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Meditativer Impuls März 2018

Der Palmesel – nicht nur am Palmsonntag

Ich bin Esel-Fan und habe bei einer geführten Eselwanderung gelernt, dass Esel sehr vorsichtige Tiere sind. Sie sind so vorsichtig, dass wir Menschen sie deshalb stur und störrisch nennen – und manche sagen sogar, Esel seien dumm. Doch das stimmt alles nicht. Esel sind sehr vorsichtig. Wenn ihnen etwas komisch vorkommt oder sie eine Situation noch nie erlebt haben, dann rennen sie nicht davon wie es ein Pferd tun würde, sondern sie bleiben stehen und warten ab. So leicht sind sie dann auch nicht mehr wegzubewegen.

Wer mit einem Esel unterwegs ist, der braucht Ruhe, Einfühlungsvermögen und sehr viel Geduld. Sich einfach auf einen Esel setzen und davon reiten, geht nicht. Einen Esel einreiten, ist eine langwierige Prozedur, bei der es viel auf Vertrauen und Sich-Zeit-nehmen ankommt. Diese, meine – zugegeben sehr beschränkte – Eselerfahrung, macht den Esel für mich zu einem wunderbaren Denkanstoß und Begleiter für die Fastenzeit und es lässt mich aufhorchen, wenn ich im Palmsonntagsevangelium lese, dass Jesus zu seinen Jüngern sagt: „Geht in das Dorf, das vor euch liegt; gleich wenn ihr hineinkommt, werdet ihr einen jungen Esel angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet ihn los und bringt ihn her!" (Mk 11,2)

Einen jungen Esel, auf dem noch nie ein Mensch geritten ist, den kann man doch nicht einfach losbinden und mitnehmen, denn er wird nicht mitgehen. Und Jesus kann nicht spontan aufsitzen und darauf reiten, wenn dies niemand zuvor mit dem Esel geübt hat. Wenn Esel von Natur aus vorsichtig und abwartend sind und normalerweise nie so handeln würden, wie es im Evangelium beschrieben ist, was sagt das über den Esel und über Jesus aus?Eine simple Antwort: Bei Jesus – und auch bei den von Jesus beauftragten Jüngern – muss der Esel wohl keine Veranlassung spüren, skeptisch und vorsichtig zu sein. Jesus muss dem Esel irgendwie ein Gefühl des Vertrauens und der Sicherheit geben, sodass dieser weiß: Mit dem kann ich gehen. Wo dieser Mensch ist, da ist es gut. Er wird mir kein Leid zufügen und mich nicht in eine gefährliche Lage bringen. Mit ihm als Begleiter bin ich absolut sicher.

Der Esel hat ganz instinktiv gehandelt. Aus dem Bauch heraus, aus dem heraus, was seine Natur ist, aus dem heraus, wie er geschaffen und erdacht ist. Mir tut es gut in der Fastenzeit auf den „Palmesel" zu schauen, der mir mit seinem Verhalten sagen kann: Jesus kannst du vertrauen. Er wird dich nicht in die Irre führen. Mit ihm bist du sicher unterwegs. Er kennt den guten Weg.

Text und Bild: Brigitte Wieder, Gemeindereferentin
Leiterin der Fachstelle Pastoral im Sonderpädagogischen Zentrum Abensberg-Offenstetten