« Zurück

Eva Demski und Jürgen Huber: "Wie redet man über Kunst?" "Mit Liebe!"

Nachlese …

Finissage zur Ausstellung „Kunst.Preis"

Der Kunst.Preis – in diesem Jahr zum zweiten Mal für Menschen mit geistiger Behinderung in Niederbayern und der Oberpfalz ausgeschrieben – ist in der Öffentlichkeit angekommen. Das verdankt er nicht unerheblich seiner Patin, der Schriftstellerin Eva Demski, die eine große Leidenschaft für „l'art brut" oder – wie man sie früher nannte – die „Kunst der Geisteskranken" hegt. Gemeinsam mit Jürgen Huber, anerkannter Regensburger Künstler und Mitbegründer des Kunstvereins GRAZ, unterhielt sie sich über Kunst – erfrischend, launig, ab und an einen kleinen Seitenhieb austeilend, mit aufrichtiger Bewunderung für die Werke, die der Kunst.Preis 2012 aus den Ateliers geholt hat.

Eva Demski und Jürgen Huber sprechen über Kunst.

Was unterscheidet den Kunst.Preis von anderen Kunstausstellungen? Vielleicht, dass man „… nicht so g'scheit daherred'n muss". Von Menschen mit geistiger Behinderung können wir so genannten Normalen viel lernen, zum Beispiel, man selbst zu bleiben. Die Finissage zum Ende der Ausstellung „Kunst.Preis 2012" mit Eva Demski und Jürgen Huber bot dafür ein kurzweiliges Beispiel.

______________

Behutsam stellt Jürgen Huber die erste Frage: „Wie redet man über Kunst?" Spannung. … und wie erst über die Kunst Behinderter, wird mancher im Publikum hinzufügen. „Mit Liebe!" Der Pfropfen ist gezogen, Erleichterung macht sich breit. Erst recht, als Eva Demski nachsetzt: „Nicht einmal der ausgebuffteste Künstler weiß in seinem Herzen, was Kunst ist." Amüsant, tiefsinnig geht es weiter. „Jeder, der Kunst macht, hat einen kleinen Knall."

Auch der Wert von Kunst ist Gegenstand des Zwiegesprächs. Wie bemisst er sich? Ist es wichtig, von wem ein Werk ist? Eva Demski macht keinen Hehl daraus, dass sie der kanonisierten oder 'heilig gesprochenen' Kunst – verhökert zu absurden Preisen, verschwunden in Hochsicherheitstresoren, verkommen zu einer Ware – nicht viel abgewinnen kann. Was könnte sonst noch den Wert von Kunst ausmachen? Die Wahrheit kommt ins Gespräch. Wahrheit, sind sich Eva Demski und Jürgen Huber einig, kann nicht Masche sein. Sie zeigt sich immer wieder neu und – man spürt sie. Der Bogen zu den Künstlerinnen und Künstlern, die in der Ausstellung des Kunst.Preises vertreten sind, ist gespannt: „Nicht jedes Bild ergreift jeden auf gleiche Weise; das ist das Spannende. Aber diese Kunst ist authentisch, darauf kann man sich verlassen." Das heiße nicht, dass man sie nicht bewerten dürfe, führt Eva Demski weiter aus: „Man darf mit den Künstlern in Dialog treten und ihnen auch sagen, 'das kannst du besser'."

Mit ihrer Forderung „Diese Kunst soll Mäzene haben, Menschen, die diese Kunst lieben! Dafür soll es Räume geben, eine eigenständige Sammlung, wo Begegnung ständig möglich ist" greift die Patin des Kunst.Preises ein Herzensanliegen der Katholischen Jugendfürsorge auf. Hier brütet man schon länger darüber, wie sich ein Kunstatelier für Menschen mit Behinderung verwirklichen lässt. Und noch etwas gibt Eva Demski mit auf den Weg: „Diese Kunst sollte für die Öffentlichkeit gekauft werden, zum Beispiel von der Kommune." Kunst hat den Anspruch zu leben. Dazu muss sie wahrgenommen werden können.

Jürgen Huber und Eva Demski kehren zum Schluss zu ihrer Einstiegsfrage zurück, was Kunst sei: „Klare Antworten sind Fallbeile im Leben. Was Kunst ist, kann man nicht beantworten, aber immer wieder neu erörtern."

Ein solcher Diskurs zur „Kunst" verlangt nach Fortsetzung.

______________

Der Kunst.Preis ist ab Ende September noch einmal im Zentrum Bayern Familie und Soziales • Region Oberpfalz in Regensburg in der Landshuter Straße 55 zu sehen.

Text: Isolde Hilt