„Wir geben das Wertvollste, das wir haben, in eure Hände.“
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Seit einem halben Jahrhundert bietet St. Gunther, ein Förderzentrum mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, in Trägerschaft der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg (KJF) e. V. jungen Menschen individuelle Förderung. Zum Auftakt der Jubiläumsfeier zelebrierte Domkapitular Michael Dreßel, Vorsitzender der KJF, einen Wortgottesdienst. „Wachsam und sensibel sein für junge Menschen, die es schwer haben – sich anrühren lassen von ihrer Situation – und dann aus christlicher Verantwortung heraus handeln: Dafür steht die Bildungsstätte St. Gunther seit 50 Jahren. Ein großer Dank an alle, die das möglich gemacht haben, und Gottes Segen für die Zukunft!“, so Michael Dreßel.
Mut zur Weiterentwicklung über Jahrzehnte hinweg
Zum besonderen Jubiläum fand KJF-Direktor Michael Eibl herzliche Worte der Anerkennung: „St. Gunther steht für Mut zur Weiterentwicklung, fachliche Kompetenz und für ein klares Bekenntnis zur Inklusion. Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen, die unzählige Kinder und Jugendliche begleitet und gefördert haben. Sie haben ihnen die Chance eröffnet, ihren eigenen Weg zu gehen.“ Eibl stellte weiter heraus, dass sich St. Gunther in fünf Jahrzehnten zu einem modernen sonderpädagogischen Kompetenzzentrum entwickelt hat, das Kinder, Jugendliche und ihre Familien von der frühen Kindheit bis zum Übergang ins Berufsleben begleitet. Aktuell besuchen rund 160 Kinder und Jugendliche die Schule und weitere 24 Kinder die Schulvorbereitende Einrichtung des Förderzentrums. Die Nachfrage ist groß und Einrichtungsleiterin Katrin Kraus hat mit ihrer Kollegin in der Schulleitung Doris Heckel alle Möglichkeiten ausgeschöpft um die vielen Anfragen zu bedienen. KJF-Direktor Michael Eibl dankte der Schulfamilie für ihr großes Engagement und verwies darauf, dass es trotz aller Anstrengungen seitens Träger und Schule eine Warteliste gäbe. Deshalb macht sich Eibl auf Landesebene in der politischen Lobbyarbeit für die Förderzentren in Bayern stark, damit die Familien eine bedarfsgerechte Versorgung ihrer Kinder und einen passenden Schulplatz mit der benötigten Förderung bekommen.
Gemeinsam – Einzigartig
Von Anfang an verfolgte St. Gunther das Ziel, jedem Kind die Unterstützung zukommen zu lassen, die es für seine persönliche Entwicklung benötigt. Aus der Schule entstand im Laufe der Jahrzehnte ein umfassendes Angebot mit Interdisziplinärer Frühförderstelle, Heilpädagogischer Tagesstätte, Schulvorbereitender Einrichtung und vielfältigen Förder- und Therapieangeboten, das weit über klassischen Unterricht hinausgeht. Wie Teilhabe in St. Gunther täglich gelebt wird, brachten Gesamtleiterin Katrin Kraus und Schulleiterin Doris Heckel auf den Punkt: „Unser Motto Gemeinsam – Einzigartig ist sehr treffend: Wir haben eine starke Gemeinschaft, fördern gleichzeitig die Talente jedes einzelnen Kindes und respektieren seine Fähigkeiten. Entsprechend bunt, lebendig, vielseitig und froh geht es in der Bildungsstätte St. Gunther zu, denn Lebensfreude und gegenseitige Wertschätzung sind das Fundament, damit sich junge Menschen entfalten und auch über sich selbst hinauswachsen können. Das ist es, was uns am Herzen liegt.“ Simone Höpfel, Elternbeiratsvorsitzende der Schulfamilie St. Gunther, brachte die Bedeutung der Schule für die Familien auf den Punkt: „Wir sind alle sehr stolz auf 50 Jahre St. Gunther. St. Gunther ist für uns Eltern und besonders für unsere Kinder eine ganz wichtige Einrichtung. Wir geben das Wertvollste, das wir haben in Ihre Hände.“
Ein Ort der Freude, der Teilhabe und des Miteinanders
Die Bildungsstätte St. Gunther ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Schullandschaft in der Region Cham. Dies würdigte Bezirkstagspräsident Franz Löffler in seinem Grußwort: „Die Bildungsstätte St. Gunther lebt das Selbstverständnis, dass sich jedes Kind nach seinen eigenen Fähigkeiten und Bedürfnissen entwickeln darf. Die Einrichtung in Cham ist ein Ort der Freude, der Teilhabe und des Miteinanders. Hier wird seit fünf Jahrzehnten Sozialpolitik gelebt, hier bekommt soziale Gerechtigkeit ein Gesicht. Zum Jubiläum gratuliere ich deshalb im Namen des Bezirks Oberpfalz wie auch persönlich sehr herzlich. Wir sind froh, mit der KJF einen verlässlichen und kompetenten Träger sowie langjährigen Partner an unserer Seite zu haben.“ Regierungsschuldirektorin Christina Bergmann dankte im Namen der Regierung der Oberpfalz allen Lehrkräften, pädagogischen Fachkräften und Unterstützern für fünf Jahrzehnte engagierte Arbeit, die „in der Vielfalt und Zusammenhalt Hand in Hand gehen“. Sie betonte: „Die kontinuierlich steigenden Schülerzahlen unterstreichen eindrucksvoll die große Beliebtheit und das Vertrauen, das Eltern und Familien der Schule entgegenbringen.“
Als beeindruckendes Aushängeschild für die hohe Qualität und Vielfalt im Bildungsangebot der Region sieht Landrat Christian Schindler in der Bildungsstätte St. Gunther. „Moderne Bildung und gute Lernbedingungen für alle Kinder und Jugendlichen haben für den Landkreis Cham einen sehr hohen Stellenwert. Die Bildungsstätte St. Gunther leistet hier seit 50 Jahren wertvolle Arbeit, indem sie junge Menschen entsprechend ihren individuellen Lern- und Förderbedürfnissen begleitet und unterstützt. Denn gute Bildung orientiert sich an den Stärken und Potenzialen jedes Einzelnen. So erhalten die Schülerinnen und Schüler die bestmöglichen Chancen, ihre Fähigkeiten und Talente zu entfalten. Für dieses besondere Engagement danke ich der gesamten Schulfamilie sehr herzlich“, so Schindler. Die stellvertretende Landrätin Alexandra Riedl überbrachte der Schulfamilie bei der Jubiläumsfeier die herzlichen Glückwünsche des Landkreises und gratulierte im Namen des Landrats sowie des Kreistags. Den Glückwünschen schloss sich Bürgermeister Martin Stoiber an, er sagte, dass er „unermesslich stolz“ auf die Bildungsstätte St. Gunther sei: „Vergelt´s Gott dem Träger Katholische Jugendfürsorge für sein Engagement und allen Mitarbeitern, die hier Tag für Tag einen Riesenjob machen und bestrebt sind, jeden einzelnen ihrer Schützlinge individuell zu fördern. Und ein Dankeschön allen Mädchen und Buben, die in diese Bildungsstätte Sankt Gunther – jeden Tag aufs Neue – Freude, Energie und Leben bringen!“
Blitzlichter aus fünf Jahrzehnten Erfolgsgeschichte
In Cham beginnt die Erfolgsgeschichte der Bildungsstätte St. Gunther mit dem Spatenstich am 1. Oktober 1974 am Ziflinger Bierl. Schon im September 1975 nimmt die Einrichtung ihren Betrieb auf. Im Juli 1976 wird sie feierlich eingeweiht. 20 Kinder in der Schulvorbereitenden Einrichtung und 72 Schüler besuchen die Bildungsstätte. „Ein Platz an der Sonne für 92 Kinder ist Wirklichkeit geworden“, titeln damals das Bayerwald-Echo und die Chamer Zeitung. Die Laudatoren waren sich einig: Die Investition von elf Millionen DM habe sich gelohnt, da St. Gunther als Vorbild für ähnliche Einrichtungen in ganz Bayern diene. Welche innovativen Wege die Einrichtung beschreitet, zeigt sich schon nach kurzer Zeit, als die Kinder und Jugendlichen in der Galerie Bayerischer Wald in Zandt Kunstwerke ausstellen und damit auf großen Anklang stoßen. Das Motto: „Jeder Mensch ein Künstler“. Im Lauf der Zeit folgen weitere Ausstellungen, unter anderem in der Städtischen Galerie Cordonhaus.
1979 steht die erste Entlassfeier an: Zehn junge Menschen verlassen die Bildungsstätte. Zum zehnten Jubiläum wird groß gefeiert: mit vielen Besuchern, Musikgruppen und Unterstützern. Der damalige Direktor Prälat Dr. Josef Schweiger würdigte die Rektorin Elisabeth Kanz als „die gute Seele von St. Gunther“. Sie wird 1982 in den Ruhestand verabschiedet. Siegfried Hübschmann übernimmt die Nachfolge, zunächst kommissarisch. 1983 wird er offiziell zum Rektor ernannt. Ein weiterer Meilenstein folgt im März 1996: Der Neubau der Frühförderstelle auf dem Gelände von St. Gunther wird eröffnet. Zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen rund 100 Kinder in ihrer Entwicklung. 1997 verabschiedet die Schule „wehmütig“ ihren Leiter Siegfried Hübschmann, sein Nachfolger wird Walter Scherbaum. In den1990er-Jahren entsteht auch eine Zusammenarbeit mit dem Benedikt-Sattler-Gymnasium, gemeinsame Unternehmungen und Kunstprojekte füllen die Partnerschaft mit Leben. Später folgt eine ähnliche Kooperation mit der Grundschule Runding.
2010 beginnen die Planungen für eine energetische Sanierung der Gebäude sowie für eine Außenklasse in der Grundschule Arnschwang. Ein Jahr später stellt Einrichtungsleiter Scheerbaum fest: „Das Projekt hat sich sehr gut bewährt. Die Resonanz von Schülern, Eltern und Lehrern ist durchwegs positiv.“ Ebenfalls 2011 findet der Spatenstich für einen Neubau der Frühförderstelle in der Danziger Straße statt. Der alte Standort bot nicht mehr genügend Platz für 17 Mitarbeiter, die 355 Kinder förderten. Im Herbst 2012 wird das Gebäude eingeweiht. In diesem Jahr beteiligt sich St. Gunther auch am hundertjährigen Jubiläum des Trägers Katholische Jugendfürsorge und Walter Scheerbaum verabschiedet sich nach 35 Jahren als Gesamtleiter in die Altersteilzeit; es folgt Thomas Herbst. KJF-Direktor Michael Eibl würdigt den scheidenden Einrichtungsleiter als „einen besonderen Pädagogen, der jedes einzelne Kind in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellte“. 2013 ziehen die beiden Alpakas Conchita und Tajra als Therapietiere auf dem Gelände der Bildungsstätte ein. 90 Kinder und Jugendliche sind sofort begeistert.
2017 stehen große Sanierungsarbeiten an: Heizung, Lüftung, Technik werden auf den neuesten Stand gebracht. Nachdem die Generalsanierung 2019 fast abgeschlossen ist, übergibt die KJF die Leitung von St. Gunther an Felicitas Klenk. Sie führte die Schule „so normal wie möglich“ durch die schwierige und belastende Zeit der Pandemie. 2025 folgen zwei erfahrene Kolleginnen: Doris Heckel als Schulleiterin und Katrin Kraus als Einrichtungsleiterin.
Text: Sebastian Schmid