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Wir sprechen mit!

Kinder und Jugendliche sind Expertinnen und Experten in eigener Sache

München: Zum Abschluss der Öffentlichkeitskampagne „Fragt doch mal uns!" des LVkE kamen die Schirmherrin, Familienministerin Carolina Trautner, und vier Jugendliche aus Einrichtungen des LVkE zu einer Diskussion zum Thema Partizipation im Adelgundenheim in München zusammen.

Hinten (von li nach re): S. Weber, M. Eibl, P. Rummel Vorne (von li nach Re): S. Volkmer, StMin Trautner, S. Sulaiman-Farah, M. Hegert

So nah an einer Politikerin war noch keiner der vier anwesenden Jugendlichen und dementsprechend waren alle etwas nervös – ein Gefühl, das sich aber schnell legte. Nach einer kurzen Einführung durch Michael Eibl, Vorsitzender des LVkE und Moderator an diesem Nachmittag, durften die Jugendlichen, die Hauptpersonen an diesem Tag, gleich ihre ersten Fragen loswerden – und die hatten es ganz schön in sich. „Was sind Ihre Ziele für die Jugendhilfe?", fragte Fabienne Volkmer (15) die Ministerin gleich zu Beginn. Und Schno Sulaiman-Farah (16), Mitglied im Landesheimrat Bayern, im Anschluss: „Unterstützen Sie den Landesheimrat und auch eine bundesweite Umsetzung der Landesheimräte?" Die Ministerin antwortete souverän auf diese umfangreichen Fragen. Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sei ihr eine Herzensangelegenheit, dabei sei es wichtig, nicht über die Betroffenen zu sprechen, sondern gemeinsam mit ihnen. Sarah Weber (21), die in einer Verselbständigungsgruppe lebt, schildert das Problem vieler junger Menschen, die über 21 sind und noch Unterstützung brauchen. Die Wartezeiten in den Ämtern, um zu erfahren, ob die Hilfen weitergeführt werden, seien sehr lang und belastend – sie habe allein sechs Monate auf eine mündliche Zusage gewartet, wie es mit ihrer Zukunft weitergeht. Die Ministerin zeigte großes Verständnis und nahm das Thema mit, um sich dazu weitere Informationen einzuholen.

Inzwischen aufgewärmt in der Diskussion, ging es dann mit einer Frage zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen in Heimen und dem Umgang damit bzw. was die Ministerin davon halte – woraufhin diese ganz klar antwortete, dass dies kein Thema sein sollte, wenn sich zwei Personen finden und lieben. Doch hier sei auch noch einiges an öffentlicher Aufklärung zu leisten, damit dies auch so akzeptiert würde. Neben Fragen zur 75 Prozent-Regelung, die nun auf 25 Prozent Abgabe ihrer Ausbildungsvergütung herabgesetzt wurde – auch Dank des jahrelangen Einsatzes des Landesheimrates zu dem Thema – war den Jugendlichen auch noch ein Thema sehr wichtig, das dann von Michael Hegert (14), dem jüngsten der Anwesenden, eingebracht wurde: „Denken Sie, dass die Mitarbeitenden in der Kinder- und Jugendhilfe gut genug für ihre Arbeit bezahlt werden?" Denn alle Jugendlichen der Runde sehen, dass ihre Betreuer:innen viel leisten und die Zeit doch nicht für alles reicht. Familienministerin Trautner verwies darauf, dass der Staat an den Tarifverhandlungen nicht beteiligt sei. Sie teile jedoch die Ansicht, dass soziale Berufe an sich meist nicht angemessen bezahlt werden – erst die Pandemie habe vielen aufgezeigt, was für einen Stellenwert diese Berufe haben. Sie setze sich dafür ein, dass die Anerkennung und Wertschätzung dieser Berufe öffentlich wird und habe auch eine Kampagne dazu gestartet, die „Herzwerker-Kampagne", die auch um die Berufe in der Kinder- und Jugendhilfe erweitert werden soll.

Die Diskussion hat viele wichtige Themen angeschnitten, die weitegeführt werden müssen – ein guter Grund sich erneut zu treffen! Gezeigt hat sie außerdem, dass das Thema Partizipation der Ministerin sehr am Herzen liegt: „Kinder und Jugendliche sind Expertinnen und Experten in eigener Sache. Unsere Gesellschaft sollte daher viel mehr den jungen Menschen vertrauen. Wir müssen zudem die Sichtweisen der Kinder und Jugendlichen wertschätzen und diese bei allen für Kinder und Jugendliche relevanten Entscheidungen angemessen berücksichtigen." Gerade deswegen ist ihr der Austausch mit den Kindern und Jugendlichen besonders wichtig. Als Schirmherrin der Kampagne nimmt sie für sich mit: „Die Öffentlichkeitskampagne „Fragt doch mal uns!" ist ein wunderbares Beispiel für gelungene Partizipation. Sie hat die Kinder und Jugendlichen selbst in den Mittelpunkt gerückt: Der LVkE hat sie nach ihren Zielen und Träumen gefragt und danach, wie sie die Kinder- und Jugendhilfe erleben und was sie persönlich bewegt. Die Kampagne hat erneut verdeutlicht, wie wichtig Partizipation ist. Kinder und Jugendliche sollen bei allen sie betreffenden Entscheidungen und auch bei der Ausgestaltung der Hilfen zur Erziehung beteiligt werden. Die Kampagne ist aber auch ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung für die Hilfen zur Erziehung sowie für die Kinder- und Jugendhilfe insgesamt. Deshalb habe ich gerne die Schirmherrschaft für diese überaus wertvolle Öffentlichkeitskampagne übernommen."

Für Michael Eibl ist es wichtig, dass in den Einrichtungen und Diensten des LVkE verschiedene Formen von Partizipation noch stärker integriert werden. „Die Jugendlichen heute haben gezeigt, wie viel die jungen Menschen zu sagen haben und wie gut es ihnen auch tut, gehört und ernst genommen zu werden. Sie wissen am besten, was sie brauchen und können das auch gut formulieren. Heute haben sie außerdem viel Mut bewiesen und der Ministerin sehr gute Fragen gestellt – Ich bin begeistert und freue mich auf weitere Treffen in dieser Form!"