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Wenn Unterricht vor Ort nicht möglich ist …

Die Ausbildung im Haus des Guten Hirten geht trotzdem weiter. Wie das funktioniert, erzählt Bereichsleiterin Nicole Kirchner.

In schweren Zeiten, wie jetzt in der Corona-Krise bewähren sich Fähigkeiten aus der Arbeit mit jungen Menschen, die mehr denn je gefordert sind: Flexibel sein und sich etwas einfallen lassen, wenn es unerwartet anders kommt. Mitte März mussten alle Jugendlichen vom Haus des Guten Hirten, einem Zentrum für Berufsvorbereitung und berufliche Ausbildung der KJF Regensburg, dort, wo es ging, zu Hause bleiben. Die Anforderungen der Agenturen für Arbeit sehen jedoch vor, dass die Vorgaben in der Berufsvorbereitung sowie in der Ausbildung einzuhalten sind. Wo nicht gelernt wird, gibt es auch keine Förderung. Was das Bildungsbegleitungsteam dieser Einrichtung innerhalb weniger Tage auf die Beine gestellt hat, ist beeindruckend.


Foto: Nicole Kirchner

Brücken bauen, wenn es sein muss, auch ortsunabhängig – darin sieht das Bildungsbegleitungsteam aus dem Haus des Guten Hirten seine Aufgabe. Was bei den einen das Home-Office ist, ist für die jungen Menschen in den nächsten Wochen das sogenannte Home-Schooling. Nicole Kirchner, Bereichsleitung Reha, schildert, wie ihr Team mit Gabriele Bösl, Kerstin Reckermann, Christine Rester, Daniel Roppert, Katja Schäffer, Andrea Schüsselbauer und Katharina Weininger das angegangen ist.

„Wie überbrücken wir die ruhende praktische Bildungsvorbereitung sowie die ruhenden praktischen Ausbildungen mit alternativen Lehr- und Lernmethoden? Wie bekommen wir das aus der Distanz gut hin? Wie muss der Online-Unterricht also aufgebaut sein? Das waren die Fragen, die wir zu lösen hatten. In einer Konferenz brachten wir uns alle erst einmal auf den gleichen Informationsstand, entwarfen ein Konzept und sammelten Inhalte. Das musste jede*r zuerst einmal für sich und sein Fachgebiet tun. Zum anderen tauschten wir uns generell über die Art der Wissensvermittlung, über Methoden, Materialien und Kompetenzen aus.

Gleichzeitig hatten wir zu klären, ob bei unseren Azubis die technischen Voraussetzungen, wie z. B. PC oder Laptop, auch zu Hause gegeben sind. Wir erfragten Mobilnummern und E-Mail-Adressen – natürlich alles mit den notwendigen Einverständniserklärungen. 


Es wird recherchiert, telefoniert, gescannt, gedruckt, kopiert …
Wir legen gerade ein sehr hohes Arbeitstempo vor, stecken in einer äußerst kreativen Produktionsphase und setzen unsere Ideen in die Praxis um. Es wird recherchiert, telefoniert, gescannt, gedruckt, kopiert, E-Mails und Briefe werden versandt, damit der Online-Unterricht optimal laufen kann.

Hier sind Auszüge aus unserem Lehrplan, wie wir ihn jetzt umsetzen:

  • Aufgabenblätter zum Ausfüllen – entsprechend der Berufswahl
  • Fragen und Aufgaben zur Prüfungsvorbereitung (zum Lernen, Recherchieren, Ausfüllen) – entsprechend der Berufswahl
  • Digitales Bewerbungstraining für die Abschlussjahrgänge (theoretisches Wissen, Online-Stellenrecherche, Formvorlagen für Übungsbewerbungen, Leitfaden für Gesprächsübungen am Telefon)
  • Berichtswesen allgemein (zum Beispiel Wochenberichterstattung)
  • Links zu Artikeln und Videos zwecks Wissensvermittlung zu unterschiedlichen Fächern und beruflichen Schwerpunkten – u. a. verbunden mit der Aufgabe, Kurzzusammenfassungen zu schreiben (fachtheoretischer Unterricht, Medienkompetenz, Deutschübung)
  • Praktische Übungen für die Berufsvorbereitung sowie für die Berufsfelder „Hauswirtschaft" und „Küche" (z. B. Lieblingsrezept recherchieren und kochen, Fotodokumentation dazu erstellen)
  • Vermittlung allgemeinbildender Inhalte wie Training zu Sozialkompetenzen und der Nutzung von Medien

Der Online-Unterricht beinhaltet außerdem Selbstlernphasen; über den Rücklauf erhalten wir Lernzielkontrollen. Abschließend muss dieser spontane alternative Bildungsbegleitungsprozess dokumentiert werden.

Wichtig! Immer mit den jungen Menschen im Austausch bleiben
Bei all unserer Arbeit dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass die Corona-Krise und die damit verbundenen Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen gerade auch bei jungen Menschen Spuren hinterlassen. Wir sprechen mit ihnen über das, was Angst macht und helfen, wo es nur geht. Man lernt sich neu und anders kennen! Das gilt auch für unser Bildungsbegleitungsteam. Wir sind „eng aneinandergerückt" und unterstützen uns gegenseitig. Für mich, die ich erst seit Anfang Februar im Haus bin, ist es sehr schön, miterleben zu dürfen, wie kollegial, effektiv und unaufgeregt dieses Projektmanagement verläuft. Wir sind sehr gefordert – ja. Wenn aber am Ende nicht nur die Jugendlichen von dieser Arbeit profitieren, sondern auch die Agenturen für Arbeit mit unserer Leistung zufrieden sind, können wir richtig glücklich sein."

Archivfoto: www.neverflash.photo

Text: Nicole Kirchner I Isolde Hilt