Meditativer Impuls Juli 2021

Kann man eigentlich genug danken?

Das Schuljahr 2020/2021 endet für viele anders als die Schuljahre davor: Manche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, vor allem jene in den Einrichtungen mit Schulen, stolpern am Ende dieses Monats völlig müde und erschöpft in den Sommerurlaub. Auch Eltern ersehnen sich nichts lieber als eine Auszeit von der Mehrbelastung durch Homeschooling, vom Digitalisierungsstress, von der Sorge um die persönliche und berufliche Existenz. Und die Schülerinnen und Schüler, die Auszubildenden, diejenigen, die sich beruflich umorientieren oder in den Ruhestand gehen?

Es ist Zeit zurückzuschauen und DANKE zu sagen. Da sollte man aber am Ende dieses Schuljahres schon genauer hinsehen und so manchen Standpunkt wechseln, um den rechten Blick auf das, was gelungen ist, zu bekommen. Wie viel wurde da gelernt, geleistet, getan, von dem wir nur eine leise Ahnung haben? Was blieb alles komplett im Verborgenen, weil darüber nicht gesprochen wird und es keine Dokumentationen oder Tätigkeitsnachweise gibt?  

Eigentlich müssten alle für besondere Leistungen einen Orden umgehängt bekommen. Da gibt es Vieles, was keiner dieser Welt mit Geld bezahlen oder mit Noten und Beurteilungen in einem Zeugnis bewerten kann. In keiner Laudatio bei den anstehenden Abschlussfeiern könnte nur andeutungsweise gewürdigt werden, was es heißt

  • Lernen, mit Einschränkungen zu leben
  • Lernen, Hilfe in Anspruch zu nehmen
  • Lernen, Ohnmachten auszuhalten
  • Lernen, Rücksicht aufeinander zu nehmen und Solidarität zu zeigen
  • Lernen, aus der Situation das Beste zu machen und kreativ zu werden
  • Lernen, Abstände einzuhalten, wenn man am Liebsten jemanden umarmen wollte
  • Lernen, stehen zu bleiben, wenn man dem anderen nahetreten wollte
  • Lernen, im Zurückgeworfensein auf sich selbst sich der eigenen Person radikal zu stellen
  • Lernen, in der Ausweglosigkeit einen Sinn zu finden

Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten auch dann noch Kräfte aufbringen, wo es eigentlich keine Kraft mehr gab. Sie haben sich den anstehenden Aufgaben gestellt, nicht nur, weil sie mussten, sondern, weil sie von sich aus Verantwortung übernahmen und helfen wollten! Kann man dafür eigentlich genug danken?

Wir müssen auch ehrlich sein: Nicht alle konnten in gleicher Weise und trotz Unterstützung lernen. Es gibt auch die Zerbrochenen und Gescheiterten, die sich aufgegeben haben, die weder ein noch aus wissen, die diesen Dank gar nicht mehr lesen, hören, ranlassen können und für die alles sinnlos erscheint. Sie sind nicht vergessen!

Bei Gott ist alles aufgehoben, die schönen und die unschönen Dinge. In seiner Hand ist alles eingeschrieben. „Du kannst nicht tiefer fallen als in  Gottes Hand" (Leitbild der KJF). Er kann alles wandeln. Vielleicht mag das für einige Leserinnen und Leser wie ein billiger Trost klingen. Ich finde den Gedanken ermutigend. Da ist einer, der auch das Verborgene sieht. Er schaut auf den ganzen Menschen, auf seinen guten Willen, unabhängig von Leistungserbringung, Zeugnisnoten und Erfolg.  Gott sei DANK!

Georg Deisenrieder