#OhneFachkräfteKeineTeilhabe
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Bundesweite Aktionswoche
Die Fachverbände für Menschen mit Behinderung rufen gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Ausbildungsstätten für Heilerziehungspflege in Deutschland e. V. (BAG HEP) zu einer bundesweiten Aktionswoche auf. Vom 20. bis 24. April wird unter dem Motto #OhneFachkräfteKeineTeilhabe die unverzichtbare Rolle von Fachkräften in der Eingliederungshilfe und Sozialpsychiatrie in den Mittelpunkt gestellt. Auch die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e. V. (KJF) beteiligt sich.
Fachkräfte wie Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspfleger, Heilpädagoginnen und Heilpädagogen, Erzieherinnen und Erzieher, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten sowie Pflegefachkräfte leisten täglich einen unschätzbaren Beitrag, um Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Damit setzen sie die Grundsätze der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) und des Bundesteilhabegesetzes in die tägliche Praxis um und tragen dazu bei, dass Inklusion in Deutschland gelebt wird.
Fachschulen beteiligen sich an der Aktionswoche
Die KJF bildet an zwei Standorten Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspfleger aus: an der Fachschule für Heilerziehungspflege in Abensberg und in Erbendorf. Auch beide Schulen beteiligen sich mit ihren Schulleiterinnen sowie Schülerinnen und Schülern an der Aktionswoche. Die angehenden Fachkräfte Olivia, Jakob, Sophie und Yannick machen über Social Media deutlich, welche Bedeutung ihr zukünftiger Beruf hat: „Teilhabe bedeutet für uns die Frage, wer mitmachen möchte und nicht wer mitmachen kann.“ Gemeinsam wollen sie ein Zeichen setzen und auf das Thema aufmerksam machen.
„Wer mit Respekt, Herz und Einfühlungsvermögen an die Sache herangeht, hat in diesem Beruf seine Erfüllung gefunden“, so Daniela Haas. Sie arbeitet seit über 20 Jahren in der Wohngemeinschaften St. Benedikt in Mitterteich, einer Einrichtung der KJF, der auch die Fachschule für Heilerziehungspflege in Erbendorf angegliedert ist. „Die Menschen dort haben mein Herz berührt“, sagt sie. Ihre Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin war für sie der Beginn einer Berufung, die bis heute anhält.
Zukunftssichere Teilhabe?
Die Aktionswoche soll jedoch nicht nur die Bedeutung der Teilhabe hervorheben, sondern zugleich auf den zunehmenden Fachkräftemangel in diesen Bereichen aufmerksam machen. Zahlreiche offene Stellen und Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Eine gemeinsame Umfrage der fünf Fachverbände und der BAG HEP zu Beginn dieses Jahres zeigt, dass zwei von drei der befragten 134 Leistungserbringer den Personalmangel als stark bis sehr stark einschränkend für die Besetzung offener Stellen angeben. Dieser Engpass gefährdet die Teilhabechancen vieler Menschen, da Leistungen nur noch eingeschränkt erbracht werden können.
Die Fachverbände und die BAG HEP fordern die Bundesregierung auf, die Sicherung von Fachkräften in der Eingliederungshilfe und Sozialpsychiatrie als politische Priorität zu verankern. Im Namen der Fachverbände und BAG HEP erklärt Pfarrer Frank Stefan, Vorsitzender des evangelischen Bundesfachverbandes für Teilhabe (BeB): „Die Teilhabe von Menschen mit Behinderung ist für uns nicht verhandelbar. Deshalb sehen wir aktuelle Reformüberlegungen zur Weiterentwicklung des Sozialstaats, die Einsparungen in der Eingliederungshilfe vorsehen, mit großer Sorge. Klar ist: Teilhabe darf kein Sparposten sein! Für verlässliche und qualitativ hochwertige Unterstützung braucht es ausreichend Fachkräfte, tarifgebundene Arbeitsbedingungen und eine auskömmliche Refinanzierung der Leistungen. Wird die Anerkennung von Tarifentgelten infrage gestellt, gefährdet das nicht nur die Attraktivität sozialer Berufe, sondern auch stabile Unterstützungsangebote in der Eingliederungshilfe.“
Text: Evangelischer Bundesfachverband für Teilhabe (BeB), Annika Jehl