Katholische Laien im Gespräch mit Innenminister Joachim Herrmann

Ein kritischer Austausch über Flüchtlingspolitik und Demokratie

Von Barbara Just (KNA)

Das oberste Laiengremium der Katholiken in Bayern hatte eingeladen, und Joachim Herrmann (CSU) kam. Der Innenminister nahm sich am späten Mittwochnachmittag in München gut zwei Stunden Zeit, um mit Vertretern der Kirche über die Integration von Flüchtlingen und den Um-gang mit Rechtspopulismus zu sprechen. Vertreter aus der Praxis konnten ihre Erfahrungen loswerden, während der Gast nach einem Eingangsstatement geduldig zuhörte, Anregungen aufnahm und natürlich auch seine Einschätzung kundtat.

Dass ein sachlicher, effektiver Austausch wenigstens in diesem Rahmen noch möglich ist, dafür darf man dieser Tage angesichts zunehmend polarisierter Debatten, besonders auch in den "sozialen Netzwerken", dankbar sein. Denn verhärtete Positionen und die Tendenz, einander gegenseitig keine Aufmerksamkeit schenken zu wollen, weil die Fronten eh schon klar seien, nähmen zu. Das berichtete Siegfried Grillmeyer vom Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg und fügte hinzu, dass Diskussionsveranstaltungen a la "Jetzt red i" zu bestimmten Themen genau deshalb immer schwieriger würden. An seine Einrichtung und die Stiftung Bildungszentrum in Freising ist seit 2018 das von den bayerischen Bischöfen gegründete Kompetenzzentrum Demokratie und Menschenwürde angegliedert. Dessen Mitarbeiter gehen in Pfarreien und Gremien und klären über rechtsextreme, rassistische und menschenverachtende Tendenzen auf. Vor allem wollen sie Christen mit Argumenten fit gegen solche Entwicklungen machen. Doch die Brüche gehen mittlerweile sogar durch Pfarrgemeinderäte, wie Grillmeyer festgestellt hat. Dabei ist der Freistaat nach wie vor ein Land, in dem eine Mehrheit der Bürger den großen Kirchen und somit dem christlichen Weltbild verbunden sind. Anders sieht es in den östlichen Bundesländern aus. Laut Herrmann gibt es europaweit keine einzige Region, wo der Anteil der Einwohner, die Mitglied einer Kirche sind, derart gering ausfällt wie auf dem Gebiet der einstigen DDR. Daran habe sich auch seit dem Mauerfall vor 30 Jahren nichts geändert.

Demokratieerziehung ist also gefragt, so der Tenor der versammelten Runde; für die Deutschen wie für jene, die in den vergangenen Jahren als Flüchtlinge ins Land kamen. Trotz aller Herausforderungen, die deren Integration noch über lange Zeit mit sich bringen werde, sei viel Positives bereits passiert, so der Minister. Dies sei auch ein Verdienst der beiden Kirchen und ihrer haupt- sowie ehrenamtlichen Helfer. Die vor allem im Herbst 2015, als so viele Menschen gekommen seien, geholfen hätten, und dies teils noch immer täten. Dennoch hakt es bisweilen. Der Direktor der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg, Michael Eibl, erinnerte daran, dass beide großen Kirchen mit ihren Einrichtungen von 9.000 unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen, die in der Hochzeit gekommen seien, 6.000 betreut hätten. 80 bis 90 Prozent davon zeigten sich engagiert und seien entsprechend unterstützt worden, um beruflich Fuß fassen zu können. Doch Rückfragen von den Behördenvertretern an die Betreuer, wie diese sich entwickelt hätten, kämen nicht, wenn die entscheidende Befragung zur Aufenthaltsanerkennung stattfinde. Auch die sogenannte 3-plus-2-Regelung bei Asylsuchenden in Ausbildung, die ihnen erlaube, ihre Ausbildung zu beenden und dann noch hierzulande zwei Jahre im Beruf zu arbeiten, werde nach wie vor zu wenig verlässlich gehandhabt. Gerade dies wünschten sich aber nicht nur die Betroffenen und die Wohlfahrtsverbände, sondern das sei auch ein Anliegen der Wirtschaft. Vonseiten des Landeskomitees gab es deshalb für Herrmann auch eine 15 Punkte umfassende Note, in der die wichtigsten Anliegen von Akzeptanz der Seenotrettung über Kritik an den Ankerzentren bis hin zur Forderung nach einem modernen Einwanderungsgesetz zusammengefasst sind. Vorsitzender Joachim Unterländer, lange Jahre Streiter für soziale Anliegen in der CSU-Fraktion im Bayrischen Landtag, zeigte sich denn auch überzeugt, dass manches vom Minister bestimmt schon registriert worden sei. Tatsächlich wurde dies im Gespräch auch deutlich.