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Inklusion auf leisen Pfoten

„Ein vorbildlicher Ort der Inklusion" sei Lappersdorf, meint Christine Ohlemacher-Fehrmann, Tagesstättenleiterin der Bischof-Wittmann-Schule (Förderzentrum, Förderschwerpunkt geistige Entwicklung) der Katholischen Jugendfürsorge mit Blick auf die Mittelschule in Lappersdorf. Dort, aber auch in anderen Bereichen des gemeindlichen Lebens werde seit vielen Jahren Inklusion gelebt. Die Lappersdorferin kennt die Bemühungen der Marktgemeinde und erlebt, wie Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam in der Schule, im Vereinsleben, in den Bereichen Wohnen, Arbeit und Beschäftigung lernen, arbeiten und leben.

Kinder strecken Hände empor - inklusives Tanzprojekt

Inklusives Tanzprojekt der Bischof-Wittmann-Schule und der Mittelschule Lappersdorf.

Die Mittelschule beherbergte in den letzten Schuljahren eine Partnerklasse der BWS. Beider Ziel: gemeinsamer Unterricht für die Kinder der Regelschule und des Förderzentrums. Eine besondere Freude ist es für Christine Ohlemacher-Fehrmann, dass für die Schülerinnen und Schüler das Zusatzangebot der Heilpädagogischen Tagesstätte möglich wurde. Bei der Rektorin Maria Kehrer-Leierseder sei man von Anfang an auf offene Ohren gestoßen, dieses Anliegen unbürokratisch umzusetzen.

Doch die Geschichte der Partnerklasse reicht lange zurück.

Christine Ohlemacher-Fehrmann "Entstanden ist unsere Kooperation bereits 2005, als wir für eine Außenklasse, wie es damals noch hieß, eine neue Heimat suchten. Es war nicht leicht, eine Mittelschule zu finden, die unsere Außenklasse integrieren wollte. Aber bereits die damalige Rektorin Ursula Geier nahm die Schülerinnen und Schüler aus der Bischof-Wittmann-Schule gerne auf. Das wurde erst gar nicht zum Politikum."

Christine Ohlemacher-Fehrmann
Tagesstättenleiterin, Bischof-Wittmann-Schule

Alle hätten an einem Strang gezogen: das Lehrerkollegium, die Marktgemeinde und die Katholische Jugendfürsorge als Einrichtungsträger der BWS. Für ihre Bemühungen zeichnete das Kultusministerium die frühere Rektorin Ursula Geier 2010 aus.

„Wir machen das gemeinsam."

Dieses Motto hat für die Kinder mit und ohne Behinderung an der Mittelschule mittlerweile eine lange Tradition und „es geschieht unaufgeregt im Unterricht wie auch im gesamten Schulleben", sagt Maria Kehrer-Leierseder. Wann immer es sich anbietet, arbeiten die Schülerinnen und Schüler zusammen. „Das entwickelt sich wie von selbst aus dem Lernstoff oder aus den organisatorischen Möglichkeiten", beschreibt die Rektorin das Zusammenspiel. Besonders positiv, so Kehrer-Leierseder sei die enge Kooperation der Lehrkräfte beider Schulen und mit dem Fachpersonal der Offenen Ganztagsschule, die von der EJSA (Evangelische Jugendsozialarbeit) betrieben wird. Alle Beteiligten bemühten sich darum, möglichst vieles gemeinsam zu machen. „Im nächsten Schuljahr wollen wir das noch weiter intensivieren", berichtet Regina Götz, Klassleiterin der Partnerklasse des Förderzentrums. „Wir haben ein Musical aufgeführt, arbeiten im Kunst- und Sportunterricht zusammen und haben auch ein inklusives Tanzprojekt mit dem Tanzpädagogen Wolfgang Maas angeboten, an dem sich die Schülerinnen und Schüler beider Schulen begeistert beteiligten."

Zwei Partnerklassen mit heilpädagogischer Tagesstätte und eine weitere dritte Tagesstättengruppe der Bischof-Wittmann-Schule werden ab September 2012 an der Mittelschule Lappersdorf aufgenommen.

Maria Kehrer-Leierseder"Es gibt nie Stillstand, wir müssen nicht anschieben und das gemeinsame Lernen läuft mit großer Selbstverständlichkeit."

Maria Kehrer-Leierseder
Rektorin der Grundschule Kareth und der Mittelschule Lappersdorf

 Wichtig ist der Rektorin die Weiterbildung ihrer Lehrkräfte: „Sie brauchen die intensive Unterstützung der Fachleute aus dem Förderzentrum." So habe Regina Götz bereits eine Fortbildung für die Kolleginnen und Kollegen der Regelschule angeboten. Inklusion geschehe auf vielen Wegen, meint Kehrer-Leierseder abschließend. „Für manche Schüler ist die Partnerklasse der richtige Weg, andere brauchen den geschützten Rahmen des Förderzentrums."

Auch die Schulleiterin der Grundschule Hainsacker, Christine Baier-Denk, war gerne bereit, im September 2012 eine 1. Klasse der Bischof-Wittmann-Schule aufzunehmen. Der Hort der Gemeinde unterstützt ohne Vorbehalte und mit vielen guten Ideen das Miteinander der Kinder.

Das Rad nicht neu erfinden

Lappersdorfs Bürgermeister Erich Dollinger ist es wichtig, das gemeindliche Leben in allen seinen Facetten für Menschen mit und ohne Behinderung zu gestalten. „Seit 30 Jahren haben wir das in der Jugendarbeit und im Vereinsleben praktiziert", berichtet er. Als Geburtshelfer in Sachen Inklusion bezeichnet er die Lebenshilfe in Lappersdorf. Das gemeinsame Gestalten und miteinander Leben und Arbeiten habe eine lange Tradition. Dass die Bischof-Wittmann-Schule mittlerweile Stammgast in Lappersdorf ist, freut ihn besonders. Zum Stichwort Inklusion muss Dollinger nicht lange überlegen, denn in Lappersdorf „spricht man nicht davon, man lebt sie." Die Freiwillige Feuerwehr etwa wurde 2011 mit dem Preis für Inklusion ausgezeichnet, der Sportverein TSV Kareth-Lappersdorf beschäftigt in Kooperation mit der Marktverwaltung einen Gartenwerker mit Behinderung. Auch dem Jugendpfleger Rudi Reichenberger mangele es nicht an Ideen, um Angebote für behinderte und nicht behinderte Kinder und Jugendliche gleichermaßen zu entwickeln. Der Integrationskindergarten, 300 Arbeitsplätze für Beschäftigte mit Behinderung in der Marktgemeinde und, so wünscht es sich Dollinger, in Zukunft noch mehr Wohnangebote für Menschen mit Behinderung, sind weitere gute Beispiele für gelebte Inklusion. Ja, in Lappersdorf „müssen wir das Rad nicht neu erfinden", meint Dollinger. In der Gemeindepolitik will er sich bewusst den Anforderungen stellen, die eine zunehmende Anzahl älterer behinderter Menschen mit sich bringt. „Ihre Eltern haben nicht mehr die Kraft, sie zu betreuen. Unsere Verantwortung ist es, ihnen in gewohnter Umgebung ihren Lebensabend zu ermöglichen."

Erich Dollinger"Wir haben alle Bürgerinnen und Bürgerinnen im Blick, wir übersehen keinen. Dafür mache ich gerne ein Kompliment an unsere Bürgerschaft, denn Inklusion ist zu einem großen Teil ihr Verdienst."

Erich Dollinger
Bürgermeister von Lappersdorf

 

 

 

 

Christine Ohlemacher-Fehrmann bringt es in Sachen Inklusion auf den Punkt: „In Lappersdorf ist man sensibel für das Thema Behinderung. Vieles läuft schon inklusiv weit über den Bildungsbereich hinaus. Denn es geht ja nicht nur darum unsere Kinder und Jugendlichen schulisch zu integrieren, sondern auch in Sport, Freizeit, im Vereinsleben und in der Pfarrei. Ich finde das toll – das ist einfach so gewachsen."

Text: Christine Allgeyer