null Optimale Versorgung von Kindern und Familien

Der feierliche Spatenstich im Beisein von Staatsminister Albert Füracker, MdL, und Bezirkstagspräsident Franz Löffler war der Auftakt für die Modernisierung des Sozialpädiatrischen Zentrums St. Martin und den Neubau der Interdisziplinären Frühförderstelle. „Das Kinderzentrum St. Martin ist aus der Regensburger Medizinlandschaft nicht mehr wegzudenken und hat eine enorme Bedeutung für die gesamte Region. Der heutige Spatenstich für den Neubau und die Modernisierung ist ein weiterer Meilenstein für das Sozialpädiatrische Zentrum und die Interdisziplinäre Frühförderstelle. Mit finanzieller Unterstützung des Freistaats wird ein modernes Behandlungs- und Beratungszentrum entstehen! Die damit verbundenen Investitionen in ein niederschwelliges Förderangebot für Kinder und Jugendliche mit Behinderung bzw. Entwicklungsauffälligkeiten sind besonders wertvoll und leisten einen wichtigen Beitrag für ein inklusives Leben im gesamten ostbayerischen Raum“, so Finanz- und Heimatminister Albert Füracker im Rahmen seiner Rede. „Insbesondere wenn es um Kinder geht, die es im Leben schwer haben, ist es unser aller Auftrag für Teilhabe zu sorgen. Mein Dank gilt allen, die sich dafür einsetzen.“

Gemeinsam nahmen die Projektbeteiligten den symbolischen Spatenstich vor. (Foto: Sebastian Schmid)

„Es freut uns sehr, dass wir mit diesem Neubau für die Frühförderung und weiteren Beratungsstellen sowie der anschließenden Generalsanierung von St. Martin für Familien und Menschen mit Beeinträchtigungen künftig eine optimale Versorgung unter einem Dach anbieten können“, sagte KJF-Direktor Michael Eibl. „Das Sozialpädiatrische Zentrum und die Interdisziplinäre Frühförderstelle arbeiten Hand in Hand, sodass Synergieeffekte entstehen, die den Kindern und ihren Familien aus dem gesamten ostbayerischen Raum zugutekommen. Unser Dank gilt dem Staatsministerium für Finanzen und Heimat, dem Bayerischen Sozialministerium sowie Sternstunden e. V. für die großzügige Unterstützung.“ Florian Babel, Geschäftsführer von Sternstunden, begrüßte den Beginn des Projekts: „Das Konzept für die Modernisierung des Sozialpädiatrischen Zentrums St. Martin und dem Neubau der Interdisziplinären Frühförderstelle unter einem Dach hat uns überzeugt. Darüber hinaus arbeiten wir mit der KJF Regensburg – einem wichtigen Partner für uns in Ostbayern - seit vielen Jahren vertrauensvoll, professionell und erfolgreich zusammen.“

 

Mehr Chancen für Kinder - weniger Sorgen für Eltern

Auch der Bezirk Oberpfalz bringt sich in die Partnerschaft ein, wie Bezirkstagspräsident Franz Löffler per Grußwort übermitteln ließ: „Alleine im Jahr 2022 hat der Bezirk Oberpfalz das Kinderzentrum St. Martin mit 107.000 Euro für heilpädagogische Maßnahmen unterstützt. Als Leistungsträger für die heilpädagogisch-psychologischen Leistungen in der Interdisziplinären Frühförderung bringt sich der Bezirk ein. Die fachliche Expertise in der Frühförderstelle und im Sozialpädiatrischen Zentrum bedeuten mehr Chancen für die Kinder, weniger Sorgen für die Eltern und ein echter Gewinn für die Früherkennung und Frühförderung von Behinderungen.“ Regensburgs Sozialbürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein ging in ihrem Grußwort auf die Bedeutung des Kinderzentrums und der Frühförderstelle für die Stadt ein: „Beide Einrichtungen, das Kinderzentrum St. Martin und die Interdisziplinäre Frühförderstelle, bilden seit Jahrzehnten einen wichtigen Baustein der medizinischen, therapeutischen und heilpädagogischen Versorgung für Kinder und Jugendliche in unserer Stadt. Familien aus Regensburg und darüber hinaus werden hier nicht nur fachlich hervorragend betreut und beraten, sondern auch menschlich dabei unterstützt, die Entwicklung ihrer Kinder zu fördern und ihnen zu einem möglichst selbstbestimmten Leben und gesellschaftlicher Teilhabe zu verhelfen. Wir freuen uns sehr, dass dieses Angebot in die Zukunft geführt wird und wünschen gutes Gelingen.“ KJF-Vorsitzender Domkapitular Michael Dreßel sprach ein Segensgebet für eine unfallfreie Baustelle und für alle, die zum Gelingen des Baus beitragen. Pfarrer Josef Eichinger erinnerte an das Kinderheim St. Anna, „den Vorläufer“ des heutigen Kinderzentrums St. Martin: „Ich freue mich über die gute Nachbarschaft: Die KJF setzt fort, was schon immer zur Pfarrgemeinde gehört hat.“

 

Staatsminister Albert Füracker dankte in seiner Rede allen, die sich für das Wohl der Kinder und Familien einsetzen.

In einem ersten Bauabschnitt wird nördlich des Bestandsgebäudes ein 1189 Quadratmeter großer Neubau für die Interdisziplinäre Frühförderstelle, die Epilepsie-Beratungsstelle, die Sozialberatung und das noch zu gründende Medizinische Zentrum für erwachsenen Menschen mit Behinderung (MZEB) platziert und über eine Verbindung in den oberen Geschossen an den Bestand angeschlossen. Das bestehende Kinderzentrum St. Martin wird in einem zweiten Bauabschnitt komplett renoviert und an die aktuellen Anforderungen angepasst. Dazu gehören umfangreiche Baumaßnahmen, die das 2382 Quadratmeter große Gebäude nahezu in den Rohbauzustand bringen. Der Dachbereich wird komplett neu gedämmt, erhält neue Gauben sowie eine komplett neue Eindeckung. Sämtliche Fenster und Fenstertüren werden ebenfalls erneuert, sodass die Gebäudehülle den energetischen Anforderungen entspricht. Zusätzlich werden sämtliche technischen Ausbauten in den Bereichen Heizung, Sanitär, Lüftung und Elektro ausgetauscht. Laufen alle Arbeiten nach Plan, soll der Neubau im Frühjahr 2025 abgeschlossen sein.

Die Gesamtkosten für beide Maßnahmen belaufen sich auf 12,34 Millionen Euro: 1,63 Millionen für den Gebäudeerwerb, 6,38 Millionen für die Modernisierung und 4,32 für die Modernisierung. Der Freistaat Bayern gewährt einen Kostenzuschuss über 5,09 Millionen Euro und Sternstunden e. V. unterstützt die Baumaßnahme mit einer Million. 6,25 Millionen trägt die KJF Regensburg aus Eigenmitteln. Gut angelegtes Geld, wie Dr. Christina Kutzer erklärt: „Als ärztliche Leitung des Regensburger Kinderzentrums St. Martin begrüße ich den Neubau für die Frühförderstelle und die Generalsanierung des Kinderzentrums vorbehaltlos: Durch die fachlich enge Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen und Dienste unter einem Dach werden einerseits Angebote verbessert, andererseits neue Angebote geschaffen wie das geplante Medizinische Zentrum für Erwachsene mit Behinderung (MZEB), das die Weiterbehandlung chronisch kranker junger Menschen im Erwachsenenalter sicherstellen soll. Allen, die dazu beigetragen haben, gilt mein Dank! Danke auch an unseren Förderverein Aktion Sonnenschein.“

Die Unterbringung der Interdisziplinären Frühförderstelle in einem gemeinsamen Haus erleichtere die Förderung der jungen Patienten und ermögliche eine enge Verzahnung von Diagnostik und Therapie. „Dies ist umso wichtiger in Hinblick auf den allgemeinen Fachkräftemangel: Wartezeiten für Therapien und Beratungen können damit verkürzt werden“, so Dr. Kutzer weiter. „Unbedingt zu begrüßen ist auch die enge Zusammenarbeit im Hause mit Sozialberatung und Epilepsieberatung. Ein barrierefreier Umbau mit Modernisierung aller Zugangswege und Sanitäranlagen im Kinderzentrum vereinfacht unseren Familien das Leben mit Kindern mit Handicap und bedeutet Inklusion.“

Interdisziplinäre Frühförderstellen sind offene und niederschwellige Anlaufstellen für Eltern, deren Kind von einer geistigen, körperlichen oder seelischen Entwicklungsverzögerung oder gar Behinderung bedroht ist oder bei dem eine Behinderung bereits gegeben ist. Die Angebote der IFS richten sich an Kinder vom Säuglingsalter bis zur Einschulung. Die Leistungen umfassen die Beratung der Eltern, die Diagnostik sowie die ganzheitliche medizinisch-therapeutische, psychologische sowie heil- und sozialpädagogische Förderung und Therapie der Kinder. Alle bayerischen Frühförderstellen arbeiten interdisziplinär. Das heißt, die Leistungen erfolgen aus einer Hand, unabhängig davon, welcher Kostenträger für die Finanzierung der erforderlichen Leistungen zuständig ist (Bezirk und Krankenkasse). Die Fachteams binden die Eltern intensiv in die Förderung ein. Interdisziplinäre Frühförderstellen sind in Bayern flächendeckend ausgebaut. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt gibt es mindestens eine Frühförderstelle.

 

Fallzahlen steigen in vier Jahren um 18 Prozent

In der Interdisziplinären Frühförderstelle Regensburg beraten, fördern und therapierten im Jahr 2022 insgesamt 38 fest angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 25 kooperierende Therapiepraxen über 600 entwicklungsverzögerte, behinderte und von Behinderung bedrohte Kinder und deren Eltern. In den vergangenen vier Jahren stieg in der IFS Regensburg die Kinderzahl um über 18 Prozent (2019: 520 Kinder)

Im Jahr 1978 wurde das Kinderzentrum St. Martin unter der Trägerschaft der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. gegründet. Damit ist es das zweitälteste Sozialpädiatrische Zentrum Bayerns. Es dient der multidisziplinären ambulanten Versorgung von Kindern und Jugendlichen, die wegen der Art, Schwere und Dauer ihrer bestehenden bzw. drohenden Krankheit oder Behinderung nicht ausschließlich von niedergelassenen Ärzten, Therapeuten oder von Interdisziplinären Frühförderstellen behandelt werden können. Die ganzheitliche Ausrichtung der Arbeit im SPZ besteht darin, nicht nur die Funktion oder Fehlfunktion zu sehen, sondern das Kind oder den Jugendlichen als Gesamtpersönlichkeit in seinem Umfeld zu betrachten und Familien, Kindergarten oder Schule mit einzubeziehen. Sozialpädiatrische und neuropädiatrische Diagnostik und Therapie umfassen neben kinderärztlichen Leistungen auch psychologische und therapeutische Angebote (Logopädie, Ergo- und Physiotherapie) sowie Heil- und Sozialpädagogik.

Im Jahr 2022 behandelten die 36 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des multiprofessionellen Teams im Kinderzentrum St. Martin 1923 Kinder und Jugendliche vom Säuglingsalter bis zum 18. Lebensjahr und unterstützten deren Familien. Das SPZ hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem medizinisch-psychologischen Diagnostik- und Behandlungszentrum entwickelt. Ein wesentlicher Grund dafür ist die flächendeckende und wohnortnahe Versorgung mit Therapieangeboten. Aufgrund der oft seltenen Störungsbilder bieten die Therapeutinnen und Therapeuten auch engmaschige Kontrolluntersuchungen im Haus an und verknüpfen diese mit der Beratung der niedergelassenen Therapeutinnen und Therapeuten. Die Entwicklung junger Menschen ist sehr komplex, sodass die Kinder und Jugendlichen aus mehreren Gesichtspunkten heraus betrachtet werden müssen. Ziel ist es, mit der Diagnostik, Therapie und Beratung die Stärken und Schwächen sowie die persönlichen Qualitäten des Einzelnen und der Familie als Ganzes herauszufinden und sie in einer positiv geprägten Bewältigung der Erkrankung oder Behinderung ihrer Kinder und Jugendlichen zu unterstützen, um so zu einer sozialen Integration beizutragen. 

Text: Sebastian Schmid