Besuch aus dem Bayerischen Landesjugendamt

Die Clearingstelle im Kinderzentrum St. Vincent

Stefanie Zeh-Hauswald aus dem Bayerischen Landesjugendamt informierte sich bei einem Besuch über dieses Angebot der geschlossenen Unterbringung im Rahmen der Hilfen zur Erziehung.

Bild v.li.: Bereichsleiter Xaver Waitzhofer, Stefanie Zeh-Hauswald aus dem Bayerischen Landesjugendamt, Gesamtleiter von St. Vincent Frank Baumgartner, Gruppenleiter Christian Ahland.

Anlass war Stefanie Zeh-Hauswalds Wunsch, sich einen Überblick über diese Maßnahmen in ganz Bayern zu verschaffen. In St. Vincent existiert die Clearingstelle seit nunmehr 16 Jahren und ist fester Bestandteil des Angebotsportfolios der Einrichtung geworden.

„Wir freuen uns, dass Sie zu uns gekommen sind und sind gerne bereit, Ihnen einen ganz offenen Eindruck unserer Arbeit zu vermitteln" begrüßte Gesamtleiter Frank Baumgartner den Gast aus München. Der zuständige Bereichsleiter, Xaver Waitzhofer, ein Mann der ersten Stunde der Clearingstelle, berichtete zunächst über die Entwicklungen und den aktuellen Stand in der Clearingstelle. „Verändert haben sich die betreuten Kinder und Jugendlichen, die Struktur an Mitarbeitern und die gesetzlichen Rahmenbedingungen" so Waitzhofer. Er berichtete, dass es heute vorwiegend junge Mädchen mit gravierenden Bindungsstörungen, Traumata und Depressionen sind, die aufgrund ihrer Verhaltensauffälligkeiten, Impulsivität und aufgrund von Selbst- und fremdgefährdenden Verhaltensweisen in der Clearingstelle betreut werden, während es in der Gründerzeit „eher junge Burschen mit dissozialen Verhaltensweisen gewesen sind," so Waitzhofer weiter.

Auch die gesetzlichen Grundlagen haben sich verändert. Freiheitsentziehende Maßnahmen sind heute an sehr viel mehr Voraussetzungen geknüpft. Deshalb sind heute auch sehr viel mehr Mitarbeiter notwendig, um die Betreuung und auch Schutzmaßnahmen aufrecht erhalten zu können. Als heraus­fordernd beschreibt Christian Ahland die Arbeit vor allem für das pädagogische Personal in der Wohngruppe. Ahland, selbst jahrelang Mitarbeiter in der Clearingstelle, ist heute der zuständige Gruppenleiter und bekommt das tägliche Geschehen hautnah mit. „Natürlich arbeiten wir mit Kindern, die im Alltag sehr schwer zurechtkommen und es kommt tagtäglich zu Krisensituationen, die Teil der Arbeit sind" berichtet er. Es gehe vorwiegend darum, den Kindern eine Perspektive zu vermitteln und sie aus dem Kreislauf aus „Aufnahme – Krise – Vorfall – Entlassung" herauszuholen.

Auch konzeptionell hat sich die Arbeit verändert. Statt sieben werden seit August nur noch sechs Kinder in der Gruppe betreut. Die Kinder erhalten sehr viel mehr Angebote, um ihnen auch ein positiv besetztes Umfeld anzubieten. Die Mitarbeiter sind allesamt mit dem Konzept des Professionellen Deeskalationsmanagements (ProDeMa) vertraut. Trotzdem bleibt diese Arbeit eine tagtägliche Herausforderung. „Wie der Tag verläuft, weiß man in der Regel nicht, auch wenn wir bemüht sind, ein hohes Maß an Struktur aufrechtzuerhalten" erzählt Ahland.

Stefanie Zeh-Hauswald verbrachte gute drei Stunden in der Clearingstelle und nahm unter anderem an einer Gruppenbesprechung teil. Im Anschluss gab es ein Kontrastprogramm. Xaver Waitzhofer fuhr mit Stefanie Zeh-Hauswald in eine Außenwohngruppe des Kinderzentrums nach Münchsried. Es handelt sich um eine Intensiv­päda­gogische Gruppe, in der Jugendliche ab 13 Jahre langfristig betreut werden können; vor kurzem ist auch ein Mädchen aus der Clearingstelle nach Münchsried gewechselt. Eine Wohngruppe auf dem Land zwischen Wäldern, Wiesen und Landwirtschaft hat einen ganz anderen Charakter. „Sie betreuen hier im Grunde Jugendliche, die in der aktuellen Fachdiskussion häufig als Systemsprenger bezeichnet werden", stellte Zeh-Hauswald fest und äußerte, dass ihr die praktische Umsetzung einer so stark auf Offenheit und Individualität ausgerichteten Konzeption in der Betreuung junger Menschen, die durch eine Vielzahl vorangegangener Maßnahmen nicht erreicht werden konnten, bislang noch nicht begegnet sei.

Nach einem abschließenden Gespräch endete der gemeinsame Tag. „Was man bei Ihnen und Ihren Mitarbeitern in besonderer Weise wahrnimmt, ist die Haltung - die positive Haltung zur den betreuten Kindern und Jugendlichen, selbst bei den besonders herausfordernden Betreuungsangeboten", resümierte Stefanie Zeh-Hauswald.

Liebe Frau Zeh-Hauswald: Vielen Dank für Ihren Besuch und Ihr Interesse an unserer Arbeit!

Text und Bild: Iris Stadler