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Meditativer Impuls März 2012

Fastenzeit – eine ökumenische Zusammenschau

Katholisch: „Lasst uns aufeinander achten und uns zur Liebe und zu guten Taten anspornen." (Hebr 10,24)

Evangelisch: „7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz"

In der Katholischen Jugendfürsorge wird vieles ökumenisch gelebt – vor allem das Zusammensein mit den Kindern, Jugendlichen und Menschen mit Behinderung, die wir begleiten. Die beiden großen Kirchen haben Gedanken und Ideen zur Fastenzeit veröffentlicht, die wir ökumenisch zusammenschauen wollen.

Bild von weißer Tulpe zum meditativen Impuls März 2012 mit Titel: Dem Licht entgegen

Dem Licht entgegen.

Katholisch
Auf katholischer Seite ruft Papst Benedikt XVI. in seiner Botschaft zur Fastenzeit 2012 zunächst zur Achtsamkeit auf: „Lasst uns aufeinander achten und uns zur Liebe und zu guten Taten anspornen" (Hebr 10,24). Achtgeben heiße gut beobachten, aufmerksam sein, bewusst hinsehen. Der Papst ermutigt auch zum aufmerksamen Blick auf sich selbst und verweist auf Jesus, der dazu ermahnt, den Balken im eigenen Auge zu ‚bemerken', ehe man auf den Splitter im Auge des Bruders sieht. (vgl. Lk 6,14). In einem weiteren Schritt wird der Blick auf andere gerichtet. Damit kommt unsere caritative Dimension in den Blick. Wir werden ermutigt, „aufeinander zu achten, sich nicht unbeteiligt, gleichgültig gegenüber dem Schicksal unserer Brüder und Schwestern zu zeigen."

Wie wichtig sei es doch heute, „Beziehungen zu schaffen, die von gegenseitiger Fürsorge geprägt sind, von der Aufmerksamkeit für das Wohl des Anderen." Damit sind wir beim Kern und bei den Wurzeln der Katholischen Jugendfürsorge. Denn in unseren beruflichen Beziehungen geht es um eine „gegenseitige Fürsorge". Somit kommt das Wort des Papstes auch unserem Leitbildgedanken des Miteinander-unterwegs-seins sehr entgegen. Achtgeben auf den anderen bedeute, für ihn oder sie in jeder Hinsicht das Gute zu wünschen: leiblich, moralisch und geistlich."

Die eigenen Talente dürften nicht erstickt werden, darum sollen wir uns gegenseitig „zur Liebe und zu guten Taten anspornen". Das Gute müsse wieder mehr in den Blick genommen werden. Schließlich fordert der Papst auf, nach dem „hohen Maßstab des christlichen Lebens" zu streben und verweist auf Paulus, der gesagt hat: „Übertrefft euch in gegenseitiger Achtung" (Röm 12.10).

Evangelisch
Wie ein Kontrastprogramm zu den Worten des Papstes erscheint uns auf den ersten Blick das Fastenmotto der Evangelischen Kirche in Deutschland: „7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz". Keine Rede vom hohen Maßstab, vom gegenseitigen Übertreffen. Doch was ist gemeint? Ein ehrgeiziger Mensch giert nach Ehre, strebt nach Macht und Ruhm und ist eifrig darum bemüht, andere zu übertreffen. Wir wissen, wie Ehrgeiz den Leistungsdruck erhöht. Die Zahl der Schüler/innen, Studenten/innen, der Menschen in der Arbeit, die unter diesem Druck körperlich und psychisch erkranken, hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Vielen wächst die Devise „Alles noch besser – schneller – perfekter" über den Kopf. Da geht es längst nicht nur um die Bereiche Bildung und Arbeit. Diese Haltung hat längst bei Freizeit, Sport, Kosmetik Einzug gehalten. Die Menschen, die wir in der Arbeit begleiten, können da manchmal nicht mithalten. Gott sei dank bringen sie uns immer wieder mit anderen Gaben und Fähigkeiten in Berührung.

Das ist die Einladung der evangelischen Fastenaktion: Schluss zu machen mit dem ständigen Höherstreben, mit Karrieredenken und Perfektionismus. Wir sollen in der Arbeit und in der Freizeit gute Qualitäten entdecken wie etwa Kreativität, Esprit, Leichtigkeit und Freude. Wie eine Meditation lesen sich die Themen der einzelnen Fastenwochen:

Groß genug? Die eigenen Grenzen kennen
Begabt genug? Der Perfektion nicht huldigen
Fromm genug? Mit ganzem Herzen glauben
Versorgt genug? Den Mangel nicht fürchten
Tüchtig genug? Sich nicht im Alltäglichen verlieren
Fehlerlos genug? Gnade walten lassen
Erlöst genug? Den Glauben als Geschenk annehmen

Wenn Sie mich fragen: Die beiden Fastenworte der evangelischen und katholischen Kirche ergänzen sich auf wunderbare Weise. Während der Papst in diesem Jahr den Blick auf den anderen richtet, legt die evangelische Kirche den Fokus in diesem Jahr mehr auf das eigene Leben. Das eine kann nicht neben dem anderen existieren. Zusammenbringen, was zusammen gehört. Die Ökumene zeigt uns, wie es geht.