« Zurück

Meditativer Impuls März 2020

Aus Asche neu werden

   

Am Aschermittwoch wurden diese Luftschlangen verbrannt. Der Fasching: Aus! Schluss! Vorbei! Was auf den ersten Blick in der Schale unschön aussieht und nach Rauch riecht, kann bei genauer Betrachtung eine neue Perspektive bekommen. Was vorher existierte, ist nun nicht mehr da – ist zu Asche geworden. Von den bunten Luftschlangen, die Freude ins Haus brachten, blieb ein grauschwarzes Häufchen übrig. Übertragen auf unser Leben kann Asche ein Zeichen für Lebensträume und Hoffnungen sein, die verbrannt oder wie Staub in den Wind weggeblasen wurden.

Doch wissen wir auch, dass in der Asche ein großes Potential liegt: Aschehaltige Erde ist zum Beispiel besonders fruchtbar. Mit Asche kann man Möbel und Böden säubern. Bis in die Nachkriegszeit verwendete man Asche sogar als Zahnputzmittel. Asche ist auch Sinnbild für unser Dasein, das immer wieder gereinigt oder gar gewandelt werden will. Da ist das Mädchen, das von der Polizei auf der Straße aufgefunden wurde, nachdem ihr Vater früh verstarb und der familiäre Rückhalt fehlte. Nach einiger Zeit in einer Jugendhilfeeinrichtung gewann es an Selbstsicherheit und Lebensmut. Heute tritt die junge Erwachsene selbstbewusst auf, gestaltet ihr Leben und gibt als Erzieherin bei der Caritas Kindern Mut und Sicherheit. Da ist das Rentnerehepaar, das sich immer eigene Kinder gewünscht, aber keine bekommen hat. Nun bewirken die Eheleute als Wohltäter unendlich Großes, in dem sie von Zeit zu Zeit junge Mütter und ihre Kinder aufsuchen und finanziell unterstützen. Wie oft kommt es vor, dass sich trauernde Angehörige in Selbsthilfegruppen im Bereich Trauer- und Sterbebegleitung engagieren! Da wachsen Menschen über sich hinaus und geben viel von der selbst erfahrenen, heilsamen Begleitung an andere weiter.

Wenn wir mit dem Bild der Asche auf Ostern zugehen, dann nicht mit dem Verweis auf die Vergänglichkeit unseres menschlichen Daseins. Die Asche sagt uns vielmehr: Schau genauer hin und gib den vitalen Lebensimpulsen Raum. Lass den guten Geist Gottes einziehen, der spricht:

Meine Gnade genügt dir, denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit. (2 Kor 12,9)

Text und Fotos: Georg Deisenrieder, Pastoralreferent