null Meditativer Impuls August 2026

Im Urlaub stehen uns viele Wege offen, aus der Mühle des Alltags und der permanenten Schleife aus Verpflichtungen herauszutreten. Der Wecker klingelt nicht mehr, der Kalender darf zugeschlagen in der Tasche bleiben und das Schreiben von To-do-Listen kann warten. Nachdem während der Arbeit der Modus des Funktionierens den Blickwinkel auf das Wesentliche zusammenschrumpfen ließ, darf sich nun der Himmel wieder öffnen. Die Distanz zur Arbeit schafft neue Freiräume zum dankbaren Schauen, Staunen und Durchatmen.

Portal des Regensburger Doms St. Peter (Foto: Georg Deisenrieder)

Urlaub ist ein persönliches Geschenk, um der eigenen Spiritualität wieder Tür und Tor zu öffnen. Sakrale Bauwerke können einladen, die Sinne zu wecken. Wer eine Pause einlegt, sich in die Vierung eines Kirchenschiffs stellt und den Blick nach oben zur Kuppel richtet, gibt jenen Energien Raum, die uns vom Boden des Tagesgeschäfts wegziehen und uns verbinden mit der Weite des Himmels. In diesem Moment der Ehrfurcht spüren wir, wie klein unsere täglichen Sorgen im Vergleich zur Ewigkeit sind und wie viel Leichtigkeit uns dieser übergeordnete Raum gibt. Und plötzlich werden göttliche Quellen, an denen der gehetzte Mensch auftanken darf, und mächtige Kräfte, die der Seele Flügel verleihen, spürbar.

Solche Erlebnisse verändern wie von selbst die Wahrnehmung. Sie lassen uns die Welt mit neuen Augen sehen. Dann bemerken wir wieder Dinge, die im Alltagstrott unsichtbar blieben. Wir begegnen unseren Mitmenschen wieder mit mehr Neugier, Geduld und Empathie. Auch der Blick auf das eigene Leben klärt sich: Probleme, die vorher riesig erschienen, relativieren sich aus der Distanz. So wird der Urlaub zu einer tiefgreifenden Auszeit. Er beschenkt uns mit Momenten der Achtsamkeit und einem geschärften, dankbaren Blick. Die Wirkung kann weit über die Ferienzeit hinausreichen und lässt uns verändert in den Alltag zurückkehren.

Kirche St. Nikolaus am Altstädter Ring, Prag (Foto: Georg Deisenrieder)

Es ist zweitrangig, ob wir uns in der Nikolauskirche in Prag, vor dem Eingangsportal des Regensburger Domes oder im eigenen Garten befinden: Ein gelungener Urlaub misst sich nicht an den zurückgelegten Kilometern, sondern an der Weite, die das Herz und der Verstand durch einen bewussten Perspektivenwechsel gewinnen – gemäß eines Zitats von Wilhelm Willms:

„Weißt Du, wo der Himmel ist,

außen oder innen?

Eine Handbreit rechts und links:

Du bist mittendrinnen.“

Text: Georg Deisenrieder