38. Integrationsforum nimmt strukturellen Rassismus in den Blick:
null 38. Integrationsforum nimmt strukturellen Rassismus in den Blick:
Wie erleben Menschen mit Migrationsgeschichte den Kontakt zu Behörden? Welche Auswirkungen hat struktureller Rassismus im Alltag und wie können Verwaltungen diskriminierungsfrei handeln? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das 38. Integrationsforum, zu dem die Migrationsdienste von Stadt und Landkreis Regensburg eingeladen hatten. Rund 85 Teilnehmende diskutierten über Herausforderungen und Lösungsansätze für mehr Chancengerechtigkeit.
Als Referent war Professor Dr. Karim Fereidooni von der Ruhr-Universität Bochum zu Gast. Der renommierte Rassismusforscher machte deutlich, dass struktureller Rassismus tief in gesellschaftlichen und institutionellen Strukturen verankert sei. „Es reicht nicht, nicht rassistisch zu sein. Wir müssen uns jeden Tag neu dafür entscheiden antirassistisch zu sein und Rassismus verlernen. Dazu gehört auch, zu widersprechen, wenn die nette Nachbarin einen fremdenfeindlichen Witz erzählt“, so Fereidooni. „Echte Solidarität beginnt dort, wo wir die Lebensrealität anderer Menschen, die nicht unsere Lebensrealität ist, anerkennen und ernst nehmen.“ Umso wichtiger sei die Bereitschaft zur Selbstreflexion sowie die Entwicklung konkreter Maßnahmen, etwa durch Beschwerde- und Meldestellen, anonymisierte Bewerbungsverfahren oder verpflichtende Fortbildungen.
Investitionen in Integration sind langfristig Sparmaßnahmen
In einer Podiumsdiskussion berichteten Fachkräfte und Betroffene von ihren Erfahrungen. Rosy Lucia Magallanes Medina, Migrationsberaterin bei der Caritas, schilderte, dass diskriminierende Äußerungen gegenüber Klientinnen und Klienten immer wieder vorkämen. Dawit Getaneh von Campus Asyl und Mitglied des Integrationsbeirats Regensburg betonte die wichtige Rolle von Beratungsstellen, da viele Betroffene aufgrund bestehender Abhängigkeiten Probleme nicht offen ansprechen würden. Mitra Sharifi-Neystanak, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns und anwesend für die Landesarbeitsgemeinschaft Antidiskriminierung Bayern, unterstrich die gesellschaftliche Bedeutung eines konsequenten Engagements gegen Diskriminierung. Prävention und Sensibilisierung seien wichtige Voraussetzungen für ein respektvolles Zusammenleben: „Investitionen in Integration sind langfristig Sparmaßnahmen, denn sie verhindern zukünftige Kosten.“
Diskriminierung ist keine Randerscheinung
Zum Abschluss dankte Regensburgs Oberbürgermeister Thomas Burger für die Impulse der Veranstaltung und bekräftigte das Ziel, Antidiskriminierung weiterhin aktiv in der Verwaltung zu verankern. Mit der Einrichtung einer Antidiskriminierungsstelle habe Regensburg bereits wichtige Schritte unternommen. „Wir haben heute unser Bewusstsein für ein Thema geschärft, das allzu oft im Verborgenen bleibt, obwohl Diskriminierung und Rassismus keine Randerscheinungen sind“, so Dr. Thomas Burger. „Regensburg – Stadt und Landkreis zusammen – ist eine vielfältige Region. Das ist eine Bereicherung! Aus meiner beruflichen Erfahrung in einem international tätigen Unternehmen weiß ich: Wenn wir geschickt die verschiedenen Perspektiven kombinieren, bringt uns das gemeinsam nach vorne.“
Anja Arndt-Grundei, Leiterin des Referats Migration und Integration der KJF Regensburg, und Nika Krausnick, Leiterin des Referats Migration und Integration der Caritas Regensburg, zogen ein positives Fazit des Integrationsforums: „Uns war wichtig, dieses Thema in das große Forum zu bringen. Zu benennen und anzuerkennen, wie allgegenwärtig Rassismus und Diskriminierung sind – nicht nur in Behörden, bei der Wohnungssuche, in der Schule – in nahezu allen Lebensbereichen. Dr. Fereidooni ist es gelungen den Gästen viele Impulse für die weitere Beschäftigung in der eigenen Institution mit auf den Weg zu geben. Es war eine sehr gelungene Veranstaltung und wir werden weiter am Thema arbeiten.“
Besonders wertvoll: Konkrete Ansätze für Veränderungen
Auch Catharina Schaetz, Referentin für Integrationsförderung der KJF Regensburg, empfand die Veranstaltung als Bereicherung: „Besonders wertvoll waren die konkreten Ansätze für Veränderung: Betroffenen zuzuhören und ihre Erfahrungen ernst zu nehmen, die eigene Haltung zu reflektieren und nicht wegzuschauen. Darüber hinaus wurden Maßnahmen wie eine bewusst diverse Außendarstellung, neue Wege der Ansprache und Akquise sowie Mentorenprogramme und kultursensibles Onboarding als wichtige Instrumente genannt, um Offenheit und Chancengerechtigkeit in Organisationen zu stärken.“
Organisiert wird das Integrationsforum für Stadt und Landkreis Regensburg von den Migrationsfachdiensten: Jugendmigrationsdienst der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg (KJF) e. V., Jugendmigrationsdienst der Jugendwerkstatt Regensburg e. V., Referat Migration/Integration der Caritas Regensburg, Migrationsberatung der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e. V., Amt für Integration und Migration der Stadt Regensburg, Integrationsmanagement im Landkreis Regensburg sowie Flüchtlings- und Integrationsberatung – Christlicher Verein Junger Menschen Regensburg e. V.
Text: Sebastian Schmid