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Meditativer Impuls Juli 2018

Einfach erhebend

Manchmal gleicht unser Leben und Arbeiten einer Bergtour. Da gibt es bisweilen Dinge, die sich vor den Augen wie mächtige Wände und steile Felsen auftürmen. Dabei werden die eigenen Grenzen überdeutlich klar. Unweigerlich muss man sich selbst eingestehen: Aus eigener Kraft kann ich den Aufgabenberg und die vielen Herausforderungen nicht bewältigen.

Doch wer hilft, wenn keiner da ist oder alle anderen mit ihren eigenen Sorgen beschäftigt sind? Wir sind nun mal nicht Baron Münchhausen, der sich dank seines eigenen Willens und gut trainierten Körpers am eigenen Haarschopf aus dem Sumpf nach oben ziehen kann.

Vielleicht hilft uns ein biblisches Wort weiter: „Er hebt mich auf einen Felsen empor" (Ps 27,5)

Jetzt mag der eine oder andere schnell einwenden: Ist ja lächerlich, klingt ja wie Hokuspokus und ist genauso verrückt wie die Geschichte von Baron Münchhausen! Doch schauen wir uns das Psalmwort einmal etwas näher an: Es will zuallererst sagen, dass ich mich nicht selbst retten muss. Ich darf ihn, Gott selbst, an mir handeln lassen, weil er mir schöne Aussichten schenken möchte. Das setzt selbstverständlich eine Beziehung voraus, die anerkennt, dass er größer und mächtiger ist als ich mitsamt den alltäglichen Grenzerfahrungen. Er kann mich aber nur dann emporheben, wenn ich mich wie ein Kind seinen Händen überlassen kann. Das beinhaltet auch den festen Willen, die Sorgen und Probleme in aller Freiheit wirklich loszulassen und etwas Neues vertrauensvoll zuzulassen.

Foto: Helmut Fuchs - Aussicht genießen bei Maria Waldrast

Auf dem Felsen steht man über dem steinigen Kleinklein des Alltags. Es tritt dann in weite Ferne. Neue Horizonte und Perspektiven tun sich auf. Da fühlt man sich dem Himmel ein Stück näher. Frischer, stärkender Atem kehrt zurück.

Der Fels muss noch nicht der Gipfel sein. Vielleicht liegt noch ein gutes Stück Weg vor mir. Doch der grandiose Blick hinaus in die Weite schenkt Klarheit und macht Mut zum Weitergehen. Einfach erhebend!

Georg Deisenrieder
Pastoralreferent