null 20 Jahre UNESCO Welterbe Altstadt Regensburg mit Stadtamhof

Zum 20-jährigen Jubiläum des UNESCO-Welterbes „Altstadt Regensburg mit Stadtamhof" eröffnete Kulturreferent Wolfgang Dersch, Leiter des Regensburger Kulturamtes, im Besucherzentrum Welterbe die Ausstellungsreihe „Stadel x Stadel - Dialog über die Donau. Kulturförderpreisträgerin Lena Schabus führte inhaltlich in die Ausstellungsreihe ein. Die historischen Speicherbauten Salzstadel in der Altstadt und der Andreasstadel in Stadtamhof stehen im Mittelpunkt der Ausstellungen im Jubiläumsjahr. Beide Gebäude stehen für die historische Konkurrenz um den Salzhandel zwischen der Reichsstadt Regensburg und dem bayerischen Stadtamhof.

Gruppenbild der Künstlerinnen und der Künstler mit Veranstalter und Förderer
v.li.: Christina Friedl, Florian Hauer, Marion Abate, Kulturreferent Wolfgang Dersch, Projektleiterin Janina Rummel, Kulturförderpreisträgerin Lena Schabus, KJF-Direktor Michael Eibl (Foto: Christine Allgeyer)

Ein starkes Netzwerk für die Kunst

Janina Rummel, Projektleitung des Besucherzentrums Welterbe der Stadt Regensburg, hat die Ausstellungsreihe in enger Zusammenarbeit mit dem Team des Besucherzentrums Welterbe sowie der Stadt Regensburg auf den Weg gebracht. Das Grafikkonzept der gesamten Reihe stammt von Marie Dörfler. Die Katholische Jugendfürsorge Regensburg und die Oswald Zitzelsberger Kunst- und Kulturstiftung unterstützen das Projekt im Jubiläumsjahr. Die Ausstellung lädt ein, Regensburg als wandelbaren Ort zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft neu zu entdecken.

 

Außergewöhnliche künstlerische Positionen

Die Ausstellungsreihe schafft einen künstlerischen Dialog über die Donau hinweg - zwischen zwei Orten, die einst durch Handel und Politik verbunden waren und heute gemeinsam das kulturelle Leben der Welterbestadt prägen. Den Auftakt der vierteiligen Ausstellungsreihe bilden drei außergewöhnliche künstlerische Positionen aus Regensburg. Florian Hauer, Marion Abate und Cristina Friedl greifen das Thema Erbe und Jubiläum auf völlig unterschiedliche Weise auf. Die drei Kunstschaffenden arbeiten im Künstlerhaus Andreasstadel der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg. Ihre Zugänge könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie bewegen sich zwischen Illustration, Skulptur, digitaler Fertigung und Objektkunst und schaffen damit überraschende Verbindungen zur Stadtgeschichte und zu kulturellen Symbolen.

 

Stadtgeschichte, Hightech-Keramik und emotionale Erinnerungsräume

Die Künstlerin Marion Abate verbindet in ihrer Arbeit traditionelle Handwerkskunst mit modernster Technologie. Als Expertin für keramischen 3D-Druck erschließt sie innovative ästhetische Ausdrucksweisen und verknüpft digitale Präzision mit der Flexibilität von Ton und anderen Materialien. Cristina Friedl lässt sich von japanischer Kultur und Minimalismus inspirieren und nutzt Techniken wie Collage, Linoldruck und Textilien, um subtile Geschichten über Träume und zwischenmenschliche Beziehungen zu erzählen. Florian Hauer, der seit über 15 Jahren als Illustrator arbeitet, ergänzt das Trio. Sein Fokus liegt auf Zeichnungen auf Papier, die er oft mit viel Humor und in unterschiedlichsten Formaten zum Leben erweckt und anschließend am Rechner coloriert. Er zeigt Arbeiten aus seinem aktuellen Regensburg-Bilderbuch.

 

Die drei künstlerischen Positionen

Der Regensburger Illustrator Florian Hauer bietet einen exklusiven Sneak Peak in sein kommendes Bilderbuch, das in der „Edition Bunte Hunde“ erscheint. In zwölf Stationen nimmt Hauer die Betrachtenden mit auf eine Zeitreise durch die Regensburger Historie – von der Vorzeit über den Dombau bis in eine imaginierte Zukunft. Reale Geschichte vermischt sich mit Fiktion, wobei stets der Mensch und das lebendige Stadtgefüge im Mittelpunkt stehen. Einblick in den Entstehungsprozess von der Skizze bis zur Kolorierung rundet seine Position ab.

Marion Abate fusioniert traditionelles Material mit modernster Technik. Im Zentrum ihrer Arbeit steht der Regensburger Dom, den sie in den „1.000 Ansichten des Doms“ in reduzierten, geometrischen Formen mittels keramischem 3D-Druck neu interpretiert. Die Spuren der digitalen Fertigung bleiben dabei bewusst als Stilmittel sichtbar. Ikonische Symbole wie die Domspitze und der Bruckmandl werden zeitgenössisch kombiniert. Ihre Figurengruppe „Influencer“, die auch den Heiligen Wolfgang zitiert, wirft Fragen nach der Vervielfältigung kultureller Symbole auf.

Cristina Friedls fragile, körperliche Arbeiten aus Naturmaterialien, Gips und Draht schaffen intime Erfahrungsräume. Wiederkehrendes Motiv ist das Auge auf Augenhöhe, das eine direkte Beziehung zum Betrachter aufbaut. Sie begreift Erbe nicht nur materiell, sondern als Summe von Erinnerungen und Prägungen, die transformiert werden können. Gegensätze wie Schutz und Verwundbarkeit (Gipsformen mit Nägeln) sowie Schönheit und Gewalt (ornamentale Patronenhülsen) erzeugen eine tiefe, poetische Spannung.

Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten des Besucherzentrums täglich von 10 bis 18 Uhr kostenfrei besucht werden.

 

Termine der Ausstellungsreihe Stadel X Stadel

  • 10. Mai bis 10. Juni 2026 Florian Hauer, Marion Abate und Cristina Friedl
  • 23. Juli bis 2. September 2026 Annika van Schoor, Johanna Kaljanac, Marie Doerfler und Thomas Bieniek
  • 10 September bis 14. Oktober 2026 Lena Schabus, Kathi Ringlstetter und Thomas Freiss
  • 25. Oktober bis 25. November 2026 Paula Birnbaum und Kollektiv KUNSTbeTRIEB  

Text: Christine Allgeyer (Teile des Textes aus dem Grußwort von Kulturreferent Wolfgang Dersch)