« Zurück

TASK – ein Elterntraining zur Anbahnung sozialer Kommunikation bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung

Im Regensburger Kinderzentrum St. Martin, das zur Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg (KJF) gehört, gibt es ein neues Angebot: Eltern von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) können ihr theoretisches Wissen zum Thema ASS vertiefen und in praktischen Übungen und Videosupervision die spezifische Förderung ihrer Kinder verbessern. Die Logopädinnen Brigitte Gallé, Astrid Lamby und Andrea Brauchle haben eine Weiterbildung absolviert und bieten nun entsprechende Elternkurse an.

Im Konferenzraum des Regensburger Kinderzentrums St. Martin herrscht konzentrierte Arbeitsatmosphäre. Sechs Elternteile und zwei Therapeutinnen haben sich in Kleingruppen zum Rollenspiel zusammengefunden. Eine Mutter übernimmt die Rolle eines autistischen Kindes, eine andere spielt die Mutter und eine dritte ist Beobachterin. Die Aufgabe besteht darin, in einer freien Spielsituation abzuwarten, welche Impulse vom Kind kommen und diese dann aufzugreifen. Im besten Fall entsteht kurz ein gemeinsamer Aufmerksamkeitsfokus.
Anschließend besprechen sich die Eltern. Die Beobachterin ist begeistert, denn was hier passiert ist, kennt sie von ihrer Tochter zu Hause kaum. Blickkontakt herzustellen und das Gegenüber im Spiel wahrzunehmen ist für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung oft eine große Hürde. Was für andere Kinder ein natürliches Interesse ist, müssen sie erst mühsam erlernen. Die Eltern erleben im Alltag immer wieder, dass das Kind ihre Kontaktversuche ignoriert und kein Interesse an Kommunikation zeigt. „Diese ständigen Misserfolge sind für Eltern höchst frustrierend. Es kann der Eindruck entstehen, dass mich mein Kind ablehnt. Als Reaktion werden oft die Kontaktversuche von Seiten der Eltern weniger, ein Teufelskreis der Nicht-Kommunikation entsteht", erklärt Brigitte Gallé.

„Es geht um die Momente gelingender Kommunikation."
Wir alle fühlen uns in unserem Handeln bestärkt, wenn unser Handeln etwas bewirkt. Diese Erfahrung der Selbstwirksamkeit machen Eltern autistischer Kinder mit ihren Kommunikationsversuchen zunächst selten. Durch die Anpassung ihres Verhaltens und eine verbesserte Wahrnehmung für die verhaltenen Reaktionen des Kindes kann sich das verändern. Die Eltern sehen sich in ihrem Tun bestätigt und wenden die Strategien häufiger an – eine gute Förderung im Alltag entsteht. „Dabei geht es nicht darum, den ganzen Tag zu fördern. Es handelt sich viel eher um kurze Momente wechselseitiger und damit  gelingender Kommunikation. Wenn Eltern  im Laufe des Tages immer wieder versuchen mit ihrem Kind einen gemeinsamen Fokus der Aufmerksamkeit herzustellen, ist sehr viel erreicht.  Am Ende profitiert das Kind und die Eltern sind zufriedener", meint Andrea Brauchle.

„Da gehört schon Mut dazu…"
Im Elterntraining wird auch viel theoretisches Wissen angeboten, es geht darum, die Besonderheiten des Krankheitsbildes besser kennen zu lernen und das Kind einschätzen zu können. Die Eltern sollen jederzeit ihre Erfahrungen einbringen. Das führt auch zu einem „Selbsthilfegruppen-Effekt" – man sieht, dass man mit seinen Problemen nicht alleine ist, dass andere Familien ähnliche Schwierigkeiten haben und kann gemeinsam Lösungen erarbeiten. Dass die Kinder der beteiligten Eltern ein ganz unterschiedliches Entwicklungsalter haben, hat ebenfalls einen positiven Nebeneffekt: die gleichen theoretischen Grundlagen für verschiedene Entwicklungsphasen können besprochen und ausprobiert werden. Das macht das Training abwechslungsreicher und steigert den Lerneffekt.

Das Elterntraining TASK bieten die drei Therapeutinnen in neun Terminen an, davon findet ein Termin nicht in der großen Gruppe statt, sondern dient jeder Familie als „Individualtermin" mit einer Therapeutin. Bei diesem Termin können Besonderheiten im Verhalten des eigenen Kindes anhand einer Videosequenz besprochen werden. Eine Spielsituation wird gefilmt und anschließend analysiert. Astrid Lamby:  „Da gehört schon Mut dazu, besonders auch, wenn wir Videos von zu Hause in der Großgruppe anschauen. Doch letztlich geht es ja darum, positives Verhalten zu bestärken. Und die anderen Eltern kennen die Probleme in der Kommunikation mit autistischen Kindern ja nur zu gut. Daher waren die Rückmeldungen im Kurs bisher immer sehr wertschätzend."

Bis zu sechs Familien können den Kurs besuchen, die Termine werden vormittags angeboten und dauern zwei Stunden. Bei Interesse ist eine vorgeschaltete, ausführliche Diagnostik erforderlich. Wenn eine gesicherte ASS-Diagnose besteht, können Eltern nach Überweisung durch ihren Kinder- und Jugendarzt im Rahmen des Therapieangebotes des Regensburger Kinderzentrums St. Martin am Training teilnehmen.

Text: Astrid Lamby