Seelsorger und Herzensbildner – nah an den Menschen

Bischof Wittmann auf dem Weg zur Seligsprechung

Der Regensburger Weihbischof Georg Michael Wittmann (1760-1833) ist Namenspatron für gleich zwei Regensburger Einrichtungen der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e. V.: für die Bischof-Wittmann-Schule in der Johann-Hösl-Straße und für das Bischof-Wittmann-Haus in der Heiliggeistgasse. Einrichtungen der Katholischen Jugendfürsorge haben eine Patronin oder einen Patron. Sie tragen deren Namen in langer Tradition und mit der bewussten Entscheidung des Vorstands und der Verwaltungsräte der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e. V.

"Niemals war er glücklicher als im Kreise der Kinder" - das sagt man über Bischof Wittmann. Die abgebildeten Kinder und Jugendlichen (aufgenommen beim inklusiven Tanzfestival 2018 im Unitheater) sind Schüler*innen im Förderzentrum Bischof-Wittmann-Schule der KJF in Regensburg.

Namenspatrone sind Begleiter und Beschützer für die Menschen in den Einrichtungen, die ihren Namen tragen. Wenn es sich um Schutzheilige handelt, feiern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der jeweiligen KJF-Einrichtung alljährlich gemeinsam das Patrozinium. Und so bleiben diese Schutzheiligen bei den Menschen, Kindern und Jugendlichen in den Einrichtungen, bleiben lebendig in der Erinnerung an ihr Wirken und ihre Werke. Nun ist Bischof Wittmann auf dem Weg zur Seligsprechung, denn Papst Franziskus hat die Heiligsprechungskongregation autorisiert, das Dekret über den heroischen Tugendgrad von Bischof Georg Michael Wittmann öffentlich bekannt zu machen.

Bischof Wittmann in der KJF

Die Bischof Wittmann Schule, 1973 von der KJF in Betrieb genommen, ist heute eines der modernsten Förderzentren mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Sie zeichnet sich besonders durch die individuelle Förderung von Kindern mit und ohne Behinderung aus. Auch Kinder mit sehr schweren Behinderungen und ihre Familien werden dort von den pädagogischen Fachkräften bestens gefördert und unterstützt. Neun Jahre vorher, 1964, hat die Katholische Jugendfürsorge das Bischof-Wittmann-Heim in Regensburg übernommen. Heute heißt die Einrichtung Bischof-Wittmann-Haus und darin befinden sich mehrere kirchlich-caritative Einrichtungen: Das Familienzentrum ist beliebte Anlaufstelle für Familien aus der Altstadt. Die Geschäftsstelle der katholischen Erziehungshilfe und Jugendsozialarbeit berät von hier aus alle katholischen Einrichtungen dieser Art im gesamten Bistum. In den Referaten Pastorale Arbeit, Personalentwicklung und Betriebliches Gesundheitsmanagement werden Angebote und Leistungen für die gesamte KJF mit ihren über 70 Einrichtungen koordiniert. Das Referat Migration und Integration begleitet und berät jährlich mehrere hundert Menschen, die in unser Land kommen. Seit über 40 Jahren ist Haus Mutter und Kind Teil des Bischof-Wittmann-Hauses. Hier erfahren Mütter mit ihren Kindern, die von ihrem Umfeld im Stich gelassen wurden, wertvolle Begleitung und Heimat auf Zeit. Ein besonderes Schatzkästchen – die anmutig im Rokokostil ausgeschmückte Maria Schnee Kapelle – befindet sich ebenfalls darin. Sie wird auf Anfrage gerne von Menschen aufgesucht und hat schon so manche Taufe, so manche Hochzeit erlebt.

Bischof Wittmann hätte seine Freude an dem sozialen Wirken, an dem Leben und der Gemeinschaft in diesen Häusern der Katholischen Jugendfürsorge in Regensburg gehabt. Wer war dieser besondere Mensch, den die KJF zum Hauspatron für zwei ihrer Einrichtungen gewählt haben? Georg Deisenrieder, Pastoralreferent der Katholischen Jugendfürsorge beschreibt ihn so: „Mit Bischof Wittmann haben wir einen Hauspatron zur Seite, der uns Vorbild in der tätigen Liebe zu den Kindern und benachteiligten Menschen ist. Wie er damals neue Wege in der Schulpädagogik, Theologie und Caritas ging, ist er uns heute wahrer Mutmacher, um das Schulwesen weiterzuentwickeln. Ebenso ist er Impulsgeber für das Zusammenwirken von Theologie und geliebter Nächstenliebe in den caritativen Verbänden und Einrichtungen." (aus: „Dem Menschen nah. Orte und Zeichen gelebten Glaubens in der KJF", Regensburg 2017).

Text: Michael Eibl
Bild: Christine Allgeyer

Weiterführende Informationen:
(Quelle: Bistum Regensburg, https://www.bistum-regensburg.de/news/heroischer-tugendgrad-fuer-regensburger-bischof-georg-michael-wittmann-1760-1833-papst-bestaetigt-urteil-vatikanischer-theologen-7137/)

„Georg Michael Wittmann, Weihbischof und präkonisierter Bischof von Regensburg, darf nun offiziell als „ehrwürdiger Diener Gottes" bezeichnet werden. Mit Verleihung des heroischen Tugendgrades wurde der für Bischof Wittmann geführte Tugendprozess erfolgreich abgeschlossen und damit eine wichtige Etappe im Verlauf des Seligsprechungsverfahrens erreicht. Zugleich wird der langjährige Regens und Seelsorger der Regensburger Dompfarrei als leuchtendes Vorbild gelebten Glaubens herausgestellt. Obgleich Bischof Wittmann bereits vor 200 Jahren lebte, ist sein Bemühen um das Wohl der ihm anvertrauten Menschen sowie sein seelsorgerliches Konzept bleibend aktuell und gültig. Es besteht in der Hinwendung zum Hilfsbedürftigen in selbstloser Nächstenliebe und tiefer Christusverbundenheit. Der ehrwürdige Diener Gottes ist darin Bischöfen und Priestern, aber auch Gläubigen in gleicher Weise ein nachahmenswertes Beispiel und ein leuchtendes Zeichen seelsorgerlichen Eifers."

„Geboren am 22. Januar 1760 auf dem Finkenhammer bei Pleystein, absolvierte Georg Michael Wittmann seine Studien in Amberg und Heidelberg, wo er als Stipendiat den Doktorgrad erwarb und nach seiner Rückkehr nach Regensburg am 21. Dezember 1782 zum Priester geweiht wurde. Nach mehreren Stellen im Dienst als Hilfspriester wurde Wittmann im Oktober 1788 zum Subregens und am 9. September 1802 zum Regens des Priesterseminars ernannt. Dieses Amt behielt er trotz vielfältiger Aufgaben bis zu seinem Tode. In über 30 Jahren hat Wittmann mehr als 1500 Seminaristen durch sein persönliches Beispiel ermutigt, als Priester in den Dienst der Kirche zu treten. Während der napoleonischen Unruhen und der Säkularisation bot er zahllosen Menschen Stütze und Halt. So kümmerte er sich bis zur Gefährdung des eigenen Lebens um die sterbenden Soldaten wie auch um die leidende Zivilbevölkerung der brennenden Stadt bei der Erstürmung Regensburgs im Jahre 1809. (…) Papst Franziskus hat am 28. November 2019 den Präfekten der römischen Heiligsprechungskongregation, Kardinal Giovanni Angelo Becciu, in Audienz empfangen und die Kongregation autorisiert, das Dekret über den heroischen Tugendgrad von Bischof Georg Michael Wittmann (1760-1833), zu promulgieren. Damit hat der Heilige Vater das Votum der vatikanischen Theologen, das diese am 2. Oktober 2018 einstimmig abgaben, anerkannt. Am 29. Oktober 2019 hatten auch die Kardinäle und Bischöfe der Kongregation in ihrem Ordentlichen Kongress dem Urteil der Theologen zugestimmt."

Gerne empfehlen wir auch das neu Buch: „Bischof Georg Michael Wittmann. Bischof, Seelsorger und Reformer" von Martin Lohmann, Theologe und Historiker, erschienen im Verlag Friedrich Pustet. Mehr darüber auch unter: www.youtube.com/watch?v=KJL%2S4bNc