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Mehrgleisige Beratung

Die Angebote der Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche und Eltern der Katholischen Jugendfürsorge in der Diözese Regensburg in der zweiten Corona-Welle

Die Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche und Eltern der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg an 10 Standorten mit Außenstellen sind auch im „Lockdown light" geöffnet und weiter für Kinder, Jugendlichen, junge Erwachsene und Eltern da, so auch im Landkreis Rottal-Inn. Neuanmeldungen sind möglich und persönliche Beratungen finden im Rahmen des Hygienekonzeptes statt.

Persönlich, telefonisch oder per Skype
Zu Beginn des regionalen Lockdowns des Landkreises Rottal-Inn hatten die Beraterinnen und Berater alle angemeldeten erwachsenen Klientinnen und Klienten angerufen, um sich abzustimmen, ob angesichts der Situation persönliche Gespräche vor Ort wichtig sind bzw. eindeutig bevorzugt werden, oder ob ein vorübergehendes Umstellen auf Telefon- oder videogestützte Beratung (Skype) in Frage kommt.

Bilder: Dr. Joachim Weiß

Dabei waren die Rückmeldungen sehr unterschiedlich. Einige Klienten wollten ein bis zwei Wochen pausieren, um dann wieder persönlich zu uns kommen zu können. Andere nahmen die Möglichkeit der Beratung per Telefon oder Skype gerne an. Diese virologisch höchst sicheren Möglichkeiten waren dann gute alternative Beratungsformate. Die meisten Familien wollten jedoch – zumindest möglichst bald wieder – persönlich vor Ort beraten werden. Inzwischen finden die allermeisten Termine wieder persönlich statt.

Gruppentherapien
Die Beratungsstelle bietet grundsätzlich Gruppentherapien für Kinder und Jugendliche verschiedener Altersgruppen an. Derzeit finden die Gruppen mit jüngeren Kindern leider nicht statt, da ein ausreichendes Distanzhalten in unserem Gruppensetting kaum möglich erscheint, insbesondere beim gemeinsamen Spielen. Hingegen startet eine Kleingruppe mit drei weiblichen Jugendlichen momentan wieder – natürlich unter Einhaltung der Hygieneregeln. Diejenigen Kinder, deren Gruppen ruhen, bekommen das Angebot, die aktuelle Zeit mit therapeutischen Einzelterminen zu überbrücken.

Begleitete Umgänge – gerne auch im Garten der Beratungsstelle
Die Beratungsstelle hat auch die Aufgabe, Umgangskontakte zwischen Elternteilen und ihren getrennt von ihnen lebenden Kindern zu begleiten, wenn das Umgangsrecht der Väter oder Mütter– meist nur vorübergehend – eingeschränkt wurde. Diese begleiteten Umgänge waren ungebremst stark gefragt. Denn abgesehen von Ausnahmefällen möchten umgangsberechtigte Eltern ihre Kinder auch in Corona-Zeiten unbedingt weiterhin sehen. Wenn es die Witterung erlaubte, haben wir dafür das ganze Sommerhalbjahr über gerne unseren Garten an der Hauptstelle in Eggenfelden genutzt. Aber auch von den Außenstellen Pfarrkirchen und Simbach/Inn aus wurden die Umgänge bevorzugt im Freien begleitet. Diese Möglichkeit wird im Winter sicherlich nicht immer in Frage kommen, aber Schneeballschlachten und andere gemeinsame Aktivitäten im Freien könnten ja durchaus eine Ergänzung der Umgangsgestaltung in den Spielzimmern darstellen.

Gespräche mit Jugendlichen – gerne an der frischen Luft und in Bewegung
Abgesehen von diesen begleiteten Umgängen fanden in den letzten Monaten auch so manche Gespräche mit Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen bei einem Spaziergang oder auf unseren Holzbänken im Garten statt. Manchmal schafft dies ohnehin eine noch lockerere Atmosphäre, die die Gespräche besonders gut fließen lässt. Manche der jungen Leute, die diese Möglichkeit der „Beratung in Bewegung" gewählt hatten, entdeckten den wohltuenden Effekt eines Spaziergangs und übernahmen dies sogar in ihren Alltag.

Chat-Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene
Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr hatte unsere Chat-Beratung für Jugendliche und junge Erwachsene einen deutlichen Schub nach vorne erlebt. Diese Krisen-Chats hatten wir im Rahmen unseres Aufgabenschwerpunkts „Suizidprävention bei jungen Leuten im Landkreis Rottal-Inn" aufgebaut. Auch aktuell wird der Chat wieder verstärkt genutzt. Die entsprechenden Termine werden dabei über unsere Facebook-Seite Jugendberatung Rottal-Inn immer wieder neu angekündigt. In diesen Chat gelangt man über die Startseite unserer Homepage www.beratungsstelle-rottal-inn.de.

Tipps für den Familienalltag in Corona-Zeiten und in der Adventszeit
Über die Homepage können Familien außerdem Tipps für die Gestaltung des Alltags in Corona-Zeiten und in der Adventszeit erhalten. Manchem helfen Anregungen, aber gerade jetzt benötigen viele Menschen auch tiefergehende Unterstützung und Begleitung, da die Corona-Situation und deren Auswirkungen zusätzliche Probleme hervorrufen. So stellt beispielsweise – abgesehen von finanziellen Problemen und Zukunftssorgen – ein Mehr an gemeinsamer Zeit in der Familie für viele eine große Herausforderung dar. Dies gilt erst recht, wenn die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung eingeschränkt sind. Spezielle Advents-Tipps sollen deshalb Anregungen geben, was Familien nun in der Adventszeit stattdessen umso mehr tun können, wie z.B. Sammeln von adventlicher Deko im Wald, gemeinsames Basteln und Plätzchenbacken, Anschauen von Weihnachtsfilmen oder Anhören von Wintergeschichten.

Der von „Kind in Not" geförderten Beratungsstelle ist es ein großes Anliegen, in diesen ungewöhnlichen, und für viele schwierigen Zeiten die jungen Leute und Familien zu unterstützen – auf welchem Weg auch immer.

Bild: Bernhard Dorner

Dr. Joachim Weiß
Dipl.-Psychologe
Leiter der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern
Rottal-Inn