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Meditativer Impuls September 2021

Nach der großen Urlaubszeit beginnt für viele wieder der Alltag. Nicht alle sind darüber glücklich. Manche machen sich Sorgen. Was wird kommen? Werde ich auf den richtigen Weg geführt? Was ist mein Beitrag in dieser Welt, die trotz ihrer Schönheit auch manch Unheil in sich birgt? Wie gut tun da Wegbegleiterinnen und -begleiter an der Seite, Menschen, die mitgehen und zum Anpacken ermutigen.

Ums An- und Zupacken geht es auch im Glasbild des Künstlers Erich Schickling (1924-2012) in der Eustachius Kugler Kapelle der Barmherzigen Brüder, Regensburg. Wir sehen den jungen Tobias mit einem sorgenvollen Gesicht. Er wurde von seinem Vater Tobit auf eine lange Reise geschickt, um bei einem Verwandten hinterlegtes Geld zu holen und er weiß nicht, ob er auf dem richtigen Weg ist. Der junge Mann fühlt sich auch verantwortlich für die Gesundheit seines Vaters, nachdem Spatzenkot in dessen Augen fiel und ihn erblinden ließ. Er macht sich Gedanken um die eigene Lebensplanung: Wird er eine Ehefrau finden und eine Familie gründen können?

Rafael steht hinter ihm und läche­­lt. Sein Wanderstab gleicht einem blühenden Lebensbaum. Er sieht über den Horizont der dunklen Sorgen hinweg das Licht des Himmels während er seine Hand auf Tobias Schultern legt. Im biblischen Tobit-Buch wird er als der gute und erfahrene Ratgeber und Wegbegleiter beschrieben. Tobias will am Fluss baden gehen und wird von einem großen Fisch bedroht. Rafael bestärkt, sich nicht kleinkriegen zu lassen, sondern die anstehenden Dinge jetzt in die Hand zu nehmen: „Pack den Fisch und bring ihn in deine Gewalt!" (Tob 6,4)

Rafael erledigt nicht die Arbeit für Tobias und bringt ihn außer Gefahr. Aber er ermutigt zur rechten Zeit zum Handeln. Der junge Mann packt den Fisch und wirft ihn ans Ufer. Damit ist nicht nur die Bedrohung gebannt, sondern zugleich in gesalzener Form Essensvorrat für viele Reisetage gesichert. Die Galle des Fisches hebt Tobias als Heilmittel für später auf. Mit seinem Begleiter an der Seite findet er nicht nur den Ort, an dem er das Geld holen soll. Er lernt auch Sara kennen und sie feiern bei den Verwandten in der Fremde Hochzeit. Dann begleitet Rafael Tobias und seine Frau zurück zu dessen Eltern. Tobias nimmt auf Anweisung Rafaels die Galle des Fisches und geht zu seinem blind gewordenen Vater Tobit, streicht sie ihm über die Augen, so dass er wieder sehen kann. Der Name Rafael (hebräisch „Gott heilt") ist Programm und wird wieder einmal Wirklichkeit. Erst danach gibt sich Rafael als Engel Gottes zu erkennen.

Anpacken und die Gelegenheit ergreifen: Diese Geschichte kann für viele von uns nach dem Urlaub und zu Beginn eines neuen Schuljahres eine Ermutigung sein. Gott will auch heute heilsam in diese Welt hineinwirken und stellt wegkundige Begleiterinnen und Begleiter zur Seite, die durch Dick und Dünn mitgehen, auch in den Wegen der finanziellen Sicherheit, der eigenen Lebensplanung, bei familiären Sorgen oder in konkreter Bedrohung. Und zur rechten Zeit sagen sie die rechten, ermutigenden Worte: „Lass Dich nicht kleinkriegen, zögere nicht, pack an, Du schaffst es!". Bringen wir dagegen den Mut auf, in aller Offenheit Hilfe anzunehmen und wie Tobias zu sagen: „Warte auf mich… Ich brauche Dich nämlich, dass Du mit mir gehst?" (Tob 5,7).

September ist der Monat, in dem wir das Fest der heiligen Engel Michael, Gabriel und Rafael feiern. Auch Michaela, Gabriele und Rafaela feiern am 29. September ihren Namenstag. Zusammen mit Ihnen dürfen wir uns freuen und sehen lernen, was für alle Engel gilt: Als Mutmacher sind sie schon längst mitten unter uns. Packen wir's an!

Georg Desienrieder

 

Bild: „Rafael und Tobias", Glasbild von Erich Schickling in der Eustachius-Kugler-Kapelle, Regensburg,

Foto: Georg Deisenrieder, © mit freundlicher Genehmigung: Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg und Erich-Schickling-Stiftung, Ottobeuern-Eggisried