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Nachruf

 
Im kleinen Innenhof vor der Galerie St. Klara - eine mehrteilige Rauminstallation aus Granit und Kalkstein von Alfred Böschl in Zusammenarbeit mit Helmut Langhammer.

In dankbarer Erinnerung an Alfred Böschl

Was für ein Bildhauer, was für ein einfühlsamer Künstler und Organisator! Als ich 2010 gemeinsam mit Alfred Böschl unsere Idee des Kunst.Preis für Menschen mit geistiger Behinderung umzusetzen begann, spürte ich von Beginn an, mit welcher Professionalität und Überzeugung er an die Arbeit ging. Aus den Erfahrungen seiner Frau, die als Lehrerin in Offenstetten tätig ist, wusste er um die verborgenen künstlerischen Talente so mancher Menschen mit Behinderung und sprach darüber mit großem Respekt. Er wollte diese Outsider-Kunst mit uns in die Mitte der Öffentlichkeit und in den Kunstbetrieb bringen. Als langjähriger Organisator und Verbandsvertreter wusste er nur zu gut, dass dazu viel Überzeugungsarbeit zu leisten und ein langer Atem notwendig ist. Gemeinsam mit der Jury, der Patin Eva Demski und vielen Unterstützer*innen ist uns das erstaunlich schnell gelungen.



Die Kunst:Preis-Jury 2020 mit Alfred Böschl (3.v.li.)

Alfred Böschl hat in der Jury für den Kunst.Preis die Führungsrolle übernommen. Er hat die Werke der Künstlerinnen und Künstler immer nach ihrem künstlerischen Wert beurteilt und gewürdigt – kein „Sozialbonus", sondern Begegnungen auf Augenhöhe mit den Kunstschaffenden in der Sprache und Ausdruckskraft ihrer Werke! Die Hängung der Werke einer Ausstellung, die Gestaltung des Kataloges, gleichwertig wie für jede andere Kunstausstellung auch, waren ihm ein persönliches Anliegen.

Widmen wir Alfred Böschl den bevorstehenden Kunst.Preis 2020, den Katalog und die Ausstellung und tragen wir seinen Respekt gegenüber den Künstler*innen weiter, setzen wir seine Haltung fort. Das ist eine Würdigung in seinem Sinne.

Dankbar bin ich für seine beratende Begleitung unseres Kuratoriums Europäische Kulturarbeit in Beratzhausen, gerade in den Anfangsjahren. Wie gut hat es uns und der Sache getan, dass er uns nicht für verrückt oder größenwahnsinnig hielt. Dankbar bin ich für seine eindrucksvollen Kunstwerke in den Einrichtungen der KJF in Haselbach, Straubing, Regensburg, Plattling. Dankbar bin ich für jede Begegnung mit ihm.

In großer Trauer und in freundschaftlicher Verbundenheit, leb‘ wohl Alfred!

Michael Eibl
Direktor der KJF