null 50 Jahre Pater-Rupert-Mayer-Zentrum

Seit 50 Jahren steht das Pater-Rupert-Mayer-Zentrum der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg (KJF) e. V. für gelebte Teilhabe, individuelle Förderung und einen ganzheitlichen Blick auf den Menschen. Es hat sich zu einer zentralen Einrichtung der Eingliederungshilfe in der Region entwickelt.

Domkapitular Michael Dreßel, der Vorsitzende der KJF, ging auf Pater Rupert Mayer, den Namenspatron des Förderzentrums ein. (Foto: Sebastian Schmid)

Domkapitular Michael Dreßel, der Vorsitzende der KJF, eröffnete die Feier zum 50. Jubiläum mit einem Gottesdienst. Dabei ging er auf den Namensgeber des Förderzentrums ein: „Sein Name ist Programm: Der selige Pater Rupert Mayer war berühmt für seinen lebenslangen Einsatz für Arme, Benachteiligte und Bedürftige. Während der Nazi-Terrorherrschaft stand er felsenfest und unerschütterlich ein für Wert und Würde jedes Menschen. Diese Haltung, die im christlichen Menschenbild wurzelt, ist seit 50 Jahren auch das Fundament für die Arbeit zahlloser Frauen und Männer im PRMZ. Fachlich bestens aufgestellt, hoch engagiert, kreativ und mit dem Herz am rechten Fleck leisten sie seit fünf Jahrzehnten Großartiges für Kinder und Jugendliche und damit auch einen wichtigen Beitrag für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt und sozialen Frieden. Dafür kann man nicht genug danken!“

 

Ein Jubiläum voller Energie und Lebensfreude

„Es ist gute Tradition in der KJF, ein Jubiläum gemeinsam zu feiern: Ich bin stolz darauf, wie es der Einrichtungsfamilie gelingt, zu diesem besonderen Jubiläum alle einzubeziehen und mitzunehmen. Beim Theaterabend der Kinder zum Jubiläum  haben wir vor kurzem im Aurelium Lappersdorf die Energie und Lebensfreude der Kinder und Jugendlichen gefühlt und der gemeinsame Gottesdienst mit unserem Vorsitzenden vergangenen Mittwoch hat an einen kleinen Katholikentag erinnert“, sagte KJF-Direktor Michael Eibl.

KJF-Direktor Michael Eibl dankte den Netzwerkpartnern und Unterstützern, die zur Erfolgsgeschichte Pater-Rupert-Mayer-Zentrum beitragen. (Foto: Sebastian Schmid)

„Ich danke allen Netzwerkpartnern und Unterstützern, die eng an unserer Seite stehen. Gerade in Zeiten, in denen politische Entscheidungsträger über Leistungskürzungen nachdenken, ist dies von unschätzbarem Wert.“ Michael Eibl hob einen besonderen Meilenstein in der Geschichte des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums hervor: die Eröffnung der Kurzzeitpflege Hummelchen: „Dies war ein lange gehegter Wunsch, denn in vielen Gesprächen mit Eltern habe ich gespürt, wie wichtig diese Kurzzeitpflegeeinrichtung ist. Damit haben wir eine Lücke in der sozialen Infrastruktur unserer Region geschlossen. Mein besonderer Dank gilt dem jungen und engagierten Team, das diese wichtige Aufgabe übernimmt, sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die jeden Tag großartige Arbeit leisten.“

 

Im Mittelpunkt stehen die jungen Menschen – mit ihren Stärken  

Das Pater-Rupert-Mayer-Zentrum (PRMZ) ist ein Förderzentrum für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Spezialisierte Fachkräfte aus verschiedenen Disziplinen unterstützen deren motorische, körperliche und psychosoziale Entwicklung. Diese Arbeit ist von herausragender Bedeutung – für die jungen Menschen selbst, für ihre Familien und für die Gesellschaft insgesamt. Es entstehen nicht nur Bildungswege, sondern Lebensperspektiven. Im Mittelpunkt steht immer der einzelne Mensch, nicht mit seinen Defiziten, sondern mit seinen Stärken, Bedürfnissen und Entwicklungsmöglichkeiten. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche so zu begleiten, dass sie ihren eigenen Weg möglichst selbstbestimmt gehen können. Gleichzeitig wachsen die Herausforderungen: Der Bedarf der Kinder und Jugendlichen wird vielfältiger und intensiver – finanzielle und strukturelle Spielräume zunehmend enger.

Gesamtleiterin Gerlinde Dubb schlug den Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums. (Foto: Sebastian Schmid)

„Das Jubiläum ist daher nicht nur Anlass zum Rückblick, sondern auch ein Auftrag für die Zukunft“, sagte Gesamtleiterin Gerlinde Dubb. „Das Pater-Rupert-Mayer-Zentrum wird weiterhin ein Ort sein, an dem Kinder und Jugendliche sich angenommen fühlen, ihre Fähigkeiten entdecken und ihre Persönlichkeit entfalten können – und damit ein unverzichtbarer Baustein für eine inklusive Gesellschaft. Gleichzeitig wissen wir: Inklusion ist kein Zustand, den man erreicht und abhakt. Sie ist ein – zugegeben – sehr langwieriger Prozess, in dem wir gerade mal die ersten Schritte gemacht haben. Ein tägliches Ringen um Teilhabe, um Barrierefreiheit – nicht nur baulich, sondern auch in den Köpfen.“

 

Eine gute Zukunft für unzählige junge Menschen

Bezirkstagspräsident Franz Löffler lobte in seinem Grußwort die pädagogische Arbeit, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums seit fünf Jahrzehnten leisten: „Ich bin begeistert: Sie vertrauen auf die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die jedes Kind und jeder heranwachsende junge Mensch mitbringt. Auf vielen Wegen werden diese gemeinsam gefördert, um bestmögliche Chancen für die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu schaffen.“ Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger gratulierte der Einrichtung zum runden Jubiläum und wünschte alles Gute für die Zukunft: „Regensburg ist eine Stadt für alle, in der jeder seinen Platz finden soll, egal ob mit oder ohne Behinderung. Das Pater-Rupert-Mayer-Zentrum hat bereits unzähligen jungen Menschen eine gute Zukunft ermöglicht. Es macht das Zusammenleben in unserer Stadt reicher – und das seit 50 Jahren. Herzlichen Dank im Namen der Stadt Regensburg und ganz persönlich an alle, die dazu beitragen.“

von links: Gerlinde Dubb (Gesamtleiterin des PRMZ), Michael Eibl (Direktor der KJF), Franz Löffler (Bezirkstagspräsident), Dagmar Dengel (2. stellvertretende Vorsitzende der KJF), Dr. Thomas Burger (Oberbürgermeister), Domkapitular Michael Dreßel (Vorsitzender der KJF), Tanja Schweiger (Landrätin), Klaus Gößl (Ministerialrat), Reinhard Mehringer (ehemaliger Leiter des PRMZ) (Foto: Sebastian Schmid)

Landrätin Tanja Schweiger blickte „dankbar“ zurück auf die segensreiche Entwicklung des PRMZ: „Aus einem kleinen Projekt ist ein anerkanntes und geschätztes Förderzentrum gewachsen, das für gelebte Menschlichkeit, individuelle Förderung und Inklusion steht. Hier werden junge Menschen auf ihrem Lebensweg begleitet, gestärkt und mit Respekt gesehen. Mein Dank gilt allen, die diese wertvolle Arbeit mit Fachlichkeit, Geduld, Engagement und großem Herzen möglich machen.“

Ministerialrat Klaus Gößl überbrachte die Grüße und Glückwünsche zum Jubiläum von Staatsministerin Anna Stolz. Gößl würdigte das Pater-Rupert-Mayer-Zentrum als „zentralen Bestandteil“ in der Entwicklung des Förderschulwesens in Bayern: „Es ist ein Leuchtturm für gelebte Schulkultur. Gute Schule bedeutet hier: junge Menschen stark zu machen, ihr Leben und ihre Zukunft selbstbestimmt zu gestalten. Das leisten Sie – Tag für Tag, Jahr für Jahr!“

 

Anspruchsvoller Fachvortrag, mitreißende Musik und inklusive Comedy

Professor Dr. Wolfgang Dworschak, Leiter des Lehrstuhls für Pädagogik bei geistiger Behinderung einschließlich inklusiver Pädagogik an der Universität Regensburg, hob die vielfältigen Angebote des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums in Unterricht und Therapie hervor. Sie ermöglichen es Kindern und Jugendlichen, auf der Grundlage sechs verschiedener Lehrpläne zu lernen und unterschiedliche Abschlüsse zu erwerben. „Unter Berücksichtigung der stetig steigenden Schülerzahl, die im Rahmen des Mobilen Sonderpädagogischen Dienstes in der Inklusion unterstützt wird, zeichnet sich das Pater-Rupert-Mayer-Zentrum als Kompetenzzentrum für Sonderpädagogik und Inklusion aus. Angesichts des aktuellen Lehrkräftemangels und der angespannten Haushaltslage gilt es, die Qualität der sonderpädagogischen Förderung nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern auch weiterzuentwickeln“, verdeutlichte Dr. Dworschak.

Das Rap-Duo Flowin K Rollin & Sick Snse sorgte für Begeisterung im Publikum. (Foto: Sebastian Schmid)

Zwischendurch wurde aus auch musikalisch: Die Schülerband des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums spielte den Respect-Song und einen für den Anlass geschriebenen Geburtstagssong – dafür gab es großen Applaus. „Ich bin aufgewacht und lebe meinen Traum“ hieß es beim Rap-Duo Flowin K Rollin & Sick Snse – alias Niklas Setzer und Kevin Siemers. Die Gäste waren begeistert vom Auftritt der beiden.

In einer Diskussionsrunde – moderiert von Corinna Kutscher, der Schulleiterin des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums – richteten Schülerinnen und Schüler Fragen an zwei Expertinnen: Dr. Marje Mülder, Leiterin der Sozialverwaltung des Bezirks Oberpfalz, und Christina Bergmann stellvertretende Leiterin des Sachgebiets Förderschulen. Beide betonten, dass es auch in Zukunft individuelle und hochwertige Förderung für die Kinder und Jugendlichen geben werde. Als Vertreterin der Eltern wies Tanja Müller darauf hin, wie wichtig die Therapieangebote des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums sind: „Es ist für uns als Eltern von unschätzbarem Wert, dass die Therapien direkt in der Einrichtung stattfinden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen unsere Kinder sehr gut. So können wir gemeinsam klare und realistische Ziele setzen, die sich an den Möglichkeiten jedes einzelnen Kindes orientieren.“

Den Abschluss des Festakts bildete Comedian und Schauspieler Tan Caglar: Mit Auszügen aus seinem Programm Der Teufel trägt Rollstuhl überzeugte er das Publikum. Völlig unbefangen thematisierte der ehemalige Basketballprofi seien Behinderung und rollte Barrieren in den Köpfen einfach beiseite – inklusive Stand-up Comedy, bei der nicht nur die Gags sitzen.

 

Meilensteine aus der Geschichte des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums

Zum Schuljahr 1975/76 gründet die KJF eine private Sondervolksschule für Körperbehinderte mit vier Klassen und zwei SVE-Gruppen auf dem Gelände der Bischof-Wittmann-Schule. 1979 nimmt im September die erste Internatsgruppe in der Boessnerstraße ihren Betrieb auf. 1980 erfolgt die Grundsteinlegung am heutigen Standort und aus der Sondervolksschule wird das Pater-Rupert-Mayer-Zentrum.

Bis September 1982 werden die neuen Klassenzimmer in der Puricellistraße bezogen. Dort wird auch die Pädagogische Frühförderung untergebracht. Im Juli 1985 erscheint der erste Jahresbericht des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums: Inzwischen gibt es 19 Klassen, eine BVJ-Klasse und vier Gruppen in der Schulvorbereitenden Einrichtung. Gesamtleiter war Hartmut Plein. Im gleichen Jahr ist das PRMZ erstmals Austragungsort des Landesschulsportfests für alle Förderzentren in Bayern.

Im Mai 1987 spricht Papst Johannes Paul II.  im Münchner Olympiastadion Pater Rupert Mayer selig – einige Schüler, Mitarbeiter und Eltern aus dem Pater-Rupert-Mayer-Zentrum nehmen teil. Im Juli erreichen die ersten Schülerinnen und Schüler den Qualifizierenden Hauptschulabschluss. 1992 steht ein Neubau am Internatsgebäude an – er wird 1995 eingeweiht. 1997 übernimmt Reinhard Mehringer die Gesamtleitung des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums. Schon im gleichen Jahr wird wieder gebaut: Dieses Mal für die Frühförderstelle. Das Gebäude wird 1998 eingeweiht und heute noch „Neubau“ genannt.

Zur Jahrtausendwende stehen einige Premieren und Neuerungen an: der erste Tanzkurs im Internatssaal, die ersten Internationalen Spiele ohne Grenzen. Der SVE-Spielplatz wird eingeweiht und ein neues Qualitätsmanagement an den Start gebracht. 2001 markiert das 25. Jubiläum einen vorläufigen Höhepunkt in der Geschichte der Einrichtung mit Weihbischof Wilhelm Schraml und Prälat Dr. Josef Schweiger, dem damaligen Direktor der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg.

 

Neue Räume für Therapie und Fachdienst

In den Folgejahren steigt Zahl der Kinder und Jugendlichen, die im Pater-Rupert-Mayer-Zentrum gefördert werden: Im Gang zur Turnhalle werden neue Räume für Therapie und Fachdienst angebaut (2002) und einige Klassen werden in den Weinweg ausgelagert (2003). Dort eröffnet 2005 die Kinderkrippe Bambino zwei Gruppen und gehört von da an zum Pater-Rupert-Mayer-Zentrum. 2006 wird das 30. Jubiläum groß gefeiert, mit einem Zirkuszelt, einem Serenadenabend und einer Kunstauktion. In diesem Jahr startet auch das Kunstatelier im Internat – die Keimzelle des heutigen Ateliers Kunst inklusiv.

2008 gründet sich der Arbeitskreis Unterstützte Kommunikation (UK), die Kinderkrippe wird auf drei Gruppen erweitert und ein wissenschaftlich begleitetes Projekt zur Autismusförderung in Zusammenarbeit mit dem Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München (ISB) beginnt. 2011 fährt zum ersten Mal eine Schwimmgruppe des PRMZ nach Berlin zu „Jugend trainiert für Paralympics“. 2012 eröffnet eine Tagesstätte an der Schulvorbereitenden Einrichtung Schwabelweis und der Neubau des Kinderhauses Bambino wird bezogen – zwei Krippengruppen und zwei Kindergartengruppen entstehen zusätzlich zum Standort am Weinweg. 2013 wählen die Kinder und Jugendlichen ihr erstes Jugendparlament – es stärkt die Mitbestimmungsrechte der jungen Menschen und setzt sich für ihre Interessen ein.

2015 startet die erste offene Klasse der Grundschule des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums: Kinder mit und ohne Behinderung lernen gemeinsam. Zudem beginnt der Bau der Internatsgruppe am Hummelberg. 2017 wird das Gebäude gesegnet. 2020 übernimmt Gerlinde Dubb die Gesamtleitung des Zentrums. Mit der Corona-Pandemie steht ihr eine große Herausforderung bevor. Schulschließung, Notbetreuung und Hygienemaßnahmen verändern den Alltag grundlegen. Die Schulfamilie steht eng zusammen und bewältigt diese schwierige Zeit.

2022 bekommt die Schule des PRMZ den Titel „Schule gegen Rassismus, Schule mit Courage“ verliehen. Im Unterricht wird erstmals ein Avatar eingesetzt. 2023 wird der neu gestaltete Garten des Internats eingeweiht und 2024 eine Außenklasse in der Clermont-Ferrand-Schule gegründet. 2024 findet der Spatenstich für die Kurzzeitpflegeeinrichtung Hummelchen statt, 2025 folgt die feierliche Segnung durch Bischof Dr. Rudolf Voderholzer.

Text: Sebastian Schmid