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Inklusion braucht Fachkräfte!

Bildungsoffensive für Heilerziehungspflege gefordert!

Im Blickpunkt vieler Initiativen für Fachkräfte in der sozialen Arbeit sind sehr häufig Erzieherinnen und Erzieher sowie Pflegekräfte. Das ist wichtig, schließlich bestehen in den Kindertagesstätten, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen große Lücken in der Personalversorgung. Nicht hinnehmbar ist allerdings, dass andere Berufsgruppen völlig vernachlässigt, in der Ausbildung sogar benachteiligt werden. Während in den politischen Erklärungen viel von Inklusion zu hören ist, wird zum Beispiel die Heilerziehungspflege völlig an den Rand gedrängt.

Der Ausbildungsberuf Heilerziehungspflege ist für die Betreuung und Begleitung von Menschen mit Behinderungen von großer Bedeutung. 2018 waren in Bayern 1,9 Mio. Menschen als behindert anerkannt, davon 1,2 Mio. als schwerbehindert. Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspfleger sind in inklusiven Einrichtungen, aber auch in der Erziehungshilfe unverzichtbar! In Bayern gibt es allein in den stationären Einrichtungen der Erziehungshilfe und der Jugendsozialarbeit von katholischen Trägern über 9.000 Plätze. In den Einrichtungen der Erziehungshilfe werden die Heilerziehungspfleger von manchen Heimaufsichten nicht als vollwertige Fachkräfte anerkannt. Dabei ist der Heilerziehungspfleger durch seinen starken Praxisbezug in der Ausbildung und seine heilpädagogische Ausrichtung eine ideale Ausbildung für Fachkräfte, die für und mit Menschen mit Behinderung arbeiten oder mit Jugendlichen mit Verhaltensschwierigkeiten oder psychischen Auffälligkeiten.

Die Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin war in der Vergangenheit immer eine hochattraktive berufliche Alternative für Menschen, die einen anderen Beruf hatten, und nun aus Überzeugung in den Sozialbereich wechseln wollen. Es muss dringend an den Rahmenbedingungen gearbeitet werden, damit dieser Beruf wieder an Attraktivität gewinnt. Heilerziehungspfleger, Erzieher und andere wichtige soziale Berufe werden aber auch in Einrichtungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen dringend benötigt. Hier wird die einseitige politische Konzentration auf Kindertagesstätten und Pflegeeinrichtungen den Fachkräftemangel verschärfen. Es ist bedrückend zu konstatieren: die notwendigen Personalverbesserungen in der Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Menschen scheinen immer mehr zu Lasten von behinderten Menschen und zu Lasten von Kindern und Jugendlichen in dramatischen Familiensituationen zu gehen.

Schülerinnen und Schüler des für die Eingliederungshilfe wichtigsten Ausbildungsberufes, dem Heilerziehungspfleger, erhalten in der Regel nur eine geringe oder überhaupt keine Vergütung während ihrer meist dreijährigen Ausbildung, weil sie nicht durch die Kostenträger refinanziert werden. Die Katholische Jugendfürsorge in Regensburg zahlt in ihrer Fachschule für Heilerziehungspflege in Abensberg aus Eigenmitteln im ersten Ausbildungsjahr 350 Euro im zweiten Jahr 450 Euro.

Die Katholische Jugendfürsorge nutzt das 40-jährige Jubiläum der Fachschule für Heilerziehungspflege in Abensberg, um auf diese schwierige Situation aufmerksam zu machen. Die Fachschule für Heilerziehungspflege in Abensberg hat in dieser Zeit 800 Fachkräfte ausgebildet.

Weitere Informationen: http://www.hep-abensberg.de/

Text: Michael Eibl