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Meditativer Impuls November 2020

„Ich predige weiter."

Geradlinig, mutig, standhaft – zum Gedenken an Pater Rupert Mayer

Früh morgens fahren in Schlangen die Kleinbusse vor. Schülerinnen und Schüler steigen aus. Andere kommen mit Rollstühlen von den nahe gelegenen Wohngruppen angefahren. Pädagoginnen und Pädagogen, Verwaltungskräfte, Hausmeister… Alle kommen sie in der Eingangshalle an der Büste dieses Mannes vorbei. Er ist einfach da. Wie selbstverständlich gehört er als Namensgeber zur KJF-Einrichtung: Pater Rupert Mayer. Damit der Hauspatron wieder bewusster wahrgenommen wird, gestaltete Gemeindereferent und Religionslehrer Berthold Pirzer zusammen mit den Schülerinnen und Schülern eine beachtenswerte Ausstellung – siehe Fotos. Ein kurzer Blick auf die Lebensgeschichte des Jesuitenpaters soll genügen, um aufzuzeigen, wie aktuell sein damaliges Wirken für uns heute ist.

Der 1876 in einer Stuttgarter Kaufmannsfamilie geborene Mayer wurde 23-jährig zum Priester geweiht und trat ein Jahr später in Feldkirch/Vorarlberg dem Jesuitenorden bei. 1912 wurde ihm die Seelsorge für Zuwanderer in München anvertraut. Im ersten Weltkrieg wurde er verwundet und verlor ein Bein. Dieses Ereignis schärfte seinen Blick für alle Menschen mit Behinderung. Bereits in den 1920er Jahren erkannte der „Hetzredner im Priesterrock", wie ihn der Völkische Beobachter nannte, die Gefahren des Nationalsozialismus und warnte auch Kirchenverantwortliche vor den neuen Strömungen. Selbst nach der Machtergreifung Hitlers verteidigte er offen den christlichen Glauben von der Würde eines jeden Menschen als Ebenbild Gottes. Als er deswegen ins Gefängnis gehen musste, gab er es seinen Kerkermeistern schriftlich: „Ich predige weiter". Der Münchner Kardinal Michael von Faulhaber würdigte die Verdienste Mayers und protestierte gegen die Vorgehensweise gegen ihn. Nach drei Gefängnisaufenthalten, zuletzt im KZ Sachsenhausen, wo Pater Mayer schwer erkrankte, stand er die Jahre von 1940 bis 1945 unter Arrest im Kloster Ettal. Nach Kriegsende kam er nach München zurück und widmete sich dem geistigen und materiellen Wiederaufbau der Landeshauptstadt. In den Münchner Jahren sah man ihn auf den Straßen immer wieder mit der Sammelbüchse in der Hand, um Bedürftigen helfen zu können. Seine Form gelebter Caritas zeigte sich, wenn Menschen auf der Suche nach einer Wohnung waren, Kleidung oder etwas zu essen brauchten. Er beantwortete selbst Bittbriefe und ging zu den Ämtern, um zu vermitteln.

Es kommt der Allerheiligentag 1945: Gesundheitlich angeschlagen feiert der Jesuit in der Kreuzkapelle neben der zerstörten Münchner Michaelskirche den Acht-Uhr-Gottesdienst. Der 69-Jährige verlas die "Acht Seligpreisungen" aus dem Matthäusevangelium und brachte sie in der Predigt in Verbindung mit dem eucharistichen Brot des Lebens. Es soll den Menschen Kraft geben für den caritativen Einsatz. "Es ist der Herr", doch Pater Mayer bringt den Satz nicht zu Ende. Zweimal noch sind leise die Worte „der Herr, der Herr" zu vernehmen. Dann wird es still in der Kapelle. Alle schauen auf den Prediger, der da vorne in der Kirche steht - verstummt, aber aufrecht. Seine Prothese hält ihn. Wenig später verstirbt er im Krankenhaus. „Selbst im Tod ist Pater Mayer nicht umgefallen", sagen später die Münchner.

Und so steht er bis heute – auf der Büste mitten unter den jungen Menschen, die in unserem Regensburger Pater-Rupert-Mayer-Zentrum ein- und ausgehen: Durch ihn werden auch wir ermutigt, für Menschen einzutreten, die zugewandert sind, die wegen ihrer Herkunft und Hautfarbe diskriminiert werden, finanzielle Unterstützung brauchen, auf der Suche nach einer Wohnung sind oder wegen einer Behinderung besonderen Förderbedarf haben. 75 Jahre nach seinem Tod zeigt uns der mutige Prediger und Helfer was es heißt, den heutigen populistischen und angstmachenden Bewegungen entgegenzutreten: geradlinig, mutig, standhaft.  Das Zitat von Pater Rupert Mayer von der Ausstellung unserer Schulklasse zeigt auf, woher Halt und Haltung kommt:

„Wir brauchen wirklich vor nichts Angst zu haben, der liebe Gott sorgt immer und in allem für uns."

Georg Deisenrieder

 

Die acht Seligpreisungen vom Allerheiligenfest in Leichter Sprache

Matthäus 5,1-12a

Jesus sagt, wer sich freuen kann.

Einmal waren wieder sehr, sehr viele Menschen bei Jesus.
Jesus stieg auf einen Berg.
So konnten alle Menschen Jesus sehen.
Jesus setzte sich hin.
Die Freunde von Jesus kamen zu Jesus.
Jesus fing an zu erzählen.

Jesus sagte:

– Es gibt Menschen, die keine großen Sachen machen können.
Diese Menschen können sich freuen.
Diese Menschen kommen zu Gott.

– Es gibt Menschen, die traurig sind.
Diese Menschen können sich freuen.
Weil Gott die Menschen trösten will.

– Es gibt Menschen, die keinen Streit anfangen.
Und keinen Krieg.
Diese Menschen können sich freuen.
Weil eines Tages im ganzen Land Frieden ist.

– Es gibt Menschen, die möchten, dass alles gerecht ist.
Die möchten, dass alle anderen Menschen gerecht behandelt werden.
Diese Menschen können sich freuen.
Weil Gott selber für Gerechtigkeit sorgt.

– Es gibt Menschen, die sind sehr gut zu anderen Menschen.
Das heißt:
Diese Menschen sind barmherzig.
Die barmherzigen Menschen können sich freuen.
Weil Gott auch barmherzig ist zu diesen Menschen.

– Es gibt Menschen, die haben ein reines Herz.
Ein reines Herz heißt:
Die Menschen sind nicht sauer oder böse oder neidisch.
Die Menschen mit dem reinen Herz können sich freuen.
Weil diese Menschen Gott anschauen können.

– Es gibt Menschen, die sind friedlich.
Diese Menschen sorgen für den Frieden.
Diese Menschen können sich freuen.
Weil Gott bei ihnen ist.

– Es gibt Menschen, die sind immer ehrlich.
Andere Leute wollen das nicht.
Die anderen Leute schicken die ehrlichen Menschen ins Gefängnis.
Die ehrlichen Menschen im Gefängnis können sich freuen.
Weil Gott immer bei den ehrlichen Menschen im Gefängnis ist.

– Es gibt Menschen, die erzählen den anderen Leuten von Gott.
Aber die Leute wollen nichts von Gott hören.
Die Leute lachen die anderen Menschen aus.
Und die Leute schimpfen mit den anderen Menschen.
Die Leute schicken die Menschen ins Gefängnis.

Jesus sagte:

Alle Menschen, die wegen Gott ins Gefängnis kommen, können sich
freuen.
Weil der große, gute Gott immer bei den Menschen im Gefängnis ist.
Und weil die Menschen Gott im Herzen fühlen.

Bilder: Berthold Pirzer