80 Jahre Cabrini-Zentrum Offenstetten
null 80 Jahre Cabrini-Zentrum Offenstetten
Mit einem Festakt blickt das Cabrini-Zentrum Offenstetten auf seine 80-jährige Geschichte zurück: Seit 1946 engagieren sich dort Menschen mit Herz und Mut für junge Menschen mit unterschiedlichen Hilfebedarfen. Mitarbeitende, Ordensschwestern und Wegbegleiter haben dazu beigetragen, dass hunderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene Förderung, Bildung, ein Zuhause und neue Perspektiven für ihr Leben gefunden haben.
„Das Cabrini-Zentrum steht seit 80 Jahren für gelebte Menschlichkeit, Innovation und den festen Glauben an die Fähigkeiten jedes einzelnen Menschen“, betonte KJF-Direktor Michael Eibl. „Offenstetten hat dabei immer wieder mutig neue Wege beschritten und wurde mit seinen Angeboten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu einem Vorreiter in der Behindertenhilfe und Inklusion. Generationen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen haben hier Förderung, Bildung, Perspektiven und eine Heimat gefunden. Dafür danke ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die hier täglich wertvolle Arbeit leisten.“
Nach dem Zweiten Weltkrieg bot das damalige Cabrini-Heim zunächst Kriegswaisen und Flüchtlingskindern Schutz und Geborgenheit. Schon bald kamen Kinder und Jugendliche mit Behinderungen hinzu. Es gelang dem damaligen Direktor der KJF Prälat Michael Thaller, die Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz für den Aufbau der Einrichtung sowie die Förderung und Betreuung zu gewinnen. Am 7. Juli 1946, dem Tag der Heiligsprechung von Mutter Cabrini, einer amerikanischen Ordensfrau und Schutzpatronin der Einrichtung, zogen die ersten Kinder in das Schloss Offenstetten ein.
„Das Jubiläumsjahr erfüllt uns mit großer Dankbarkeit“
„Was 1946 mit drei Kreuzschwestern begann, ist heute ein modernes Förder- und Kompetenzzentrum – eine starke Gemeinschaft mit über 400 Mitarbeitenden. Unser Auftrag ist seit 80 Jahren derselbe geblieben: Menschen begleiten, fördern und ihnen ein Zuhause geben“, bekräftigte Stefan Seehofer, Gesamtleiter des Cabrini-Zentrums. „Das Jubiläumsjahr erfüllt uns mit großer Dankbarkeit, weil es die bewegende Geschichte unseres Hauses sichtbar macht. Die Kreuzschwestern haben das Cabrini-Zentrum über Jahrzehnte geprägt – ihre Werte und ihr Wirken werden auch künftig ein wichtiger Teil unserer Identität bleiben.“
1957 kaufte die KJF die Schlossanlage mit zehn Tagwerk Grund, die bis dahin gemietet war. Ein Jahr später begannen Umbauarbeiten an den Nebengebäuden des Schlosses für Personalwohnungen, eine Wäscherei und einen Kindergarten. Mit der Gründung einer Förderschule beschritt das Cabrini-Zentrum dann neue Wege: Zum Schuljahr 1959/60 starteten 20 Vorschüler ihren Bildungsweg. Die Schülerzahlen stiegen rasch, wodurch ein Neubau notwendig wurde: 1970 wurde das Gebäude feierlich eingeweiht. Im gleichen Jahr wurden auch vier Gruppenhäuser für das Cabrini-Haus eröffnet. 1972 fand die erste Generalsanierung des Schlosses ihren Abschluss.
In den 1970er-Jahren wächst das Cabrini-Zentrum
1974 wurde für das Cabrini-Haus die Projektgruppe „Freizeiterziehung“ gegründet: Ziel war es, den jungen Menschen nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern Teilhabe und Lebensfreude zu schenken. Der Wohnbereich gewann für das Cabrini-Zentrum immer mehr an Bedeutung: 1976 kamen vier weitere Gruppenhäuser hinzu. Gleichzeitig erweiterte auch die Schule ihr Bildungsangebot: Es entstand ein Lehrgang mit berufsorientierter Ausbildung. Im November 1976 wurde eine Frühförderstelle für Kleinkinder mit Behinderung eingerichtet. Zwei Jahre später umfasste das Sonderpädagogische Zentrum – wie man die Einrichtung mit ihren differenzierten Angeboten dann nannte – das Cabrini-Heim, das heutige Förderzentrum, damals Sonderschule, vier Gruppenhäuser und ein Personalwohnheim. 1986 kam das Kinderhaus Abensberg, der erste integrative Kindergarten in Niederbayern, als Außenstelle hinzu. Eine weitere Außenstelle entstand 1990 mit dem Sprachheilkindergarten in Mainburg.
2006 fand der Spatenstich für das Integrations- und Begegnungszentrum Cabrizio statt, das 2008 feierlich gesegnet und eröffnet wurde. Kurz darauf begann der Bau eines neuen Wohnpflegehauses: Das Sonneneck wurde nach einem Jahr eingeweiht. 2018 erfuhr die lange Tradition des Cabrini-Zentrums ihre Würdigung durch den ersten Inklusionspreis des Landkreis Kelheim.
Die KJF macht das Cabrini-Zentrum fit für die Zukunft
Auch aktuell entwickelt sich das Cabrini-Zentrum weiter: Im April 2026 fand der Spatenstich für ein Wohnheim mit 24 Wohnplätzen in Rohr statt. Am Hauptstandort in Offenstetten wurden acht Häuser innen saniert, die Außensanierungen beginnen noch 2026, ebenso der Neubau der Schule. Dafür sind inklusive aller Vorarbeiten sechs Jahre Bauzeit eingeplant. Schon abgeschlossen sind notwendige Reparaturarbeiten an der Fassade des Schlosses.
Die acht Jahrzehnte währende Erfolgsgeschichte des Cabrini-Zentrums wäre ohne den aufopfernden Einsatz der Kreuzschwestern nicht möglich gewesen. Ende Juli 2026 nehmen die letzten drei Schwestern Abschied und verlassen die Einrichtung. Konventoberin Sr. Sieglinde Gabriel war 43 Jahre im Cabrini-Zentrum tätig, 30 Jahre lang in leitender Funktion: „Es war durchaus eine fordernde Zeit, aber vor allem war es erfüllend, hier leben und arbeiten zu dürfen. Gemeinsam haben wir etwa 2.000 Menschen beim Sprung in ein selbstbestimmtes Leben begleitet. Dabei haben wir auch aus der Dorfgemeinschaft Offenstetten Unterstützung erfahren.“ Sie hat auch einen Wunsch für die Zukunft des Cabrini-Zentrums: „Arbeitet zusammen, denn das ist gut, aber haltet auch zusammen, denn das ist noch besser.“
Das Zusammenspiel aus Erziehung, Bildung und Förderung hat sich bewährt
MdL Petra Högl würdigte das Cabrini-Zentrum in ihrem Grußwort: „80 Jahre Cabrini-Zentrum bedeuten 80 Jahre Einsatz für Menschen, die Unterstützung, Förderung und Geborgenheit brauchen. Die Geschichte des Hauses ist untrennbar mit dem segensreichen Wirken der Kreuzschwestern verbunden, welches das Cabrini-Zentrum bis heute prägt. Für die Region ist das Cabrini-Zentrum ein Ort der Menschlichkeit, der Hoffnung und des gelebten Miteinanders.“ Auch Landrat Christian Nerb gratulierte zum Jubiläum: „Das Cabrini-Zentrum Offenstetten bietet die bestmögliche Förderung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Unterstützungsbedarf. Besonders das Zusammenspiel von Erziehung, Bildung, gezielter Förderung sowie Freizeitgestaltung ist einmalig an diesem Standort im Landkreis Kelheim. Dabei steht immer der Mensch mit seinen individuellen Fähigkeiten und Möglichkeiten im Mittelpunkt. Ein Konzept, das sich in den vergangenen 80 Jahren nachhaltig bewährt hat, und das auch mich vollends überzeugt.“
Bürgermeister Dr. Bernhard Resch, der das Cabrini-Zentrum 13 Jahr lang leitete, betonte seine Verbundenheit mit der Einrichtung: „Ich danke der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg für ihr großartiges Tun: Sie prägt ganz entscheidend das Sozialwesen unserer Stadt und ist mit über 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in Abensberg – insbesondere mit dem Cabrini-Zentrum im Ortsteil Offenstetten. Mein besonderer Gruß gilt den Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz, die die Einrichtung aufbauten und ihr über acht Jahrzehnte hinweg eine Seele gaben.“
In seinem Festvortrag zeichnete Professor Dr. Wolfgang Dworschak die Entwicklungen in der Behindertenhilfe seit der Gründung des Cabrini-Hauses im Jahr 1946 nach. Dabei ging er zunächst auf die sich wandelnden Bezeichnungen für Menschen mit geistiger Behinderung ein: „Die wechselnden Begriffe stehen zugleich für eine sich wandelnde Sicht auf Menschen mit Behinderung, was sich auch in, zum Teil gesetzlich verankerten, Leitvorstellungen für die pädagogische Arbeit zeigt.“ An der Entwicklung des Förderzentrums für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung machte Dworschak das beispielhaft deutlich, bevor er mit aktuellen Fragestellungen und Herausforderungen für die Zukunft den Festvortrag schloss.
Text: Sebastian Schmid