Kloster und KJF ermöglichen inklusives Wohnen

Domkapitular Dr. Roland Batz segnet Haus St. Gertrud im Mühlenviertel der Zisterzienserinnenabtei - Waldsassen

Es ist das Fest der Heiligen Gertrud von Helfta, das Äbtissin Laetitia Fech für die Segensfeier von Haus Gertrud ausgesucht hat. Ein weiteres Schmuckstück im Ensemble des generalsanierten Klosters glänzt. Und was Michael Eibl, Direktor der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e. V. (KJF) besonders freut, ist, dass dort Menschen mit und ohne Behinderung wohnen und leben werden. Die KJF ist die künftige Betreiberin und Mieterin von Haus Gertrud und stellt dort die Wohnungen bereit.

Äbtissin Laetitia Fech (li) und Mitschwestern, KJF-Direktor Michael Eibl (2.v.re.) und Bezirkstagspräsident Franz Löffler (rechts)

Der Vorsitzende der Katholischen Jugendfürsorge, Domkapitular Dr. Roland Batz, war gerne nach Waldsassen gekommen. Er segnete die Räume und Kreuze in Haus St. Gertrud. „Es ist ein großes Anliegen der KJF, Menschen Heimat zu bieten. Und das ist uns gemeinsam mit dem Schwesternkonvent gelungen. Dass in dieser Einrichtung gegenseitig Achtung und Wertschätzung erlebt werden kann, dafür erbitten wir Gottes Segen", so Domkapitular Dr. Batz. Bezirkstagspräsident Franz Löffler und Waldsassens 1. Bürgermeister Bernd Sommer zeigten sich begeistert vom Ergebnis der Anstrengungen, die vor über 10 Jahren am Runden Tisch begonnen hatten. Das Kloster, allen voran seine Äbtissin, habe unermüdlich und findig gemeinsam mit der KJF eine hervorragende Lösung für das Gebäude gefunden. Dass hier der Gedanke der Inklusion verwirklicht wird, verdiene große Anerkennung.

Über 10 Jahre hat es also gedauert von den Planungen bis zur Fertigstellung des denkmalgeschützten Gebäudes, das jetzt barrierefrei saniert wurde. Äbtissin Laetitia Fech dankte ihrerseits dem Sozialministerium, dem Bezirk, der Regierung mit der Kommune, dem BLFD und Kultusministerium/ Entschädigungsfond für die Zuschüsse. In das Gesamtprojekt investierte das Kloster 11,8 Mio. Euro, davon 2,38 Mio. Euro Eigenkapital. Welch ein Glück, dass Aktion Mensch, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Bayerische Landesstiftung und die Diözese bei der Stärkung der Eigenmittel, die Abtei unterstützten. Über die künftigen Mieteinnahmen, unter anderem von der KJF, will die Äbtissin die verbliebene 1 Mio. Euro an Investitionen innerhalb von 10 Jahren refinanzieren.

Das Wohnangebot der KJF in Haus St. Gertrud

„Die Teilhabe und die Lebensqualität für die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner liegen uns am Herzen", sagt KJF-Direktor Michael Eibl. Er dankte der Äbtissin für die gute Zusammenarbeit und will diese fortführen. Die Aussicht sind gemeinsame Feste und Feiern, ein Miteinander, ein neuer Geist und Leben in den alten Mauern, die z. Teil länger als 50 Jahre leer standen. Das „Haus St. Gertrud" bietet 14 Plätze auf 2 Stockwerken für Menschen mit Einschränkungen ab 18 Jahren an. Im Erdgeschoß sind die Verwaltung, Therapie- und Besprechungsräume, die Werkstatt des Hausmeisters und Lagerräume untergebracht. Im ersten Stockwerk befinden sich 8 rollstuhlgerechte Einzelzimmer mit Nasszelle, ein Pflegebad, sowie ein großer Gemeinschaftsraum mit integrierter Küche, Essbereich und Wohn-Lounge. Im zweiten Stockwerk befinden sich 6 Einzelzimmer mit Nasszelle, ebenfalls ein großer Gemeinschaftsraum mit integrierter Küche und einem Essbereich. Es gibt einen Chill-out-Raum und natürlich ist jedes der 14 Zimmern mit Internet-, Festnetz-, und TV-Anschluss ausgestattet.

Die Einrichtungsleiterin der Wohngemeinschaften St. Benedikt in Mitterteich, Elke Bauer, ist auch für das Wohnangebot in Waldsassen zuständig. Sie nennt es „großzügiges Wohnen in Historischem Ambiente". Die Herausforderung sei gewesen, die Vorgaben des Denkmalschutzes, die Auflagen des Pflege-Wohn-Qualitätsgesetzes und die Vorstellungen der KJF und auch des Klosters unter einen Hut zu bringen. Es sei hervorragend geglückt und ein derart großzügiges Wohnangebot fast in der Natur und trotzdem in Stadtnähe wäre andernorts kaum denkbar. Den Mietern wünscht sie einen ganz tollen, aufregenden und neuen Lebensabschnitt in einer eigenen Wohnung, mit der Möglichkeit sich weiter zu entwickeln, Menschen kennenzulernen, neue Freunde zu finden und ihr Leben so zu leben, wie sie es sich wünschen.

Text: Christine Allgeyer
Bild: Schwester M. Sophia