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Offenstettener Cabrini-Schule feiert 40-jähriges Jubiläum

„Danke, dass Sie uns Ihre Kinder anvertrauen"

Von der Schule für Geistigbehinderte zum Förderzentrum mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung: Die Cabrini-Schule in Offenstetten feierte ihren 40. Geburtstag, blickte zurück und plant gleichzeitig schon Neues. „In zehn Jahren haben wir hoffentlich ein neues, modernes Schulgebäude, weiterhin so eine gute Akzeptanz bei den Eltern und eine so angenehme Atmosphäre in der Schule", sagt der Gesamtleiter des Cabrini-Zentrums, Dr. Bernhard Resch.



Die Jubiläumsfeier war ein buntes Fest mit vielen Ehrengästen, geprägt von der Lebendigkeit und vom Lachen der Kinder. In seinem Grußwort stellte Landrat Martin Neumeyer Offenstetten als Inklusionsort mit Tradition heraus. „Bleiben Sie weiterhin so taugh und engagiert", forderte er die Gäste auf und übergab dem Gesamtleiter des Cabrinizentrums. Dr. Bernhard Resch eine Urkunde zur Anerkennung des Engagements für Kinder und Jugendliche mit Behinderung und einen Spendenscheck. Auch Bezirksrätin und Behindertenbeauftragte Hannelore Langwieser lobte die Schule und ihren Träger, die KJF. Ein besonderes Anliegen sei ihr die Öffnung der Förderschulen für die Regelschulen. „Wir sind hier in Bayern Vorreiter", so Langwieser. Regierungsschuldirektor Otto Wagmann, die MAV-Vorsitzende Doris Gamurar, SMV und Elternbeirat wurden ebenfalls auf die Bühne gebeten und steuerten ein Grußwort bei.

Die Cabrini-Schule in Offenstetten hat als Einrichtung der Katholischen Jugendfürsorge in Regensburg eine lange Tradition in der Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf geistiger Entwicklung – regional im Landkreis Kelheim. Und auch überregional, denn als Teil des weiter gefassten Cabrini-Zentrums besuchen auch Kinder und Jugendliche, die im Cabrini-Haus wohnen, die Schule nebenan. „Die wunderbare Entwicklung der Cabrini-Schule ist eingebettet in fast  60 Jahre wertvolle sonderpädagogische und heilpädagogische Arbeit. Hier wurde in einer Zeit, in der es keine Schule für Kinder mit Behinderung gab, pädagogische Pionierarbeit geleistet. Es fand keine Trennung von Schülern statt, sondern eine Hinwendung zu Kindern mit Behinderungen. Damit wurde deren Bildungsrecht verwirklicht. Auch durch viele integrative Projekte wurde in den vergangenen Jahrzehnten der Grundstein für den heutigen bayerischen Weg der Inklusion gelegt", sagt KJF-Direktor Michael Eibl.

Vorbereitung auf das Leben als junge Erwachsene
Vor 40 Jahren wurde in Offenstetten die neue Schule für Geistigbehinderte eingeweiht. Das Jubiläum ist gleichzeitig der 40. Geburtstag des Schulgebäudes. Dabei hatte Betreuung und Förderung von Kindern mit Einschränkungen eigentlich noch früher begonnen. 1959 wurde eine einklassige katholische „Anstalts-Sonderschule" eröffnet, 1970 folgte die größere Heim-Sonderschule. 1978 entsteht das heutige Schulgebäude. Dieses bleibt, doch die Bezeichnungen der Schule ändern sich auch danach.
Mitte der 90er wird aus der Schule für Geistigbehinderte die „Schule zur individuellen Lebensbewältigung" – ein Name, der gut beschreibt, was die Intention der Cabrini-Schule ist: „Neben dem normalen Fächerkanon geht es gerade in den höheren Jahrgangsstufen darum, Jugendliche auf ein Leben als Erwachsene vorzubereiten. Wie wohne ich, wie lebe ich, was ist meine soziale Rolle in der Gesellschaft", erklärt Schulleiter Rudi Dittmeier.
Dem Regelschulsystem folgend gliedert sich die Cabrini-Schule ab 2003 in eine Grundschul-, Mittelschul- und Berufsschulstufe und nennt sich seitdem Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Individuell das fördern, was jedes einzelne Kind an Fähigkeiten und Möglichkeiten mitbringt – das ist es, was die Cabrini-Schule tut.

Das alte Schulgebäude wird abgerissen
Damit das möglich wird, geben jeden Tag 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihr Bestes, ein Team aus Sonderpädagogen, Pädagogen, Psychologen, Therapeuten, Heilerziehungs- und Kinderpflegern. „Schule, Tagesstätte, Therapie und Wohnheim sind bei uns eng verzahnt und die Wege kurz", schildert Dittmeier. 184 Kinder besuchen derzeit die Cabrini-Schule.
Sie werden in ein paar Jahren in einen Neubau umziehen, die Planungen laufen bereits. „Eine Sanierung wäre zu teuer und aufwändig", sagt der Schulleiter. Insofern ist es auch das letzte Jubiläum der heutigen Schule, das zusammen mit all denjenigen gefeiert wurde, die in den letzten 40 Jahren für die Cabrini-Schule unverzichtbar wichtig waren: Träger, Regierung, Bezirk, alle Kooperationspartner und natürlich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern. „Denen kann ich nur sagen: Danke, dass Sie uns Ihre Kinder anvertrauen", meint der Gesamtleiter Dr. Bernhard Resch . Außerordentlicher Dank gebühre auch dem Elternbeirat, der nicht nur bei der Gestaltung der Jubiläums-Feier, sondern auch während des gesamten Schuljahres bestens unterstütze.

„Wir möchten die Schule weiter nach innen und außen öffnen"
Und was wünscht sich Rudi Dittmeier für die nächsten zehn Jahre? „Dass sich die Schülerinnen und Schüler weiterhin wohl bei uns fühlen, dass wir auch weiterhin so gut ausgebildete Fachkräfte bekommen und dass sich die ganze Schule weiterentwickeln kann, um mit den Herausforderungen der Zeit Schritt zu halten."
Und dann gibt es da noch ein Thema – Stichwort Inklusion. Zwar habe man mit der Grundschule in Offenstetten eine tolle, enge Kooperation, auch mit der Johann-Turmair-Realschule in Abensberg für den Theater-Bereich. Echte Partnerklassen an Regelschulen und damit zusätzliche alternative Unterrichtsangebote gäbe es aber bislang nicht. „Wir möchten die Schule definitiv weiter öffnen und auch irgendwann das Schulprofil Inklusion anstreben", fasst Dittmeier zusammen – vielleicht ja dann zum 50. Geburtstag der Cabrini-Schule.

Text: Christine Wüst/Christine Allgeyer
Bilder: Christine Allgeyer