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Meditativer Impuls Mai 2020

Maria hilf – Impuls zum Marienmonat Mai

Man kann schon ins Schmunzeln kommen oder verwundert sein, wenn man diese Schilder auf dem Kirchberg in Greding (Bistum Eichstätt) von oben nach unten liest: Fahrverbot, Maria-Hilf-Weg, 21 % Gefälle.

Während in Bayern die Straßen von der am Münchner Rathaus stehenden Mariensäule aus vermessen werden und alle Wege des Freistaates unter dem besonderen Schutz der Gottesmutter stehen, darf der Maria-Hilf-Weg zwischen der Ober- und Unterstadt in Greding nicht befahren werden: zu steil, zu gefährlich. Da verbietet es sich auch, mit Maria an der Seite noch schnell eine heiße, bremsenverschleißende Talfahrt hinzulegen.

Die Schilder am Wegrand laden im Marienmonat Mai ein, darüber nachzudenken, wie die Gottesmutter heute tatsächlich präsent ist. Schließlich pilgern auch in unserem Bistum Regensburg viele Gläubige zu den Maria-Hilf-Wallfahrtskirchen, etwa nach Amberg, Beratzhausen, Fuchsmühl, Haarbach, Lam, Vilsbiburg. Allerdings geht es da meist bergauf. Im Altarraum hängt häufig eine Kopie des Maria-Hilf-Bildes, dessen Original Lucas Cranach der Ältere, ein Freund Martin Luthers, in tiefer Meditation schuf. Mit Maria sind wir also ökumenisch unterwegs. Das Originalbild suchten wir im Herbst des vergangenen Jahres während Exerzitien für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Innsbrucker Dom auf. Viele Gläubige beten davor das altüberlieferte Gebet zur Mutter von der immerwährenden Hilfe. Darin heißt es: „Maria hilft immer, sie hilft jederzeit." Auf unzähligen Votivtafeln und an den Wänden von Marienheiligtümern steht geschrieben „Maria hat geholfen". Tat sie das wirklich oder ist das alles nur überlieferter, naiver Volksglaube

Die Verehrung Mariens als Helferin ist so alt wie das Christentum: Sie kennt alle Höhen und Tiefen der Menschen. Ein Streifzug durch die Bibel zeigt, weshalb viele in dieser Frau eine starke, solidarische Begleiterin sehen: Bereits während ihrer Schwangerschaft gab es eine Beziehungskrise mit dem Verlobten. Dann kommt die große Freude bei der Begegnung mit ihrer ebenfalls schwangeren Cousine Elisabeth, bei der sie in höchsten Tönen ihr Loblied singt. Dieses Magnifikat ist hoffnungsvoll, aktuell und gesellschaftskritisch bis zum heutigen Tag. Bald darauf folgen die Geburt ihres Kindes in einem armen Stall und die Erfahrung von Flucht und Migration. Als Mutter hat sie ihrem Sohn Jesus auf die Beine geholfen. Ihrer im Judentum verwurzelten Pädagogik wurde nichts erspart, denken wir an die Abnabelungsprozesse ihres heranwachsenden Sohnes, der schon als 12-Jähriger bei der Wallfahrt nach Jerusalem eigene Wege ging. Da hieß es für die Mutter, Spannungen zu ertragen und konfliktfähig zu sein. Mit Angst und Trauer hielt sie schließlich unter dem Kreuz Jesu aus. Doch mit der österlichen Auferstehungsfreude brach neue Hoffnung herein: Ihr Sohn lebt, durch das Dunkel hindurch, immer und ewig! Ab dem Pfingstfest half sie mit, dass sich durch die Kraft seines Geistes schlagartig und universal eine neue Gemeinschaft ausbreiten konnte, zu der wir heute als Christen gehören.

Rosentransport zur KJF-Maiandacht auf dem Adlersberg 2018

Das ist nicht nur die Geschichte einer Frau, die an der Macht der Liebe festhielt. Maria steht uns heute als mächtige Helferin zur Seite, von der wir glauben dürfen, dass sie bei Gott einen ganz besonderen Platz hat und all unsere Anliegen, Freude, Sorgen und Nöte, als Fürsprecherin vor ihn bringt.

In diesen Maitagen fallen in unseren caritativen Einrichtungen und Diensten die großen Treffen und Begegnungen mit Maiandachten aus. Wir wollen uns selbst und andere schützen. Von Maria dürfen wir uns ebenfalls beschirmt und beschützt wissen. Wir wissen uns in diesen Zeiten nicht nur selbst, sondern auch andere Menschen bei ihr gut aufgehoben: Dabei denken wir etwa an die Kinder und Jugendlichen, die vor ein paar Tagen von den griechischen Flüchtlingslagern nach Deutschland ausgeflogen wurden und jetzt ohne leibliche Mutter zurechtkommen müssen. Oder an Familien, die durch Covid 19 oder andere tödlich verlaufende Krankheiten ihre Mütter verloren haben. Da ist es gut, sich angenommen und verstanden zu wissen. Maria hilft, nicht nur am 24. Mai, an dem das Fest „Maria, Hilfe der Christen" gefeiert wird. Sie hilft immer, zu jederzeit, wo es nicht nur steil nach unten geht, sondern auch wieder bergauf! Mag sein, dass diese Gedanken für manche Leserin oder manchen Leser nicht nachvollziehbar oder gar eine Zumutung sind.

Vielleicht aber kann der Impuls im Marienmonat Mai auch dazu anregen, persönlichen Frauenbilder mit Maria in Verbindung zu bringen, um einen neuen Zugang zu ihr zu bekommen.

Text und Fotos: Georg Deisenrieder