methoden dabei helfen? Helfen uns Elemente der Erlebnispädagogik und der tiergestützten Arbeit? Welche Wege und Zugänge der Beziehungsgestaltung gilt es zu berücksichtigen? Ziel der Fachtagung war es, Antworten darauf zu finden und Methoden aufzuzeigen, um festgefahrene Situationen zu lösen und Blockaden in konstruktive Entwicklungsprozesse umzuwandeln. Marion Huber-Schallner, 3. Bürgermeisterin der Stadt Abensberg, Inklusions-/Behindertenbeauftragte der Stadt Abensberg sowie Inklusionsbotschafterin der Bundesagentur für Arbeit, ist begeistert: „Vielen Dank für die Einladung zu dieser tollen, hochkarätig besetzten Fachtagung. Ich habe sehr viel neues Wissen mitgenommen, mir ist – wie bestimmt vielen Zuhörerinnen und Zuhörern – dank der herausragenden Beiträge einiges klar geworden.“

Weiterführende Informationen zum B.B.W. St. Franziskus Abensberg

Das B.B.W. St. Franziskus Abensberg ist eine der führenden Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation in Deutschland. Träger ist die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. In unserem Haus fördern und begleiten rund 500 Mitarbeitende über 500 junge Menschen und belastete Familien, mit Benachteiligungen und Teilhabeeinschränkungen. Schwerpunkt unserer Arbeit sind berufliche Diagnostik, Berufsvorbereitung und Erstausbildung in 40 verschiedenen Berufen in Verbindung mit sonderpädagogischer Beschulung, differenzierten Wohnangeboten und umfassender multiprofessioneller Förderung. Dieser ganzheitliche und individualisierte Rahmen, wird durch differenzierte stationäre und ambulante Hilfen zur Erziehung, eine Institutsambulanz, ein inklusives Kinderhaus, die Abensberger Reha-Akademie, eine Fachschule für Heilerziehungspflege und Heilerziehungspflegehilfe, ein Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) und eine Maßnahme der U-Haft-Vermeidung komplettiert.

Internet: www.bbw-abensberg.de / Kontakt: info@bbw-abensberg.de

Weitere Infos unter: www.bbw-abensberg.de

Text: Silvia Haumer, Olga Arnstein