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Nah bei den Kindern und Familien, ihren Sorgen und Nöten

Katholische Jugendfürsorge verabschiedet die ärztliche Leiterin des Sozialpädiatrischen Zentrums St. Martin, Dipl.-Med. Angelika Aisch, in den Ruhestand

Ein unglaublich gutes, intuitives Bauchgefühl für Familien und Kinder – das hatte die Kinderärztin und seit 2005 auch Leiterin des Sozialpädiatrischen Zentrums St. Martin – der Abschied fällt schwer.

 

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Bild v.li.: Vorsitzender der KJF, Domkapitular Michael Dreßel, Bürgermeisterin Astrid Freudenstein, Dipl.-Med. Angelika Aisch, Pfarrer Josef Eichinger, Dr. Christina Kutzer, Dipl.-Kffr. Sissi Riebeling, Vorsitzende Aktion Sonnenschein, Astrid Lamby, Referentin für Projektentwicklung und Logopädin, KJF-Direktor Michael Eibl, Verwaltungsleiter Paul Schmid. (Foto: Christine Allgeyer)

Angelika Aisch hat die wertvolle Arbeit im Kinderzentrum St. Martin über viele Jahre geprägt. Sie hatte stets die Bedürfnisse der Kinder mit Behinderungen und ihrer Familien im Blick. Die Abschiedsfeier begann mit einem festlichen Gottesdienst, den der Vorsitzende der Katholischen Jugendfürsorge, Michael Dreßel, mit Pfarrer Josef Eichinger in der Pfarrkirche St. Josef in Reinhausen zelebrierte. „Sensibel sein für die Menschen – sich anrühren lassen von ihren Sorgen – und dann aus christlicher Verantwortung heraus handeln: Dafür steht Angelika Aisch und dafür gilt ihr unser Dank", so Dreßel.

In seiner Laudatio auf die verdiente Kollegin und ärztliche Leiterin, Dipl.-Med. Angelika Aisch, stellte KJF-Direktor Michael Eibl heraus: „Über die tägliche Arbeit der Sozialpädiatrie hinaus sind wertvolle Projekte für Kinder mit Behinderungen, Autismus oder Epilepsie sowie Bildungsmaßnahmen entstanden. Zuletzt konnten wir mit Angelika Aisch das wichtige Zusatzangebot der Sozialberatung auf den Weg bringen." Die Kinder- und Jugendärztin Dr. Christina Kutzer tritt die Nachfolge von Angelika Aisch an und Michael Eibl weiß St. Martin bei ihr in fachlich erfahrenen und guten Händen. Seit über 20 Jahren ist sie Ärztin am Kinderzentrum. Sie freut sich auf die neue Aufgabe.

Wenn Beruf Berufung ist
Die hingebungsvolle Art, mit der sich Angelika Aisch um ihre Patientinnen und Patienten kümmerte, gründet sicherlich mitunter in ihrer Berufung. Sie wollte schon immer Ärztin werden, studierte nach dem Abitur in Jena und Berlin Medizin. Bevor sie ihren 30-jährigen Dienst bei der KJF antrat, war sie als Kinderärztin in einer Praxis tätig. In Regensburg angekommen, hat Angelika Aisch Praktika absolviert, unter anderem bei Dr. Judex senior. Er hat dem damaligen Leiter des Kinderzentrums, Dr. Bernhart Ostertag, die junge Fachärztin weiterempfohlen. Zum Glück, denn seit 2005 übernahm Angelika Aisch die Leitung des ihr bereits so gut vertrauten Sozialpädiatrischen Zentrums. „Angelika Aisch hatte von Anfang an eine sehr achtende Art mit Patientinnen und Patienten, ihren Familien umzugehen und ebenso immer eine achtsame Atmosphäre im Team gepflegt", so Dr. Bernhart Ostertag.

Führen und Leiten – mit viel Freiraum
Der Übergang in die Leitungsfunktion war anfangs eine Herausforderung für die Kinderärztin. Doch mit der gleichen Intuition, mit der sie ihrer Berufung als Ärztin nachging, schaffte sie eine ganz besondere Arbeitsatmosphäre im Kinderzentrum. „Angelika Aisch hatte viel Vertrauen in uns, dass wir selbstständig richtige Entscheidungen treffen. Gleichzeitig konnte man jederzeit mit Problemen fachlicher oder persönlicher Natur zu ihr kommen, die sie positiv und niemals abwertend behandelte", berichtet ihre Kollegin Dr. Inga Kirchner, Kinder- und Jugendärztin. Astrid Lamby, Referentin für Projektentwicklung und Logopädin am Kinderzentrum, ergänzt: „Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ließ sie immer viel Freiraum sich zu entwickeln, Aufgaben zu übernehmen und Ideen umzusetzen."

Begegnen und begleiten
Was sagt die langjährige Leiterin selbst zu ihrem Weg? „Ich bin dankbar bei einer guten Arbeitgeberin gewesen zu sein. Das muss ich sagen: Ich bin gerne bei der Jugendfürsorge angestellt gewesen, das war ein guter Platz für mich. Ich bin jeden Tag gerne zur Arbeit gegangen." Zusammen mit dem Förderverein Aktion Sonnenschein Regensburg e. V. und deren 1. Vorsitzender Sissi Riebeling an der Spitze, arbeitete Dipl.-Med. Angelika Aisch kontinuierlich an der stufenweisen Modernisierung des Kinderzentrums. Unendlich dankbar ist sie der umtriebigen und zielstrebigen Begleiterin und Förderin des Kinderzentrums. Dank ihrer Unterstützung flossen dem Kinderzentrum in nun fast 40 Jahren rd. 1,5 Mio. Euro zu. „Als Vorsitzende des Fördervereins bedanke ich mich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und große Unterstützung über all die Jahre hinweg", so Sissi Riebeling.

Eines stand für die Ärztin immer im Fokus und das ist es, was ihr beim Abschiednehmen am schwersten fällt: „Gestern war zum Beispiel eine Mutter da und meinte, schade, dass Sie gehen. Meine Tochter ist jetzt 21 und kennt Sie seit sie vier Jahre alt ist… So ein Abschied ist schwer. Er zeigt aber auch, wie lange und intensiv die Betreuung geht. Das macht unsere Arbeit in diesem Haus aus – und mich. Diese Begegnungen haben mich geprägt."

Wichtige Anlaufstelle für Eltern, die Fragen zur Entwicklung ihres Kindes haben
Das Regensburger Kinderzentrum St. Martin ist ein Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) im Sinne des § 119 SGB V. Dort werden Kinder und Jugendliche, die wegen Art, Schwere und Dauer ihrer bestehenden bzw. drohenden Krankheit oder Behinderung nicht ausschließlich von niedergelassenen Ärztinnen, Therapeuten oder Interdisziplinären Frühförderstellen behandelt werden können, medizinisch versorgt. Zu den Erkrankungen und Entwicklungsauffälligkeiten, die behandelt werden, gehören zum Beispiel: Epilepsie, ADHS, Autismus, Chronische Schmerzen und Kopfschmerzen, Regulationsstörungen, Spina Bifida, Cerebrale Bewegungsstörungen, Entwicklungsstörungen und -verzögerungen, Fütter- und Schluckstörungen, neuromuskuläre Erkrankungen, psychosomatische Störungen, Sprachentwicklungsstörungen und Verhaltensprobleme.

Angelika Aisch lobt ihr Team und das gute Netzwerk: „Wir arbeiten eng mit Kinderkliniken und Kinderärzten zusammen, mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie, den Sozialhilfeträgern, Erziehungsberatungsstellen, Kindergärten und Schulen. Stolz sind wir auf die oft jahrelange Zusammenarbeit und die Konsilien mit Kinderorthopäden, Neurochirurgen und Humangenetikern. Wir bieten auch gemeinsame Sprechstunden mit Orthopädietechnikern an."

Text: Olga Arnstein
Fotos: Christine Allgeyer