« Zurück

Verlässliche Partner – immer am Puls der Zeit

Beratungsstelle der KJF in Eggenfelden unterstützt seit 40 Jahren Kinder, Jugendliche und Eltern

„40 Jahre Erziehungsberatung im Landkreis Rottal-Inn. Das sind annähernd 20.000 Menschen, Eltern, Alleinerziehende, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die sich an unsere Fachkräfte gewendet haben, weil sie Hilfe und Unterstützung brauchten", stellte Michael Eibl, Direktor der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) in Regensburg, Träger des Beratungsangebots in Eggenfelden, heraus. „Für die Familien, Kinder und Jugendlichen sind wir verlässliche Partner." Die Zufriedenheit mit dem Angebot der Erziehungsberatung in Deutschland ist hoch: über 90 %, das belegte die 2016 veröffentlichte bundesweite Studie „Wir.EB", an der die Eggenfeldener Beratungsstelle der KJF beteiligt war.

Bild v.li.: Stadtpfarrer Egon Dirscherl, Dr. Franz Lichtnecker (aus dem Vorstand von Kind in Not), Leiter der Beratungsstelle Dr. Joachim Weiß, stellvertr. Leiterin Elisabeth Deinhart, KJF-Direktor Michael Eibl, stellvertr. Landrat Helmuth Lugeder, Bürgermeister Wolfgang Grubwinkler, MdL Martin Wagle und Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Eggenfelden Jochen Pickel.

Die Studie spricht wissenschaftlich von Effektstärken, dahinter stehen Menschen – das machte Michael Eibl deutlich. Menschen, die aus schwierigen Lebenssituationen herausfinden, Kinder, die Mut fassen und ihren Weg gehen, Jugendliche, die zurück in die Familie finden, Eltern, die ihre Erziehungsaufgaben schaffen. „Das ist die großartige Leistung unserer Fachkräfte in der Erziehungsberatung", so Eibl weiter, „und dafür möchte ich Ihnen heute ganz besonders danken", wandte er sich an das Team rund um Dr. Joachim Weiß, den Leiter der Einrichtung. Der Stellenwert des Beratungsangebots im Landkreis Rottal-Inn ist ein hoher. Das zeigte die Präsenz wichtiger Gäste aus der Landes- und Kommunalpolitik, darunter MdL Martin Wagle, der stellvertretende Landrat Helmut Lugeder, Bürgermeister Wolfgang Grubwinkler, und Vertreter der Aktionsgemeinschaft Kind in Not. Sie unterstützt die Beratungsstelle wie auch andere Einrichtungen der KJF seit vielen Jahren ideell und finanziell. An die 80 Gäste feierten das 40-jährige Jubiläum mit.

MdL Martin Wagle überbrachte Glückwünsche des Freistaats Bayern und gratulierte zu der „großartigen und erfolgreichen Institution der Katholischen Jugendfürsorge". Die Zahl von 20.000 erreichten Menschen zeige, wie wichtig es sei, diese Anlaufstelle zu haben und welchen großartigen Ruf sie hat. "Es ist unglaublich wichtig, präventiv Folgen zu verhindern, Menschen zu lebensbejahenden Situationen zurückzuführen und entsprechend Hilfe leisten zu können", so Wagle weiter. In Vertretung des erkrankten Landrats Fahmüller, überbrachte dessen Stellvertreter Helmuth Lugeder ebenfalls gute Wünsche: "Ein ganz großes Dankeschön für die wertvolle Arbeit, die von der Beratungsstelle hier bei uns im Landkreis von Kollegen geleistet wird", sagte er, „Eltern, Jugendliche und Kinder finden hier ein niederschwelliges Angebot, bei dem immer die Suche nach den Möglichkeiten der Hilfe ganz oben steht." Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich in den vergangenen vier Jahrzehnten eingebracht haben, könnten stolz sein auf konkrete Hilfe für das Leben. "Für diese so wichtige segensreiche Arbeit wünsche ich noch viele erfolgreiche Jahre." Auch Bürgermeister Wolfgang Grubwinkler stellte die Bedeutung der Beratungsstelle heraus: "Die hervorragende Arbeit und das Engagement der Fachkräfte tragen sehr viel dazu bei, dass Kinder, Jugendliche und ihre Familien die Hilfen erhalten, die sie in Krisen und Konfliktsituationen brauchen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bilden sich laufend fort und investieren viel Herzblut in ihre Tätigkeit, weit über ihre Pflicht hinaus, zum Wohl der Kinder, Jugendlichen, der ganzen Familien." Die gute Sache, so fasste es Dr. Franz Lichtnecker aus dem Vorstand von „Kind in Not" zusammen, habe die Aktionsgemeinschaft „Kind in Not" bisher mit einer Summe über 400.000 Euro unterstützt. „Ich kann ihnen versichern, dass ‚Kind in Not‘ weiter an Ihrer Seite steht, dass wir immer bereit sind, wenn Sie unsere Hilfe brauchen."

„Wir leben in einer beschleunigten Welt"

Der Leiter der Beratungsstelle Dr. Joachim Weiß und sein Team leisten wertvolle Arbeit. Sie begleiten die Familien in vielfältigen Problemlagen und entwickeln sich fachlich ständig weiter. Dr. Joachim Weiß entführt seine Gäste in die 70ger Jahre: Ein neues Rollenverständnis etwa forderte Familien heraus. Man hatte sich von vielen Zwängen befreit und mit manchen Klischees aufgeräumt. Gestern wie heute veränderten technische Neuerungen unsere Lebenswelt. Die Heiratsneigung sei gesunken, die Scheidungsrate deutlich gestiegen, so Weiß. Es gäbe mehr Familien mit alleinerziehenden Elternteilen, mehr Patchwork-Familien und mehr Single-Haushalte. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei heute für Mütter eine große Herausforderung, die zu enormem Stress und nicht selten auch zu psychischen und körperlichen Symptomen führen könne. Väter wiederum müssten enormen Anforderungen im Beruf und in der Familie genügen. Das gestiegene Stressniveau in den Familien wirkt sich natürlich auf die Kinder aus. Weiß nennt Hyperaktivität, aggressive oder depressive Symptome als Folge. Damit müssten die Eltern umgehen, was sie oft nicht schaffen.

Schule ist einer der Stressfaktoren für Kinder. „Störungen bei Kindern haben inzwischen den Status von Volkskrankheiten erreicht, wobei ADHS der Spitzenreiter ist", erklärt Weiß weiter, „wir leben in einer beschleunigten Welt und der Wandel wird immer schneller. Flexibilität und Mobilität werden erwartet." Gewandelt habe sich auch der Erziehungsstil. Weiß spricht gar von einer „Revolution" in der Erziehung. Denn es stehe zunehmend die Beziehung im Sinne partnerschaftlichen Zusammenlebens im Vordergrund. Eine starke Kindzentriertheit schwäche nicht selten das Paarsystem der Eltern.

Stabil und konstant zeigt sich die Beratungsstelle bei allem Wandel mit ihren Fachkräften, die über Jahre hinweg dort tätig sind, wie seit 37 Jahren die stellvertretende Leiterin Elisabeth Deinhart. Außerdem im Team: Sozialpädagoge Bernhard Dorner, Diplom Psychologin Susanne Spiegel, Psychologin Laura Ammer, Pädagogin Sonja Gartenmaier und die beiden Team-Assistentinnen Gertraud Hennersperger und Monika Fürstberger.

Erziehungsberatung – immer am Puls der Zeit

Joachim Weiß kann viele extreme Phänomene aus der Praxis aufzählen. Die enorme Leistung der Erziehungsberatung ist es jedoch, für alle betroffenen Menschen ein hilfreiches und unterstützendes Angebot zu haben. Bereits in den Anfangsjahren entdeckten der damalige Leiter Achim Grünewald, Jorge Padilla und Elisabeth Deinhart die Erlebnispädagogik: Klettern, Rafting, Segeln – so konnten Symptome verringert und der Kontakt zwischen Therapeuten und Kindern sowie den Kindern untereinander gestärkt werden. Wie gut, dass das Angebot schon damals vom Bundesministerium gefördert und von KJF, Landkreis und Kind in Not finanziell unterstützt wurde. Schon früh wurde auch die Gruppentherapie ergänzend zu den Kernaufgaben in der Einzelberatung und -therapie eingeführt. Spezialbereiche kamen hinzu und damit zu den anfangs vier sukzessive auch mehr Fachkräfte. 2009 etwa für die Durchführung begleiteter Umgänge und die Beratung der davon betroffenen Eltern und Kinder, 2011 wegen weiter steigenden Fallzahlen eine zusätzliche halbe Stelle.

Das Team der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern im Wandel der Zeit: stabil und zuverlässiger Partner mit immer wieder neuen Leistungen  für sich ändernde Bedarfe.

Suizidprävention im Landkreis Rottal-Inn

2014 setzten sich Landrat Michael Fahmüller und Jugendamtsleiter Manfred Weindl für einen Stellenausbau zur Suizidprävention ein. Dies ermöglichte ein Projekt, die offene Sprechstunde für Jugendliche und junge Erwachsene mit Chats, eine Facebook-Präsenz und eine Kampagne, um das Angebot zu bewerben. Krisenkärtchen, ein Fachtag für alle regionalen Vertreter der Jugendhilfe, Schulen und des Gesundheitssystems folgten. Besonders stolz ist Joachim Weiß auf einen Film, der mit Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Eggenfelden zur Suizidprävention produziert wurde. Er lief in allen drei Kinos im Landkreis als Vorfilm über einen längeren Zeitraum. Sozialpädagogin Nicole Maier ist kompetent in der Onlineberatung und in der Betreuung von Themenchats. Nachgedacht wird aktuell darüber, das Chat-Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene zukünftig auch in den Abendstunden anzubieten. Seit April 2019 bietet die Sozialpädagogin Christiane Behringer-Maier die Mobile Beratung an. Seitdem finden in 13, demnächst 15 Kindertagesstätten regelmäßig offene Sprechstunden statt, ebenso im Rathaus in Arnstorf. Das Angebot vor Ort wird von Eltern sehr geschätzt.

Im Jubiläumsjahr möchte Dr. Joachim Weiß „Danke" sagen. Danke seinem Team für das Engagement und die wertvolle Arbeit, danke dem Träger Katholische Jugendfürsorge für die Unterstützung, danke dem Landkreis mit Landrat Michael Fahmüller und Jugendamtsleiter Manfred Weindl, danke allen Kooperationspartnern und dem Wohnheim in Eggenfelden und der Aktionsgemeinschaft Kind in Not für die jährliche Unterstützung in Höhe von 33.000 Euro.

  • Erreichbarkeit: Die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern Rottal-Inn der KJF in Eggenfelden: Landshuter Str. 34, 84307 Eggenfelden, Tel. 0 87 21 12 53 30, E-Mail: info@beratungsstelle-rottal-inn.de mit Außenstellen in Simbach und Pfarrkirchen
  • Angebote: Kurzzeitberatungen, Kriseninterventionen, längerfristige Beratungsprozesse, Beratung bei begleitetem Umgang, Gruppentherapien, systemische Familienberatungen/-therapien, erlebnisorientierte Therapieangebote, präventive Angebote, z. B. Vorträge

Text: Christine Allgeyer / Simone Dechant
Bilder: Simone Dechant