Gedenken an „Euthanasie“-Verbrechen während des Nationalsozialismus

CBP-Info: Anlässlich der Erinnerungs- und Gedenkveranstaltung für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie"-Morde in Berlin mahnt der Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V. (CBP), sich gegen aktuelle Ausgrenzungen und Diskriminierungen von Menschen mit Behinderungen und mit psychischen Erkrankungen einzusetzen.
 
Im Oktober 1939 hatte Adolf Hitler seinen Arzt Karl Brandt und den Leiter seiner Kanzlei Philipp Bouhler, mit einem dann auf den 1. September 1939 zurückdatierten Brief, dazu ermächtigt, angeblich unheilbar Kranken einen sogenannten „Gnadentod" zu gewähren. Im Folge des Erlasses wurden etwa 300.000 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen in Deutschland und den Kriegsgebieten grausam ermordet. Darüber hinaus wurden 400.000 Menschen zwangssterilisiert, bei den Eingriffen kamen über 6.000 Menschen zu Tode. Bis heute sind Menschen, die damals zwangssterilisiert wurden offiziell nicht als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt.

In der Tiergartenstraße 4 in Berlin-Mitte war die Bürozentrale für die Leitung der Ermordung von Menschen mit Behinderung psychischen Erkrankungen bis 1941 untergebracht. An diesem Platz befindet sich seit fünf Jahren ein Gedenkort. Nach 1941 wurde die Ermordung dezentral durch lokale Behörden und Parteistrukturen koordiniert. Auch in den besetzten Gebieten wurden „Euthanasie"-Verbrechen begangen, so wurden in Polen etwa 15.000 Menschen in 20 Anstalten ermordet.
 
Im Deutschlandfunk wurde gestern ein Gespräch mit Margret Hamm vom Bund der Euthanasiegeschädigten und Zwangssterilisierten (BEZ) übertragen, das weiterhin online abgerufen werden kann.
 
„Manche der todgeweihten Patienten ahnten ihr Schicksal, wehrten sich und erhielten Beruhigungsspritzen. Helene M. schrieb am 1. Oktober 1940 kurz vor dem Abtransport aus der katholischen Pflegeanstalt Liebenau in Württemberg an ihren Vater: <Leider ging es nicht anders. Meine Abschiedsworte aus diesem irdischen Leben in die ewige Heimat muss ich also heute an Dich richten. Es wird Dir und den Meinen viel Herzweh bereiten>." (aus: Tiergartenstraße 4. Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen ‚Euthanasie‘-Morde, S. 17)
 
Caritas  Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V.
Dr. Thorsten Hinz - Geschäftsführer
E-Mail: Thorsten.Hinz@caritas.de
 
Der Bundesverband Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V. (CBP) ist ein anerkannter Fachverband im Deutschen Caritasverband. Mehr als 1.100 Mitgliedseinrichtungen und Dienste begleiten mit ca. 94.000 Mitarbeitenden rund 200.000 Menschen mit Behinderung oder mit psychischer Erkrankung und unterstützen ihre selbstbestimmte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft. Aktuelle Informationen erhalten Sie über unseren Newsletter.

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