„Du hast unzählige Herzen in all den Jahren berührt“

Papst Benedikt Schule der KJF in Straubing hat ihren langjährigen Schulleiter Klaus Welsch in den Ruhestand verabschiedet

Vor 24 Jahren kam der Sonderpädagoge Klaus Welsch an das Förderzentrum mit Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung. Mit höchster fachlicher Kompetenz und viel Herzblut baute er mit seinem Team Schule und Einrichtung auf. Aus 23 Schülerinnen und Schülern sind 240 geworden, aus 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 170. Jetzt wurde der Schulleiter der Papst Benedikt Schule in Trägerschaft der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg in den Ruhestand verabschiedet. Im Straubinger Rittersaal sagten Freunde und Förderer „Ade und alles Gute für den nächsten Lebensabschnitt".

Klaus Welsch - ein Tänzer, ein Luftgitarrenspieler, ein großartiger Mensch! Seine Schule, die KJF, Freunde und Förderer bereiteten ihm ein unvergessliches Fest zum Abschied.
 

Mit Schwung und Elan zu Höchstleistungen

Wer die Abschiedsfeier im Rittersaal miterlebt hat, weiß: Klaus Welsch hat Herzen nicht nur berührt, sondern er hat darin einen festen Platz. Die gesamte Schulfamilie hat dem Schul- und Einrichtungsleiter ein wunderbares Fest bereitet: Eine Liebeserklärung! Konrektorin Annette Bäumel führte das Publikum durch einen Vormittag mit Schülerauftritten, Grußworten und Laudationes. „Du hattest für alles eine Lösung, hast tausende Brücken gebaut", so Bäumel, „hast jedem zugehört und jeden verstanden." Deshalb war es allen so wichtig, mit einem Beitrag zu zeigen, wie sehr sie Klaus Welsch schätzen und wie sehr sie ihn vermissen werden. Er habe seine Arbeit jeden Tag mit ganzem Herzen getan. „Und weil er so richtig gut war", hat sein Team dafür gesorgt, dass ihm besondere Menschen in Videobotschaften noch etwas mit auf den Weg geben. Da war der Filmregisseur Joseph Vilsmaier zu sehen, der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Bernd Sibler, Domvikar Georg Schwager, Abteilungsleiter der Abteilung Selig- und Heiligsprechungen im Bistum Regensburg, und Edmund Speiseder, ehemaliger Schulleiter der Ursulinen in Straubing und stellvertretender Vorsitzender des Diözesankomitees.

„Es welscht gewaltig dieser Tage in Straubing", verkündete Oberbürgermeister Markus Pannermayr dem Publikum im Rittersaal. Denn vor wenigen Tagen hatte die KJF Klaus Welschs Gattin Maria Welsch, Schul- und Einrichtungsleiterin der Bildungsstätte St. Wolfgang, im Hubertussaal verabschiedet. Pannermayr lobte Welsch als einen „Architekten der Menschlichkeit". Wie groß Welschs Leistungen zu schätzen sind, zeigte auch die stellvertretende Landrätin Barbara Unger auf. Die Papst Benedikt Schule sei durch den außerordentlichen Einsatz von Klaus eine Säule in der regionalen Bildungslandschaft: „Du übergibst eine bestens aufgestellte Einrichtung. Darauf darfst du stolz sein. Die Ära Klaus Welsch ist ein großer Gewinn für die Papst Benedikt Schule."

„Ein wunderbarer Pädagoge, der jedem Kind auf Augenhöhe begegnet"

So beschrieb der Direktor der Katholischen Jugendfürsorge Michael Eibl in seiner Laudatio Klaus Welsch. „Ich traue mich wetten, Sie kennen jedes einzelne Kind." Eibl würdigte die Verdienste des Schul- und Einrichtungsleiters als ausgezeichnete Führungskraft, als mutigen Verbandsmitstreiter im KEG (Berufsverband für Lehrkräfte und Pädagogen in Niederbayern), als einen, der den Bayerischen Weg der Inklusion von Beginn an mit erarbeitet und gelebt hat. „Sie haben die Papst Benedikt Schule mit viel Hingabe und Kompetenz zu dem gemacht, was sie heute ist: eine anerkannte Einrichtung und Schule mit hervorragendem Ruf. Sie haben jede sonderpädagogische, schulpolitische und bauliche Herausforderung meisterlich gelöst. Wir danken Ihnen von Herzen für Ihren großartigen Einsatz!"

Auch der Leitende Regierungsschuldirektor Rainer Fauser würdigte Klaus Welsch: „Du warst stets mit großer Freude, überragendem Engagement und großem Erfolg im Berufsleben unterwegs – oft auch bis zur Erschöpfung." Das sei durchaus ritterlich gewesen, so Fauser, mit Blick auf den Veranstaltungsort Rittersaal Straubing, einer der größten und besterhaltenen mittelalterlichen Festsäle in Deutschland. Als weitere Festredner dankten der MAV-Vorsitzende Stephan Eger, die 1. Vorsitzende des Elternbeirats Angelina Schieder sowie der Personalratsvorsitzende für Förderschulen und Schulen für Kranke bei der Regierung von Niederbayern, Stefan Bauer, dem scheidenden Schul- und Einrichtungsleiter.

Bild v.li.: Konrektorin der Papst Benedikt Schule Annette Bäumel, Regierungsschuldirektor Otto Wagmann, Leitender Regierungsschuldirektor Rainer Fauser, ehem. Schul- und Einrichtungsleiterin der Bildungsstätte St. Wolfgang Maria Welsch, scheidender Schul- und Einrichtungsleiter der Papst Benedikt Schule Klaus Welsch, folgender Schul- und Einrichtungsleiter für die Papst Benedikt Schule Thomas Herbst, KJF-Direktor Michael Eibl.
 

Wie alles begann

Die Papst Benedikt Schule war ehemaliges Bischöfliches Studienseminar. 1995 erwarb die Katholische Jugendfürsorge unter Federführung des damaligen Direktors Prälat Dr. Josef Schweiger Gebäude und Grundstück von der Bischöflichen Knabenseminarstiftung der Diözese Regensburg. „Die Anfänge waren recht holprig und schwierig. Es war alles sehr provisorisch – doch voller Schwung, Elan und begeistert von den Kindern haben wir einfach das Beste gegeben", erinnert sich Klaus Welsch zurück. Die Umsichtigkeit, mit der er sich allen Belangen angenommen hat, ist im Haus deutlich zu spüren. Eine Atmosphäre, die sich vermutlich nur mit der großen Liebe des Pädagogen zu seinem Beruf erklären lässt. „Ein wunderschöner Beruf. Und ich danke Gott jeden Tag dafür, dass ich den Beruf eines Sonderschullehrers und auch des Schulleiters ausüben durfte."

Fachliche Kompetenz mit Fokus auf jeden Einzelnen

Diese positive Einstellung des Schul- und Einrichtungsleiters und die seines Teams hat sich mehr als gelohnt. Die Papst Benedikt Schule hat sich zu einem anerkannten Fachzentrum entwickelt. Es gibt einen inklusiven Vorschulbereich mit Kinderkrippe, Kindergarten und schulvorbereitenden Gruppen. Hier werden Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam beschult und betreut. Die Schule mit den Klassen 1 bis 9 wird um eine Tagesstätte ergänzt. Um den fachlichem Anspruch der individuellen Förderung eines jeden einzelnen Kindes gerecht zu werden, bietet die Papst Benedikt Schule einen therapeutischen Fachdienst an. Psychologen, Sozialpädagogen, Logo-, Ergo-, und Physiotherapeuten bieten dort maßgeschneiderte, individuelle Hilfestellungen an. „Wir nehmen jedes Kind so an, wie es ist. Es wird von uns auf gleicher Augenhöhe wertschätzend akzeptiert und bekommt aus all unseren Angeboten das, was es von uns braucht," so der Sonderpädagoge.

Inklusion – gemeinsam mit der Stadt Straubing

Klaus Welsch ist ein Befürworter der Inklusion und der beiden Wege der Beschulung von Kindern mit Handicap in der Regelschule als auch in der Förderschule wie es in Bayern möglich ist. Angefangen hat alles mit dem integrativen Kinderhaus an der Papst Benedikt Schule. Mittlerweile gibt es in der Grundschulstufe vier inklusive Klassen, in denen Kinder mit und ohne Förderbedarf gemeinsam unterrichtet werden. Ziel ist es, mit mehr Personal, Differenzierung und spezieller Förderung den verschiedenen Leistungsniveaus gerecht zu werden. Zusätzlich zu der Inklusion im Schulhaus hat sich auch in der ganzen Stadt Straubing einiges getan. „Die Stadt Straubing ist ein tolles Pflaster. Es herrscht von der Stadtverwaltung, dem Oberbürgermeister und von der Bevölkerung her eine sehr große Aufgeschlossenheit für Menschen mit Behinderung", so der Schul- und Einrichtungsleiter. Straubing ist eine der ersten Kommunen mit Behindertenbeirat in der Stadtverwaltung und Klaus Welsch war lange dort und auch bei der Interessengemeinschaft Menschen mit Behinderung tätig.

Ein erfülltes Berufsleben

„Meine soziale Ader war schon immer sehr ausgeprägt und ich bin ziemlich früh auf Sonderschule, Sonderpädagogik gekommen," so Klaus Welsch. Zuerst absolvierte er das Volkschulstudium in Bayreuth und dann das Aufbaustudium der Sonderpädagogik in Würzburg. Dort traf er seine zukünftige Frau, Maria Welsch. „Ich bin ein von meiner Frau nach Niederbayern verschleppter Oberfranke", lacht er. Dann wird er ernst: „Ein wenig wird mir schon eng ums Herz, wenn ich an den Abschied denke. Ich liebe hier alles, die Kinder und alles drum herum."

Als Nachfolger von Klaus Welsch wird im kommenden Schuljahr Thomas Herbst die Schul- und Einrichtungsleitung übernehmen. Vorstellen braucht man den Sonderschulrektor nicht mehr, denn er ist seit vielen Jahren bei der KJF beschäftigt, zuletzt als Schul- und Einrichtungsleiter der Bildungsstätte St. Gunther in Cham, zuvor als Konrektor in der Papst Benedikt Schule. Jetzt kehrt er wieder dorthin zurück und freut sich sehr darauf.

Text: Olga Arnstein, Christine Allgeyer
Bilder: Christine Allgeyer