null Von Offenstetten in das Provinzhaus nach Gemünden

„Vor Kurzem haben wir das 80-jährige Jubiläum der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz im Cabrini-Haus gefeiert“, blickt der Vorsitzende der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e. V. (KJF) Domkapitular Michael Dreßel auf die Feierlichkeiten Ende März mit Bischof Rudolf Voderholzer zurück. „Was nun bevorsteht“, so kündigt er an, „ist der Auszug der Schwestern in das ehemalige Provinzhaus des Ordens der Provinz Bayern in Gemünden am Main.“ Mit großer Dankbarkeit und Wertschätzung blicken er und KJF-Direktor Michael Eibl auf das Leben und Wirken der Kreuzschwestern zurück.

Die Kreuzschwestern und ihre Gäste vor dem Eingang des Cabrini-Schlosses
v.li. vor dem Schloss: KJF-Vorsitzender Domkapitular Michael Dreßel, Sr. Adele Bäumler, MZ-Redakteur Peter Hübl, KJF-Direktor Michael Eibl, Gesamtleiter Cabrini-Zentrum Stefan Seehofer, Konventoberin Sr. Sieglinde Gabriel, MZ-Redaktionsleiter Manfred Forster, Sr. Elisabeth Augustin und Sr. Irmgard König (Foto: Christine Allgeyer)

„Eine Ära geht zu Ende. Das macht traurig und zugleich dankbar. Traurig, weil es bald Abschied zu nehmen gilt von den Schwestern Sieglinde, Adele, Irmgard und Elisabeth. Dankbar für die acht Jahrzehnte, in denen 91 Kreuzschwestern das Cabrini-Haus entscheidend geprägt haben: durch ihre Präsenz, ihr Gebet und ihre tagtägliche Arbeit. Diese Ordensfrauen haben nicht nur hoch professionell einen ‚Job‘ gemacht, sondern aus ihrem christlichen Glauben heraus eine Berufung gelebt. Vergelt’s Gott für allen Einsatz, für diese enorme Lebensleistung und die vielen großen und kleinen Gesten der Zuwendung und der Gemeinschaft! Wenn diese Haltung im Cabrini-Haus lebendig bleibt, dann hat diese Einrichtung ein tragfähiges Fundament für die Zukunft“, stellt der Vorsitzende Domkapitular Michael Dreßel anlässlich des bevorstehenden Abschieds heraus.

Die Schwestern am Tisch beim Pressegespräch
Beim Pressegespräch (Foto: Christine Allgeyer)

Nach Jahrzehnten im Dienst für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene verlassen die Kreuzschwestern das Cabrini-Haus am 21. Juli 2026. „Wir nehmen Erinnerungen, gelebte Gemeinschaft und tiefe Verbundenheit mit in unseren neuen Lebensabschnitt“, sagt Konventoberin Sieglinde Gabriel. Mit ihrem Abschied endet für die dort noch lebenden vier Kreuzschwestern Sr. Sieglinde Gabriel, Sr. Adele Bäumler, Sr. Irmgard König und Sr. Elisabeth Augustin ein prägender Abschnitt ihres Lebens. Das Haus war für sie weit mehr als ein Ort ihres Wirkens und der Arbeit. „Es war Heimat, Alltag, Verantwortung und ein Raum voller Begegnungen“, fasst es die Konventoberin zusammen. Der bevorstehende Umzug ins Provinzhaus sei deshalb nicht nur ein äußerer Wechsel, sondern auch ein Abschied von einem Ort, der Spuren in ihren Herzen hinterlassen hat.

Seit 1946, als die ersten Kreuzschwestern die Arbeit im Offenstettener Schloss aufnahmen, haben 91 Ordensfrauen dort ihren Dienst getan für Säuglinge, Kleinkinder, Waisen, Kinder mit Behinderung und später auch Erwachsene. „Jahrzehnte prägten sie die Kultur der Einrichtung und waren intensiv an der fachlichen Weiterentwicklung vom einstigen Flüchtlingskinderheim hin zu einem modernen Sonderpädagogischen Zentrum beteiligt“, stellt KJF-Direktor Michael Eibl heraus, „wir sind unendlich dankbar für ihre Hingabe und Fürsorge, die sie den Menschen schenkten. Ihr Charisma wird bleiben und weiter die Zukunft der Einrichtung stärken“, ist er sich sicher.

Beim Pressegespräch mit Gästen am Tisch
Mit Gästen im Gespräch über den bevorstehenden Abschied (Foto: Christine Allgeyer)

Unzählige schöne Erinnerungen

Diese nehmen die Kreuzschwestern mit in das Provinzhaus nach Gemünden. Es sind Erinnerungen an Begegnungen, an Verantwortung, Fürsorge und an den gemeinsam gelebten Alltag. „Mit dem bevorstehenden Umzug ins Provinzhaus beginnt für uns ein neuer Lebensabschnitt – getragen von Dankbarkeit und dem Vertrauen, auch künftig in guter Gemeinschaft aufgehoben zu sein“, sagt Konventoberin Sieglinde Gabriel. Gemeinsam mit ihren Mitschwestern Irmgard, Adele und Elisabeth blickt sie auf bereichernde Jahre zurück und auf die Menschen, die mit ihnen das Cabrini-Haus über die Jahre hinweg mit Leben und Freude erfüllt haben. Erinnerungen an Besuche, an gemeinsame Arbeit, an kleine Gesten im Alltag und an tiefe Verbundenheit sind in ihnen lebendig. „Wir sind in diesem Haus daheim. Man kennt jede Ecke, jede Blume und jeden Ort, an dem man sich nützlich machen kann“, beschreibt Schwester Elisabeth ihre tiefe Bindung an das Cabrini-Haus.

 

„Jeder Tag hatte seine Herausforderungen“

Das Leben und Arbeiten der Kreuzschwestern im Cabrini-Haus war von großer Verantwortung geprägt. Und es gab auch schwere Zeiten, so erzählt Konventoberin Schwester Sieglinde Gabriel, wenn Kinder krank waren oder sie sich von Bewohnerinnen und Bewohnern am Lebensende verabschieden mussten. Ihre tägliche Aufgabe, eine gute Betreuung und eine verlässliche Atmosphäre sicherzustellen, nahmen die Schwestern unermüdlich wahr. Sie hatten sich ganz in den Dienst der Menschen gestellt, die ihnen ihr Vertrauen schenkten. „Jeder Tag hatte seine Herausforderungen“, sind sich die Schwestern einig. Im Mittelpunkt standen für die Schwestern über all die Jahre hinweg die Kinder und Jugendlichen, später auch erwachsene Bewohnerinnen und Bewohner. Sie begegneten ihnen mit größtem Wohlwollen, mit Offenheit und mit Achtsamkeit: „Das Wichtigste war, den Kindern zu zeigen, dass sie hier angenommen, begleitet, gefördert und geliebt sind“, sagt Sr. Adele.

 

Professionelles Handeln und persönliche Nähe

Das Zusammenleben im Cabrini-Haus war von professionellem Handeln ebenso geprägt wie von persönlicher Nähe. Manche Beziehungen waren besonders eng, andere von größerer Eigenständigkeit bestimmt, berichten die Schwestern. Entscheidend blieb immer das Vertrauen in den Nächsten, in das Gegenüber. „Vertrauen prägt unsere Kultur und trägt das Miteinander im Haus über Jahre hinweg“, schildern es die Schwestern. Im Laufe der Jahre – und dabei blicken die Schwestern auf vier, fünf oder gar sechs Jahrzehnte ihrer Arbeit zurück – veränderten sich ihre und auch die Aufgaben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aus einer Einrichtung für Kinder und Jugendliche wurde zunehmend ein Lebensort auch für Erwachsene. Damit wandelte sich der Blick auf Begleitung und Unterstützung. „Ein Kind will man erziehen und vorbereiten, einen erwachsenen Menschen will man begleiten“, so Schwester Sieglinde. Dieser Weg habe auch für die Gemeinschaft bedeutet, dazuzulernen und sich immer wieder neu auf die Bedürfnisse der Menschen einzustellen.

 

Gewachsener und vertrauter Weg im Leben der Ordensfrauen

Der bevorstehende Abschied aus dem Cabrini-Haus ist für die Schwestern ein tief bewegender Einschnitt. Und doch gehen sie diesen Weg als einen, der ihnen vertraut ist und der im Laufe ihres Ordenslebens auch so gewachsen ist. Der Einzug ins Provinzhaus bedeutet, Vertrautes zu verlassen und sich in einer neuen Form von Gemeinschaft wiederzufinden. „Es ist ein Loslassen und trotzdem noch das Gefühl, man gehört ein Stück weit dazu“, sagen die Schwestern, „der Übergang kommt auch nicht plötzlich, wir haben uns auf den Abschied vorbereitet.“ Im Provinzhaus erwarten die Schwestern vertraute Mitschwestern, Gemeinschaft und Begleitung im Alter. Die Schwestern beginnen diesen nächsten Lebensabschnitt mit Zuversicht: „Wir sind im Alter nicht allein, wir sind gut begleitet und, wenn es nötig ist, auch gut gepflegt“, erzählt Schwester Irmgard. Das Leben in der Ordensgemeinschaft bleibe dabei von Freiheit, gegenseitigem Respekt und gelebter Geschwisterlichkeit geprägt. Mitnehmen werden sie einige persönliche Dinge und Erinnerungsstücke, auch Möbel. Dass sie auf ihre Fahrräder verzichten müssen, weil die neue Heimat recht hügelig ist, bedauern sie ein bisschen.

 

Was bleibt …

Es sind gewiss mehr als Erinnerungen an die vielen Jahre im Dienst für andere. Im Haus bleibt die von den Schwestern geprägte Haltung. Der Gesamtleiter des Cabrini-Zentrums Stefan Seehofer will diese mit in die Zukunft nehmen. Mit großem Respekt und Hochachtung vor der Lebensleistung der Schwestern will er die über Jahrzehnte gelebte Gemeinschaft, Verantwortung, Menschlichkeit und ein verlässliches Dasein für andere fortführen. „Der bevorstehende Abschied unserer Kreuzschwestern erfüllt uns mit großer Traurigkeit. Sie hinterlassen eine Lücke, die nicht zu füllen ist – zugleich aber auch unendlich viel Wärme, Menschlichkeit und gelebte Nächstenliebe, die in unserem Haus weiterleben werden. Nicht nur dadurch bleibt ein untrennbares Band zwischen den Schwestern und unserer Einrichtung. Persönlich bin ich froh und dankbar zugleich, dass ich den langen Weg der Kreuzschwestern hier im Cabrini-Zentrum ein kurzes Stück erleben und begleiten durfte“, so Stefan Seehofer.

Konventoberin Schwester Sieglinde Gabriel indes möchte der nachfolgenden Generation ein Zitat des Theologen Anton Kner mit auf den Weg geben: „Zusammenarbeiten ist gut. Zusammenhalten ist besser.“

Text: Christine Allgeyer