null 9. Fachtagung der St. Vincent Kinder- und Jugendhilfe

Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe erleben einen zunehmend fordernden Arbeitsalltag bei begrenzten Ressourcen. Die Lebenslagen der Kinder, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien werden komplexer. Gesellschaftliche und politische Spannungen nehmen zu und beeinflussen deren Arbeit spürbar. Öffentliche Debatten, strukturelle Veränderungen und wachsende Erwartungen wirken direkt in den Alltag der Kinder- und Jugendhilfe hinein und verstärken den Druck auf bestehende Systeme.

Veranstalter und Referenten des St. Vincent Fachtags
Veranstalter, Referentinnen und Referenten des St. Vincent Fachtags im Jahnstadion Regensburg (Foto: Christine Allgeyer)

„Mit unserer 9. Fachtagung laden wir ein, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, aktuelle Herausforderungen anzusprechen und unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen. Wir möchten Impulse geben für neue, zukunftsfähige Wege in der Kinder- und Jugendhilfe, die Handlungsspielräume eröffnen“, so Daniela Wanderer, Gesamtleiterin der St. Vincent Kinder- und Jugendhilfe. Landrätin Tanja Schweiger sprach das Grußwort und bestärkte die 190 Teilnehmenden. „Wir wollen das Bestmögliche für die jungen Menschen erreichen. Und darum soll es ja heute auch gehen, deshalb hat mir das Programm des Fachtags auch so gut gefallen. Gemeinsam machen wir uns immer wieder klar, was ist unser Auftrag im Jugendamt und in den Einrichtungen: Die Kinder bestmöglich begleiten, da sein, uns zu kümmern und auch das ganze Familienumfeld in den Fokus zu nehmen.“

Landrätin Tanja Schweiger
Landrätin Tanja Schweiger (Foto: Christine Allgeyer)

Der Fachvortrag von KJF-Direktor Michael Eibl zeigte die Jugendhilfe im Spannungsfeld wachsender Anforderungen und gab sozial- und bildungspolitische Impulse. „Die aktuelle Haushaltslage in ganz Deutschland befindet sich in Schieflage. Die Kommunen sind von massiven Sparzwängen betroffen. Einerseits verzeichnen wir steigende Bedarfe an intensiven Hilfen für unsere Kinder und Jugendlichen, und andererseits wird an der Prävention und am Ausbau notwendiger Leistungen gespart“, erklärte Michael Eibl. Dabei sei die Situation junger Menschen alarmierend. Die Langzeitfolgen der Corona-Pandemie und ein massiver Anstieg psychischer Erkrankungen aufgrund problematischer Social-Media-Nutzung fordere die Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe extrem heraus.


 

Wertvolle Impulse für die Zukunft

Die Keynote von Prof. Dr. Michael Macsenaere, renommierter deutscher Psychologe und Experte für Wirkungsforschung in der Kinder- und Jugendhilfe, gab Orientierung, machte Zusammenhänge sichtbar und richtete den Blick auf tragfähige Entwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe. „Mein Vortrag zeigt Wege auf, wie das aktuell stark belastete und teilweise dysfunktionale Jugendhilfesystem zukunftsfähiger gestaltet werden kann. Auf Grundlage empirisch gesicherter Forschungsergebnisse werden zentrale Befunde zu Bedingungen wirksamer Unterstützung vorgestellt“, so der Keynote-Speaker.

 

Praxisnahe Workshops, innovative Ansätze

Das bot die 9. St. Vincent Fachtagung außerdem. Workshops zeigten neue Formen der Zusammenarbeit, innovative Ansätze der Ressourcensteuerung sowie Methoden zur gezielten Stärkung von Resilienz bei Kindern, Jugendlichen und Familien auf. Dabei geht es sowohl um bewährte Konzepte, als auch um aktuelle Entwicklungsprozesse, die verdeutlichen, wie Jugendhilfe flexibel auf veränderte Anforderungen reagieren kann. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten praxiserprobte Anregungen, die sich direkt in den Arbeitsalltag übertragen lassen. Zudem eröffneten sich neue Blickwinkel auf Kooperationen, Ressourcennutzung und flexible Hilfeformen.

Ein abschließender Impuls von Dr. Simon Meier widmete sich der Rolle Künstlicher Intelligenz in der Jugendhilfe und zeigte Chancen, Grenzen und ethische Verantwortung auf. „Im gesamten Bereich der Jugendhilfe benötigen wir dringend Entlastung in Dokumentation und Protokollierung. Gerade hier sehe ich bereits zeitnah große Chancen für die Jugendhilfe, durch eigens dafür aufgebaute geschlossene KI-Räume Dokumentationspflichten von einer KI-basierten Automatisierung abgenommen zu bekommen. Wir arbeiten bereits intensiv daran, dies sowohl in der Online- als auch in der Präsenzberatung an den zehn Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche und Eltern der KJF Regensburg konkret umzusetzen. Darüber hinaus sehe ich große Chancen in Zukunft für die Anwendung von geschlossenen KI-Assistenzsysteme, die Jugendhilfe-, Behandlungs- oder auch Beratungsprozesse unterstützen, um das gewaltige digitale Wissen unmittelbar im Live-Beratungsprozess verfügbar zu haben. Aber am Ende muss dabei, wie überall im sozialen Bereich, ein menschlicher Experte oder eine Expertin die letzte und finale Entscheidung treffen“, betonte Dr. Meier.

Weiterführende Informationen: Die St. Vincent Kinder- und Jugendhilfe in Regensburg bietet jungen Menschen, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden und nicht mehr in ihren Familien leben können, ein verlässliches Zuhause sowie umfassende Unterstützung. Träger der Einrichtung ist die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e. V. In St. Vincent arbeiten qualifizierte Fachkräfte aus den Bereichen Bildung und Erziehung, Kinderpflege, Heilerziehungspflege, Soziale Arbeit, Heilpädagogik, Psychologie, Hauswirtschaft, Verwaltung und Haustechnik zusammen, um den Kindern und Jugendlichen eine bestmögliche Förderung zu ermöglichen. Jährlich werden 211 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von sechs bis 21 Jahren in teil- oder vollstationären Hilfen zur Erziehung begleitet. Ergänzt wird dieses Angebot durch ambulante Hilfen, sodass insgesamt rund 350 junge Menschen unterstützt werden. Gemeinsam mit der St. Schule, die einen Förderschwerpunkt im Bereich soziale und emotionale Entwicklung hat, werden etwa 400 junge Menschen erreicht. Das Einzugsgebiet der St. Kinder- und Jugendhilfe umfasst vor allem die Stadt und den Landkreis Regensburg.

Internet: www.vincent-regensburg.de | Kontakt: info@vincent-regensburg.de

Text: Daniela Wanderer, Olga Arnstein, Christine Allgeyer